Von Wyoming nach South Dakota

mg_9389-001Die Natur war gnädig zu mir. Nach­dem ich mich am Vortag bemühte, meine Augen nicht zu reiben und abends meinem schmerzen­den Knöchel einen kalten Umschlag ver­passte, reg­nete es heute und nichts schmerzte mehr. Das war eine tolle Über­raschung und der Auf­bruch, tat mir ein wenig leid, da ich mit Tom gern mehr gesprochen hätte.

Tom war um 5 Uhr aufge­brochen und so sagte nur der Hund Abschied, so schüchtern er am Vortag war, so treu war er jetzt.

Als ich meinen Ruck­sack ins Auto warf, sah ich eine Maus flitzen. Wie kam die Kleine nur  auf die Idee, sich in mein Auto zu verkriechen? Es war ein reg­ner­isch­er Tag, aber das ist kein Grund sich in ein Gefäng­nis zu begeben, aus dem man nicht mehr entkommt.

Beim näch­sten Stop räumte ich das gesamte Auto aus, und stellte fest, sie hat­te begonnen ein Nest zu bauen, knab­berte an Dosendeck­el, hat­te ver­schlossene Pastikver­pack­un­gen geöffnet. Lei­der schaffte sie den Weg hin­aus nicht mehr. Ich fand sie später tot im Auto und beschloss sie an einem guten Platz der Natur zurückzubringen.


Ein Abfall­eimer ist kein guter Platz. Ich habe schon vorher beschlossen noch ein­mal bei Bear Butte vor­beizuschauen. Dort liegt sie nun unter einem schö­nen Baum.

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Auf nach Osten

Den west­lich­sten Punkt mein­er Reise hat­te ich erre­icht, nun geht es also wieder Rich­tung Madi­son, wo meine Reise begann. Ich hat­te vom Med­i­cine Wheel in den Bighorn Moun­tains erfahren, von ihm hat­te ich vorher genau­so wenign gehört, wie von den Bergen, in denen dieser Platz lag. Und wie andere auch wis­sen, sind alle Straßen flach auf ein­er Karte, als es langsam wieder aufwärts ging, ahnte ich Schlimmes, doch zugle­ich wollte ich es nicht wahrnehmen.

Von Cody aus fuhr ich — inzwis­chen mit Son­nen­schutz­fak­tor 50 (für Babies) im Gesicht, ich lerne aus meinen Fehlern — von rund 1500 m in die Höhe, auf etwa 3000 m See­höhe, von der fast ein­spuri­gen 3 Meilen lan­gen Schot­ter­straße, wo es entwed­er links oder rechts ziem­lich runter geht, wusste ich nichts. Aber auch auf der bre­it­en Straße zit­terte ich, als ich, nach­dem ich ein Foto schoß, wieder weit­er­fahren wollte. Bei einem Gang-Auto weiß ich ja was tun, aber ich hat­te ein Auto­mat­ic-Auto (ohne Hand­buch, keine  Ahnung wie ich einen niederen Gang fix­ieren hätte können).

Als ich mich über­wand — schließlich war ich schon so weit gekom­men — fuhr ich auch die Schot­ter­straße rauf, in der Hoff­nung, dass dort genau­so wenig Autos fuhren, wie die restliche Strecke, und so war es auch. NUR mit dem Schnee hat­te ich nicht gerech­net. Ein Teil der Straße war ges­per­rt und beim Weg hin zum Med­i­cine Wheel war min­destens ein Schneefeld zu überqueren.

Meine Augen began­nen langsam zu schmerzen, ein Bein begann weh zu tun, dass ich am Ende des Tages nur mehr humpelte. Sehr selt­sam das alles, denn am näch­sten Tag war alles vor­bei, wie ein Spuck, nie da gewe­sen. Auf jeden Fall half es, eine schnelle Entschei­dung zu tre­f­fen und alleine keine Über­querung eines Schneefeldes zu wagen. Meine Aben­teuer­lust ken­nt Grenzen.

Ich hoffte, dass die Straße hin­unter weniger Stei­gung hat­te, als jene aufwärts, dem war auch so, und ich kehrte bei Tom ein. Ein großzügiger Host, der zwar keine Zeit hat­te, aber mir das ganze wun­der­schöne Haus über­ließ. In der Früh war er um 5 aufge­brochen und hat mir eine Notiz hin­ter­lassen. Er arbeit­et als Kun­sthandw­erk­er, der aus Met­all alles mögliche für Reit­er anfer­tigte. Wie alle meine Hosts in Wyoming über­raschte auch er mich damit, dass nichts abges­per­rt war, und wie offen und leicht sie Frem­den vertrauten.

Noch ein paar Bilder und dann war ich in Sheridan.