Kopenhagen

Nach Kopen­hagen bin ich mit Fre­un­den gereist, um die Vernissage ein­er gemein­samen isländis­chen Fre­undin zu besuchen: Kristín Gunnlaugs­dót­tir. Schau mal auf ihrer Web­seite vor­bei. Schau genau und du wirst sie auch hier find­en.

New York, New York

Als ich 1994 nach New York kam, war die Welt der Dig­italk­a­m­eras noch weit weg, uner­schwinglich, völ­lig undenkbar. Ich machte Bilder, ver­lor die Neg­a­tive, und mir blieb nichts anderes übrig, als die alten mehr als 20 Jahre alten Fotos nochmals zu fotografieren. Doch die Spuren der Zeit waren an ihnen nicht vorüberge­gan­gen. Wirk­lich schön wurde es nicht, also machte ich aus der Not eine Tugend. Ich nahm ein Pro­gramm zur Hil­fe und machte sie noch älter.

Doch ein zweites Ereig­nis lies mich an New York denken, auch wenn ich ganz weit weg war.

2011 traf ich einen Journalisten bei meiner Reise entlang der Westküste Nordamerikas

Er schrieb:

The beau­ty here is not nec­es­sar­i­ly for every­one.

gemeint war der Olympic Nation­al Park in Wash­ing­ton State.

The mix of mys­ti­cal and triv­ial makes Ms. Lot­ter gig­gle, and she gig­gles well. She is 49 and Aus­tri­an and she likes the road.”

Lachen und Kich­ern, die Straße lieben, wenn das nicht schön gesagt ist.

She also had a remark­able moment near here this sum­mer. She was at Cape Flat­tery, the north­west­ern-most point in the con­tigu­ous Unit­ed States, and she had been wor­ry­ing about being sad. Then she decid­ed to stop wor­ry­ing.

I real­ized, ‘When I’m sad, be sad.’ And in that moment, I was hap­py.”

That got her gig­gling again.

It was rain­ing as she spoke. “It’s fun­ny that it’s rain­ing in the rain for­est,” she said…”

Ich finde es immer noch witzig, wie ver­reg­net meine Tage im mod­er­at­en Regen­wald von Wash­ing­ton waren. Juli und doch passte der Regen zum Land.

Ms. Lot­ter said she had dab­bled in shaman­is­tic trav­els, maybe a lit­tle witch­craft now and then. “Dream jour­neys,” she calls them. But she keeps cir­cling back to the phys­i­cal world.

The real thing is the real thing,” she said. “The more I under­stand Earth, the more I’m impressed.”

Genau: Die Real­ität ist das Wahre. Und meine Liebe zur Erde ist noch immer im Wach­sen.

Am Ende fragte er mich, ob er einen Artikel über mich schreiben dürfe. Ich dachte an ein lokales Blatt, als William Yard­ley mir seine Vis­itenkarte gab, wusste ich, das wird ein Artikel in der New York Times: Earth­ly Dream Is Real­ized in the Rain For­est.

Mehr zu dieser Reise gibt es hier: Along the Pacif­ic Coast

Und jetzt noch ein wenig New York.

Oslo — city views

Dif­fer­ent impres­sions … on one hand I saw the sol­diers in the morn­ing with THESE guns (you have to know that I am Tyrolean and our sol­diers called: Schützen (shitzen — if you spell it) — fought against Napoleon and when they go through the city, they still have their old guns (and the one in South Tyrol have none because the guns are not allowed in Italy).

There­fore I was incred­i­ble sur­prised to see it that way. But on the oth­er hand, the street up to the cas­tle is open and every­one can use the park. The Nor­we­gians still are relaxed and full of trust when you see them. I saw Jacob Zuma — Pres­i­dent from South Africa — when he left the cas­tle vis­it­ing king Har­ald. 5 min­utes lat­er I saw a black man as a guard doing his job. In con­trary to the British guards, the Nor­we­gian moves and also smiles a lit­tle bit (very short — but I could see the one look­ing after the female tourist who want­ed a pic­ture with him).

Yes­ter­day was a big event at the uni­ver­si­ty and all were wear­ing these awe-inspir­ing robes and I saw the same car like the day before (num­ber: A2), now with King Har­ald (but I don’t swear, I am not so good in roy­als). Some tourists were look­ing but the Nor­we­gians imme­di­ate­ly start­ed to walk when he went while the tourist (me) were still look­ing because there was so lit­tle secu­ri­ty around. It was Fri­day after­noon, the sun was shin­ing and they were catch­ing sun­beams and the first breath of the week­end.

Then our famous alpine Ötzi vis­its Oslo. What a sur­prise to see famous inhab­i­tants of the moun­tains there. (And I have to say it here. The Aus­tri­an ambas­sador is from Großpeters­dorf — the most impor­tant, most famous place of South Bur­gen­land because a friend of mine lives there).

Here are some city impres­sions!

Venice

Eigentlich wollte ich schon seit mehr als 30 Jahren im Win­ter nach Venedig, aber irgend­wie hab ich’s immer wieder vergessen, bis ich von anderen hörte. Und ich buchte Zug + Bus + Hotel. Ich borgte mir Reise­führer aus, kopierte eine Karte (was sehr gut war, denn die Karte, die ich dann im Hotel bekam, war nicht mehr les­bar für meine alten Augen), lies den Rest der Führer Führer sein und freute mich auf Venedig.

Ich wollte fotografieren, aber es sollte anders kom­men.

Wer es noch nicht gewusst hat, durch Strick­en kom­men Leute zusam­men, allerd­ings muss man in öffentlichen Verkehrsmit­tel strick­en. Nicht nur, dass ich so meine neue Pendler­fre­undin ken­nen gel­ernt habe, strick­ende Frauen spricht man ein­fach an, oder? Ich dachte zwar, dass nur ich das täte… Nein, auch eine vornehme Venezianer­in im Loden­man­tel sprach mich an. So schnell ging’s, ich dachte mir, ich würde gern noch gut Essen gehen, bevor ich heim­fahre und hoffte auf einen Tipp. Und da war sie, die Frau im Loden­man­tel. Und im Gegen­satz zu nicht so gut­müti­gen See­len in Wien bemühte sie sich wirk­lich mir ein Lokal zu nen­nen, wo keine Touris­ten hinge­hen, bei der Calle di Albane­si rein, da irgend­wo. Da war es auch, aber mit­tags war Il Ridot­to geschlossen, wie ich dann fest­stellen musste. Dort wür­den sie auch Essen gehen. Notiert, für’s näch­ste Mal. Reservieren müsste man wahrschein­lich, meinte sie.

Da saß ich also im Vaporet­to, es reg­nete wieder Mal und die Aus­sicht auf ein warmes Essen zum Abschied, ließ mich das viele Wass­er, das ich die let­zten Tage gese­hen habe, vergessen.

Meine Ver­suche in einem Mis­chmasch zwis­chen Ital­ienisch und Englisch zu erk­lären, wie man Sock­en strickt, scheit­erten dann doch. Wobei sie ja regelmäßig in Öster­re­ich Urlaub macht, ja und auch zum Schi­fahren nach Bad Kleinkirch­heim fährt. Sie bekomme immer ihre Sock­en von ein­er Fre­undin. Diese hier waren nun seit langem wieder mal für mich bes­timmt, nach­dem 3 Paare beschlossen hat­ten, andere Auf­gaben wahrzunehmen und kaputt gewor­den sind. Aber anson­sten stricke ich auch für Fre­unde. Doch, doch, mir war bekan­nt, dass es schöne Wolle in Ital­ien gab. Ihr zu erk­lären, dass sie ihre Wolle aus Aus­tralien importieren und in Ital­ien end­fer­ti­gen, führte mich dann doch zu weit. Ja, und die Sig­no­ra war die erste, die mich an diesem Tag bra­va nan­nte, weil ich strick­te. Der 2. war ein älter­er Mann, der mit sein­er Frau im Bus nach Vil­lach neben mir saß.

Ich wußte zwar, dass bra­va mutig heißt, aber in dem Zusam­men­hang machte, dass wirk­lich keinen Sinn. Also was sagt das Wörter­buch: anständig, rechtschaf­fen, artig, brav, ehrlich, erfahren, fähig, gut, lieb, artig, mutig, patent, rechtschaf­fen, redlich . Also sucht euch aus, was eine strick­ende 48-jährige ist. Wobei ich sagen muss, ich bin mir nicht ver­arscht vorgekom­men. Strick­end bekommt man Lob von älteren Venezian­ern, das ist schön zu wis­sen.

Aber das war ja schon mit­ten am Tag. Eigentlich wollte ich nur ins Muse­um, da ich am Nach­mit­tag wieder zurück­fuhr, aber nach­dem es gestern nicht mehr zu reg­nen aufhörte, 2 vom Wind ruinierte Regen­schirme, ein vollge­saugter Daunen­man­tel und ein Loch im Schuh — ohne Ersatz­paar — reicht­en, um den Tag nach heißer Dusche schon früh im Bett bei einem guten Buch, net­ten Hör­spie­len und besagtem Sock­en­strickzeug zu been­den. Dankbar war ich nun für das vorgestern als unerträglich über­heizt eingeschätzte Zim­mer, wo die Nacht­tis­chlampe am anderen Ende des Zim­mers — das heißt auch 1m vom Fußteil des Bettes ent­fer­nt — stand, die man bei der einzi­gen Steck­dose, die logis­cher­weise beim Waschbeck­en für den Rasier­ap­pa­rat ange­bracht war, ein­steck­en musste. Der Heizkör­p­er war ein­fach heiß, Wahl gab es keine. Reg­uliert habe ich ihn, indem ich das Fen­ster öffnete. Bei offen­em Fen­ster genoss ich die Ruhe des autolosen Venedigs, das nur von dumpfen Flugzeuglärm und vie­len Kirchen­glock­en unter­brochen wurde. Nicht zu vergessen, die vie­len Gespräche, die ich von allen möglichen Winkeln hörte. Nicht reg­ulier­barem Heizkör­p­er sei Dank!

Diese Beschränkung sich nur zu Fuß oder per Vaporet­to, Gondel oder Tax­i­boot bringt einen eige­nen Rhyth­mus in die Stadt, den ich sehr genoss. Und doch – als ich bei mein­er Ankun­ft – nichts ahnend, dass es die let­zten trock­e­nen Stun­den wer­den wür­den, durch die Stadt ging, hat­te sich eines sehr verän­dert. Über­all gin­gen Venezian­er mit einem Handy bewaffnet und rede­ten. Irgend­wie machte es mich trau­rig, denn das was ich an Ital­ien so genoss, war, immer Men­schen, die miteinan­der rede­ten zu sehen. Aber das ging im Som­mer, und wie ich nun erfahren kon­nte, auch im Win­ter gegen 5 Uhr nach­mit­tags los. Da waren sie wieder, Men­schen, die sich zum Tratschen auf der Straße trafen. Der Gang war etwas schneller wie im Som­mer, aber das Gemurm­le war gle­ich. Wieder erwis­chte ich mich beim Gedanken, doch endlich mal wie ein Tourist durch Wien zu gehen und zu schauen, wie hier die Men­schen wirk­ten. Dies funk­tion­iert nicht, wenn ich nach der Arbeit los­ge­he. Ich muss mich dazu in Stim­mung brin­gen und der erste Bezirk ist doch sel­ten touris­ten­frei. Auch das war ein Grund Venedig im Win­ter sehen zu wollen.

Wie mir meine Venezianer­in ver­sicherte, mieden sie im Som­mer das Zen­trum, was mich nicht weit­er wun­derte. Dies­mal sah ich aber die zahlre­ichen Einkauf­strol­leys, die die Men­schen ein­deutig als Venezian­er ausze­ich­neten. Auch bewun­derte ich die Eltern mit den Kinder­wä­gen, die die zahlre­ichen Brück­en auf und abmarschierten. Kinder mussten hier bald laufen ler­nen. Das Tem­po war also ein men­schen­gerechteres und ich musste an die Reise­berichte denken, die selb­st das Fahren in ein­er Kutsche als zu schnell emp­fan­den. Doch war ich dann doch beruhigt, als ich die Ret­tung mit Licht und Lärm schneller fahren sah. Denn beim ersten Mal, als ich ein­er ambu­lan­za ansichtig wurde, dachte ich, man stirbt langsam in Venedig, aber ich kann euch beruhi­gen, es geht auch schneller.

Also ich bin also nicht ins Muse­um. Ich war ja auch eigentlich schon beim Abschied­nehmen als ich im Vaporet­to ange­sprochen wurde. Nach­dem ich am Tag zu vor in Mura­no aus­gestiegen bin und vom Mitleid gepackt wurde, als ich die Glaswarengeschäfte eins neben dem anderen ohne einen Touris­ten sah, aber von meinem Ziel „Tor­cel­lo“ noch weit ent­fer­nt, spazierte ich bei immer stärk­er wer­den­den Wind und Regen den kleinen Kanälen ent­lang. Ich ver­mutete, dass die immer noch aus­re­ichen­den vorhan­de­nen Touris­ten sich doch in die Kirchen oder Museen Venedigs ver­zo­gen, als bei regen­peitschen­dem Wet­ter auf ein­er Glask­itsch pro­duzieren­den Insel rumzu­laufen.

Da ich ja noch, ohne 24-Stun­den-Tick­et bewaffnet, in Mura­no ankam, sprang ich beim Namen Mura­no raus, nicht wis­send, dass es mehrere Stazione Vaporet­to in Mura­no gibt. Den Plan erhielt ich dann später beim Kauf des Tick­ets. Und ich musste natür­lich zu ein­er anderen Stazione, ahnte ich, aber ein klein­er Spazier­gang kon­nte ja nicht schaden. Ich hat­te, so dachte ich einen lan­gen Tag vor mir, da begann es stärk­er zu reg­nen und der Wind machte sich auch ein Spielchen. Ich genoss es nur Venezian­er zu sehen, die sich alle zu ken­nen schienen: Salve und Ciao. In Bura­no trafen sich dann auch noch die Män­ner zu Mit­tag auf ein Schwätzchen und ein Gläschen, „Ciao Sig­nori“, das Mit­tagessen wartete auf den Pen­sion­is­ten, während die Arbeit­er gemein­sam ihre Mit­tagspause ver­bracht­en.

Der Schirm, den ich mir im Hotel aus­ge­borgt hat­te, war nicht mehr der neueste und lies bere­its einen Teil hän­gen, die Wind­böen gaben ihr Bestes und mehr als ein­mal beschloss er den Regen auf zu fan­gen anstatt abzuhal­ten. Schließlich ließ er sich nicht mehr zusam­men­klap­pen, als ich das näch­ste Vaporet­to (endlich wieder trock­en über mir) bestieg. Ich wusste ja, dass ich nach Tor­cel­lo wollte (es war so mick­rig im Reise­führer, den ich mor­gens doch mal ange­se­hen hat­te, beschrieben, dass ich mir dachte, da möcht ich hin).
Nur der Regen machte mich schwach. Ich war nun knapp davor schwarz zu fahren, was angesichts des teuren Einzeltick­ets wiederum nicht so teuer ist. Als ich las, wie sie höchst liebenswert darauf hin­wiesen, doch zu zahlen, war ich sehr gerührt, gegen unsere dro­hende mah­nende doch etwas deutsche Art, zum Zahlen aufge­fordert zu wer­den, war das ein­fach reizend. Zuerst dachte ich natür­lich, dass Deutsch wäre nicht richtig und las dann den englis­chen Text. Sie mein­ten es ernst, der Vorteil ein Tick­et um 6€ zu kaufen, wird damit belohnt, keine 44€ Strafe zu zahlen.

Als ich dann doch eine bigli­et­te­ria (man möchte nicht meinen, wie schw­er es sein kann, die noch so kleinen Kanäle zu über­winden, wenn man leicht­gläu­big, nicht die näch­ste Gele­gen­heit zur Über­querung nutzt. Das leichtsin­nige Passieren von Straßen an jed­er Stelle lässt einen vergessen, wie wichtig die Aufmerk­samkeit in diesen Lagunen­städtchen ist. Hier lernt man’s wieder.) Wenn ich schon da war, kon­nte ich auch fra­gen, wie ich nach Tor­cel­lo kom­men kön­nte. Denn nun hat­te ich ja ein gültiges Tick­et und jeman­den kom­pe­ten­ten an der Hand. Ich fol­gte den Anweisun­gen und über­querte die 2 Brücke und hielt mich dann rechts. Aus­ges­tat­tet mit einem 24-Stun­den-Tick­et, hat­te ich jet­zt fast alle Zeit der Welt. Ich hat­te nicht mit mein­er Durch­näs­sung und dem damit ein­herge­hen­den Frieren gerech­net.

Denn schön langsam begann ich zu frieren, aber ich war ja nur 2 Tage in Venedig, da kon­nte ich schon mal frieren. Da das näch­ste Vaporet­to in 10 Minuten kom­men würde, hat­te ich noch genug Zeit für einen weit­eren Schirm und ein Pani­no con Pro­sciut­to crudo e Ruco­la, den ich nun doch ein wenig getoaste wollte. Eigentlich hat­te ich nur vergessen, dass cal­do warm heißt, aber das war mir in diesem Falle sehr recht. Die Freude allerd­ings einen Schirm und nochdazu einen recht gün­sti­gen erwor­ben zu haben, hielt nur ca 25 Minuten, als ich in Bura­no ank­om­mend, diesen öffnete und der Wind nur kurz pustete und damit eben diese meine Freude auch zunichte machte. Allerd­ings muss ich dem Wind zu gute hal­ten, er ver­half mir zu einem guten Lachen über mich selb­st, denn während ich verzweifelt irgend­wie den Schirm um mich wick­elte (man möcht’s nicht glauben, aber ich ver­suchte es), stellte ich mir vor, wie ich mich selb­st beobachtete und dachte, es muss sehr amüsant ausse­hen und bedauerte, dass ich mich nicht selb­st beobacht­en kon­nte.2010venedig-013-411

Doch eines war beza­ubernd: mit­ten in diesen ver­reg­neten grauen Tag in der Lagune Venedigs strahlte mir Bura­no ent­ge­gen, dass dem Dumont Reise­führer nur einige verächtliche, da kun­sthis­torisch unbe­deu­tend, Worte ent­lock­te, dafür mein Herz erwärmte. In den schön­sten Zuck­erl­far­ben strahlte mir, wie ich später las, das Fis­cher­dorf ent­ge­gen. Manch ein Regen­schirm hing ein­fach bei der Ein­gangstür, hier ver­traute man also wieder mehr. Ein Fis­ch­er lächelte, als er mich die Regen­tropfen im Kanal fotografieren sah, alles war hier viel ein­fach­er. Dafür habe ich nun nachge­le­sen, dass Bal­das­sare Galup­pi von dort stammt. Nun noch nie von ihm gehört? Nun während Vival­di der Star in der ersten Hälfte des 18.Jh. war, war es Galup­pi in der 2. Ich werde da mal hinein­hören angesichts des reizen­den Städtchens. Jet­zt im Nach­hinein wird mir noch ganz warm ums Herz, wenn ich nach­lese, dass es hier keine Hotels gibt und nur seit kurzem eine Ferien­woh­nung.
Diese Insel gehört den Ein­wohn­ern vom let­zten bis zum ersten Vaporet­to des Tages. Sie haben jeden Tag Ruhe von den Touris­ten. Ich finde das toll und mit meinem Ein­druck von der Insel dur­chaus übere­in­stimmt. Während mich der Wind samt Regen durch die Straßen trieb, sah ich, wie sich sich trafen und auf einen Plausch beieinan­der ste­hen blieben.
Doch freute mich der Anblick des schiefen Turms von Bura­no doch sehr. Die Gelassen­heit angesichts schiefer Türme in Ital­ien fand ich schön. Es gab also nicht nur einen. Wäre ich einen anderen Weg gegan­gen, ich hätte es nicht gese­hen.
Als ich dann verse­hentlich bei ein­er falschen Stazione stand, spe­icherte mein Unter­be­wußt­sein, etwas wichtiges, aber in diesem Augen­blick, war mir nur mehr kalt. Inzwis­chen span­nte ich den Schirm nicht mehr auf, lief zum anderen Anlegesteg (die alle über­dacht sind) und holte meinen MP3-Play­er raus, ich brauchte Musik und tanzte in mir drin­nen, da andere Wärm­flaschen oder wär­mende Uten­silien nicht vorhan­den waren.

Nun wollte ich nur mehr heim. Mir fiel auch nicht mehr auf, dass im Vaporet­to geheizt wurde, mir war kalt und es dauerte fast eine Stunde bis ich, nach ein­mal Umsteigen (und ich lernte bit­ter, dass eine Stazione nicht unbe­d­ingt neben einan­der liegt, ich musste wieder eine Brücke über­queren, was ohne diesen Regen kein Prob­lem gewe­sen wäre, aber ich fluchte).

Ich kaufte mir etwas Sala­mi und 2 Pani­ni und dachte mir, auch wenn ich nur 2 Tage in Venedig bin, scheiss drauf, ich will’s warm. Mögen andere sich gezwun­gen sehen, die Zeit sin­nvoller als im war­men Bett zu nutzen, mir war’s egal. Die bun­ten Häuser Bura­nos, die sich im Regen spiegel­ten, nahm ich mit ins Bett.

Ich träumte fan­tastis­che Träume, die ich inzwis­chen alle vergessen habe. Als ich am Mor­gen aufwachte, hörte ich keinen Regen mehr. Nun dachte ich mir, anstatt ins Muse­um zu gehen, werde ich es nochmals ver­suchen nach Tor­cel­lo zu kom­men, denn nun erin­nerte ich mich, dass die Stazione in Bura­no, bei der ich verse­hentlich stand, nach Tor­cel­lo ging. Ich genoss noch den Blick auf die Berge, die nun mit Schnee bedeckt waren.

Als ich dann eine Stunde später dort ange­langt war, waren noch einige andere Fahrgäste an Bord. Später kon­nte ich dann fest­stellen, dass alle — bis auf den Briefträger — in der Basi­li­ka San­ta Maria Assun­ta arbeit­eten. Und es begann wieder leise zu tröpfeln.

Sie spazierten dann gemein­sam los und als ich beim Ris­torante vor­beikam, standen alle bei einem mor­gendlichen Kaf­fee beisam­men und hiel­ten ein Schwätzchen.

Hab ich schon gesagt, dass ich eine Nach­le­serin bin? Ich lese ungern viel über einen Ort oder ein Land, das ich besuche, im Vorhinein, das schenkt mir ein unge­heures Über­rascht­sein über die Schön­heit eines Platzes ohne irgen­deine Erwartung, die mir irgend­je­mand ander­er erzählt. Alles was ich wusste, war, dass Tor­cel­lo früher besiedelt war als Venedig, aber jet­zt nichts mehr davon vorhan­den war. Ich hat­te auch alte Kirch­lein gese­hen, aber auf eine Basi­li­ka aus der Jahrtausendwende — genau um 1008 — war ich nicht gefasst. Ich hat­te mir auch noch nie ein Bild davon gemacht. Aber als erstes betrat ich die kleine Kirche San­ta Fos­ca, die als Heim­statt der Mär­ty­erin San­ta Fos­ca eben­falls im 11. Jahrhun­dert gegrün­det wurde.

Die Schlichtheit berührte mich, aber der herumgeis­terende Mess­ner steigerte mein schlecht­es Gewis­sen, dieses Bild gemacht zu haben, ohne Blitz und trotz Ver­bots. Schön war es, ein­fach eine Kirche zu sehen, die so zur Kon­tem­pla­tion ein­lud.

Am Weg zu den bei­den Kirchen kam ich am Locan­da Cipri­ani vor­bei, dachte zwar an eine Namensgle­ich­heit — für alle, die es nicht wis­sen: in Harry’s Bar in Venedig wurde der wun­der­bare Belli­ni erfun­den und zwar von einem Cipri­ani, dass dies aber qua­si der Land­sitz war, wusste ich nicht, erk­lärte aber, warum sich Queen Eliz­a­beth, Tom Cruise samt Frau, aber auch Gre­ta Gar­bo und Ingrid Bergmann hier­her verir­rten. Der Besuch Ernest Hem­ing­ways zog etliche andere Berümtheit­en dor­thin, mehr davon Berümtheit­en kann man hier nach­le­sen. Jet­zt ver­steh ich, nicht die Kirchen, das Fut­ter zog an.
2010venedig-013-671

Nun mir war das egal, ich ging den Lauben­gang hinüber und plöt­zlich sah ich alle wieder, die mit mir im Vaporet­to waren, selb­st der eine schweigsame Alte, der abseits saß, gehörte dazu: “Due minu­ti”. Ja,ja ich hat­te Zeit und keine Eile. Schon riefen sie mich in den Karten­shop und ich suchte mir nichts ahnend ein paar Kärtchen aus, den blauhäuti­gen Luz­ifer mit dem Antichrist legte ich dann doch wieder zurück, den wollte ich nie­man­dem schick­en. Ich kaufte die Karte, ging hin­aus, der näch­ste riss sie ab, fragte mich, ob ich Ital­iener­in sei (welch schme­ichel­haftes State­ment, doch zugegeben­er Maßen, während im Som­mer sich Touris­ten durch geschmack­lose Ein­heit­sklei­dung bemerk­bar machen, ver­schwinden diese Unter­schiede im Win­ter.) Ein Schwall an Worten ergoß sich über mich (was so eine Bemerkung “un po” bezüglich mein­er Ital­ienisch-Ken­nt­nisse aus­löst!), mein Blick ver­ritt alles, “With the Bigli­et­to you can go to Museo in Venezia” und legte dann Plan bei. Wie immer fragte ich mich, was die vie­len Worte vorher wohl alles bedeutet haben mögen. Die 5€ für den Ein­tritt erschienen mir etwas viel, aber ich wollte doch hier­her, also musste ich auch hinein.

Ich war nicht darauf gefasst, dass mich diese Kirche so berührt. Alte Kapellen in Südtirol, die unge­fähr so alt waren wie diese Basi­li­ka San­ta Maria Assun­ta, fand ich immer schon wun­der­schön. Die Klarheit der Bilder­sprache war mir immer näher, als die späteren ‑man möge mir verzei­hen- über­frachteten Kirchen. Ich betrat nun diese Basi­li­ka.

Noch nie hat mich eine Kirche zum Weinen gebracht, diese tat es. Ich war froh, die ganze Basi­li­ka alleine für mich zu haben, und ließ die Trä­nen fließen. Ich weiss nicht, was mich so beson­ders berührte. Es war eine unge­heure Gebor­gen­heit, die diese Kirche für mich ausstrahlte. Es war nicht der Wind, der den Regen an die Basi­li­ka schla­gen ließ. Es war auch nicht die riesige Mut­ter­gottes mit dem gold­e­nen Hin­ter­grund, wo immer wieder Stern­lein auf­blitzten, auch nicht die große Abbil­dung des jüng­sten Gerichts und der Erschaf­fung der Welt auf der gegenüber­liegen­den Seite. Ich weiss es auch jet­zt nicht und bin wieder ein­mal froh, nicht alles zu wis­sen. Und glück­lich von mir selb­st über­rascht wor­den zu sein. Nie hätte ich gedacht, dass mich eine Kirche zu Trä­nen rührt.

Als ich die Kirche ver­ließ, kam die erste Gruppe. Der san­fte Regen von vorher, war inzwis­chen ungemütlich­er gewor­den. Noch dazu hat­te ich es aufge­gen noch einen Regen­schirm in 5 Minuten zu ruinieren, also ging ich zügig die 10 Minuten zur Stazione.

p.s. Diese Basi­li­ka machte mich glück­lich und mich küm­merte es nicht mehr, dass der Regen meine Kam­era mehr oder weniger eingepackt ließ.