Die Zeit mit Marie ist vorbei

50 Tage, 50 Textschnipsel später beende ich die Vorschau.

Ich habe ein Bilderbuch aus diesen Texten und Bildern zusammengestellt:

Gebrauchsanweisung für Maria – Snippets

Marie, 56 Jahre alt, Künstlerin, genauer gesagt Malerin, seit kurzem.
Aus dem Beruf ausgestiegen und frisch verliebt, muss sie nach Norwegen, das Haus von Freunden hüten. Ein Monat lang verbringt sie nur mit Buddy, dem Hund der Freunde, und sich. Ihre täglichen Pflichten beschränken sich auf Blumen gießen, hin und wieder Rasen mähen, ein wenig ernten und den Hund spazieren führen.
Ansonsten genießt sie die langen Tage und die andersartige, fremde Luft, die die Arbeit an ihren Bildern belebt. Sie liebt das Licht des Nordens.
Viel Zeit um nachzudenken, über ihr Leben, ihre Erfahrungen, Wünsche und Träume. Sie schreibt Luke Briefe, ihrer neuen Liebe, über ihre Sehnsucht nach Liebe, ihre Trauer und Lust. Geschichten über den Tod, über andere Männer und das Universum.

ich liebe dich

Ganz und gar.

Schon immer.

Ich bin doch viel zu alt, um so zu lieben.

Wie konnte ich nur der Liebe so verfallen.

Die Liebe auf den ersten Blick gehört der Jugend.

Und doch.

Nein, ich liebte dich vor der Zeit und werde dich lieben nach der Zeit.

 

Illusion

Die Woge von Sicherheit,
auf der wir zu schwimmen glauben,
gibt es nicht.

Und wenn wir hundert Mal um dieselbe Uhrzeit aufstehen, den immer gleichen Fuß als erstes aus dem Bett strecken, kann am hundertundersten Tag alles ganz anders sein.

Davor fürchte ich mich. Manchmal.

Gewissheit ist nur eine Illusion.

Bitte verzeih mir, dass ich von Unsicherheit geplagt werde. Wie kann ich nur an dir zweifeln? Und doch, nichts einfacher als das. Angst, dass du wegrennst, wenn dein Bild von mir nicht mit dem übereinstimmt, was ich wirklich bin. Dass du Vorstellungen hast, die völlig anders sind.

Dass du nicht mich, sondern nur ein Traumbild liebst.

es regnet

Und auch wenn ich Buddy trocken rubbelte, riecht es nach nassem Hund.

Da sind mir einzelne Düfte von Männern eingefallen.
Welche, die ich mochte (und an die, die ich nicht mochte, will ich jetzt nicht denken).

Dann war mir, als hinge dein Geruch in der Luft.
Wenn ich nur fähig wäre, ihn zu benennen.
Aber kann ich Angekommensein, Geborgenheit, Sicherheit, ein Zuhause auch mit meiner Nase definieren?
Denn so riechst du für mich.

Ein Parfum, das nach Vertrauen duftet, du.

Die Nähe zu dir

Es war ein langer Weg, bis ich Menschen wieder heranließ.

Ich weiß nicht, ob ich die Balance schon gefunden habe, um die richtige Distanz zu anderen einzuhalten.

Ich will dir nah sein.

Ich will nicht mehr ein „Entweder-Oder“.

Ich will dir körperlich, geistig und seelisch nah sein dürfen.

Nicht immer,
nicht die ganze Zeit,
aber ich will die Momente genießen können,
wo Nähe mir nicht mehr Angst macht.

Sei mir nah.

Hin und wieder.

Eine Minute lang, ganz nah,
wenn die Grenze zu allem schwindet.

Anders sein

Ich habe gelernt, dass es immer ein wenig anders ist.

Jeder ist ein wenig anders,

jeder braucht anderes,

jeder trägt sein besonderes Wesen.

Das mag ich so gerne.

Vielleicht kann ich deshalb so schwer wütend werden.

Zornig werde ich, wenn ich nicht mag, wie ich oder andere behandelt werden.

Aber die Art des anderen bleibt unantastbar, mag sie mir noch so seltsam erscheinen.