Website-Icon ruth barbara lotter

Feenfabeln

To read the story in English click here

Sie liebte Märchen, alle Märchen, nicht nur jene, die sie als Kind erzählt bekommen hat, auch jene, die sie jetzt verführten, umgarnten, verzauberten. Fairy Tales, die Geschichten der Elfen, der Feen, Hexen und Zauberinnen, es waren die Erzählungen der magischen Frauen.
Für sie waren es schon lange keine mystischen Wesen mehr, sondern Gestalten, die zwischendurch blicken konnten, zwischen den Tönen hören, zwischen den Strahlen sehen, zwischen den Düften riechen und zwischen den Worten verstehen konnten. Deshalb waren sie fähig, Parabeln zu erzählen, um von den Zwischenwelten zu berichten. Jene anderen wussten nur nicht, dass jede Geschichte in den Köpfen entstand und niemand die Worte genau wie ein anderer verstand. Jede Geschichte wurde zu tausend Geschichten. Jeder, der sie hörte, alle, die sie lasen, nahmen sie mit ihrer stillsten, ganz eigenen stillen Seele auf.

Sie erinnerte sich, als sie einmal ein Wortmeer vor anderen entstehen ließ und plötzlich einer rief: „Genauso war es, ich habe es ganz genauso empfunden. Ich kenne dieses Gefühl der Weite und Enge, des Lautseins und der Stille.“ Und sie lächelte, denn sie wusste, er hatte seine eigene Geschichte gefunden und die Begeisterung, sich selbst entdeckt zu haben, ließ ihn jubeln. Sie beobachtete, wie er zu springen und zu hüpfen begann, weil er seine Aufregung nicht mehr zügeln wollte. Sie überlegte, doch Unsicherheit breitete sich über sie aus. Ihr war nicht klar, ob sie ihm von seiner magischen Erfahrung, die er gerade gemacht hatte, erzählen oder ob sie ihn in dem Glauben ruhen lassen sollte, Teil eines Größeren zu sein. Er war in eine Zwischenwelt gerutscht, nur wusste er es nicht. Diese Welt zwischen Tag und Nacht, zwischen Leben und Tod, die Türen öffnete in Regenbogenkomödien und Schwarzweißdramen.

Sie wollte ihm nicht verraten, dass alle aus der Ganzheit gefallen waren, und seitdem jeder, immer nur seinen privaten Teil der Einheit sehen konnte. Nur in den Zeiten dazwischen war es möglich, eine Ahnung von der Vollkommenheit zu bekommen. In Märchen war der Schritt dorthin ganz klein, denn die Reise der Fantasie hat dort begonnen und alles, was es dort zu erleben gab, war Heimat des Irrealen. Nur wenige wussten, dass das Irreale nur die Rückseite des Realen war und sie nur gemeinsam ganz sein konnten. Die Grenzen hatten zwar Löcher, aber das Gefängnis aus Fleisch und Blut hielt die reale Welt aufrecht. Warum sollte ein Traum weniger wahr sein, als das Tagwerk? Vielleicht war das, was sie jeden Tag unter dem Scheinwerferlicht der Sonne umgab die Illusion und der Traum die Wahrheit. Vielleicht war oben unten und rechts war links. Vielleicht war die Zeit Illusion und der Raum eine Chimäre. Vielleicht war die Seele nur ein anderes Wort für alles Geistige, das getrennt voneinander, neue Erfahrungen sammelte.

English

The tales of the fairies

She loved fairy tales, all fairy tales, not only the one that were told as a child. She loved the ones which were able to seduce, ensnare and bewitched her. Fairy Tales, the stories of the little folk, the pixies, the witches and enchantresses, they were the stories of the magic women.

They were no mythical creatures for her anymore, but characters who can look in between, hear between the sounds, see between the beams, smell between the fragrance and understand between the words. And because they were up to that, they could tell parables to report about the twilight. The others just didn’t know that every story sprouted in their heads and no one understood the words exactly the way another did. Every story became thousands of stories. Everyone who heard them, all who read them, absorb them with their quietest most personal soul.

She remembered that she once spread a sea of words in front of others and suddenly someone shouted: “That is exactly how it was. I have it experienced in the same way. I know that feeling of expanse and narrowness, of loudness and quietness.” And she smiled because she knew he found his own story and the excitement to discover himself that made him rejoice. She witnessed how he started to jumbed and skipped because he didn’t want to repress his excitement. She started to think but insecurity caught her. It wasn’t clear if she should tell him about his magic experience that he just had made or if she let him rest in the believe to be part of something big. He was sliding in the twilight zone but he didn’t know. It was the world between day and night, between life and death that open doors to the comedies of the rainbow and dramas of black and white.

She didn’t want to tell him that all had felt from the wholeness and since then every one was just able to see his private part of the entity. On during twilight times it became possible to get an idea of perfectness. In fairy tales the step towards that was very small because the journey of the fantasy had started there and everything was home of the irrealty that they could experience there. Only few knew that irreality was the back of reality and only both could be whole together. The borders were full of hole but the prison of flesh and blood kept the reality alive. Why should a dream be less true than the stew. Maybe the daily things that were in the spotlight of the sun were the illusion and the dream the truth. Maybe at the top was at the bottom and right was left. Maybe the time was illusion and space a chimera. Maybe the soul was just another word for all spirits that collected new experiences departed from each other.

Die mobile Version verlassen