Katholiken und Arianer am Hemmaberg

Um 400 n.Chr. wurde eine erste Höhen­sied­lung am Hem­ma­berg neben der römis­chen Post­sta­tion Iuen­na am Fuße (beim heuti­gen Globas­nitz) errichtet. Es waren unruhige Zeit­en und im Tale wurde es ungemütlich. Man zog sich lieber in die Berge zurück, um bess­er auf Feinde vor­bere­it­et zu sein. Funde von Münzen und spezieller Töpfer­ware erlauben eine Datierung dieser Sied­lung.
_MG_5953Wie immer lese ich nicht vor, son­dern meist im Nach­hinein. Das hat mit meinem Wun­sch über­rascht zu wer­den zu tun. Also lass ich dich teil­haben an meinen uner­warteten Erken­nt­nis­sen.

Ich bin also nicht der Straße ent­lang hin­auf gegan­gen und so habe ich erst im Nach­hinein erfahren, dass es sich um die min­destens 2000 Jahre alte Straße han­delt. An dieser Straße wur­den bis jet­zt 125 Gräber gefun­den und zwar aus dem 5. und 6. Jahrhun­dert. Auch ein Hin­weis für die Funk­tion des Hem­ma­berges als Pil­gerzen­trum. Doch die ersten Über­reste, die ich sah, waren die eines Wohn­haus­es._MG_5954

Auf dem näch­sten Plateau war die erste Kirchenan­lage — nur wußte ich nicht, dass es die erste Dop­pelkirchenan­lage von zweien war.

Es war nicht nur die erste, es war auch die unter­ste Kirchenan­lage, die auf einem der aufgeschüt­teten Plateaus errichtet wur­den. Es wur­den Ton­nen von Erdre­ich aufgeschüt­tet, um diese Kirchen zu erricht­en.
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Das Podest ist der eigentliche Altar­raum, der zu jen­er Zeit noch ver­hüllt war bzw. ein eigen­er Raum war. Ich habe das zum in ein­er alten Kirche in Venedig, der Basi­li­ka San­ta Maria Assun­ta zum ersten Mal bewusst wahrgenom­men. Ach und schon wieder stoße ich auf mir völ­lig fremde Begriffe: Let­tner soll das heißen. Also das Mys­teri­um wird ver­hüllt.

Hier saßen also Priester, Diakone und Sub­di­akone wer­den der Messe. Sub­di­akone gibt es heute nicht mehr, es war die erste Wei­he, die ein Mann auf dem Weg zum Priester erhielt. Seit dem 3. Jahrhun­dert gab es sie und wurde fast 1700 Jahre später, 1972 unter Paul VI., wieder abgeschafft.
_MG_5956Auf dem Foto vorne sieht man einen markan­ten Stein, darunter befan­den sich die Mär­tyr­er-Reliquien, die sich anscheinend damals in allen Kirchen befan­den. Eben­so wie die Kapellen für die Kirchen­s­tifter, die sich auf Grund der Nähe zu den Reliquien einen schnelleren Zugang zum Him­mel­re­ich erhofften.

Ich set­zte mich auf die Klerus­bank.

Schon let­ztes Jahr fiel mir auf, wie laut es über­all ist, wo Men­schen sind. Ich hörte sie reden, noch lange bevor ich die ersten sah. Ich musste aber auch über die Flugzeuge nach­denken, deren Rauschen ständig über mir schwebte. Als Kind war es noch etwas beson­deres, wenn ich im Gras liegend einem Kon­densstreifen nach­sah. Der Streifen war etwas aufre­gen­des und das eige­nar­tige ent­fer­nte Don­nern auch.

Jet­zt war ich auf 814 Meter Höhe und rund um mich, war immer noch von Men­schen erzeugter Lärm. Wenn ich ein­mal nie­man­den reden hörte, dann dröh­n­ten die Flugzeug­mo­toren über mir. Es macht mich trau­rig, dass mir erst let­ztes Jahr auffiel, wie zer­schnit­ten der Him­mel heutzu­tage aussieht. So wie es früher etwas beson­deres war, ein Kon­densstreifen eines Flugzeuges zu sehen, so ist es heute etwas beson­deres einen blauen Him­mel zu sehen, den kein Wölkchen trübt.
_MG_5959Stille klingt anders.

Neben dieser Kirche ist eine zweite mit einem Tauf­beck­en. Als Taufkirche über­raschte mich nur, dass Stufen in ein viereck­iges Tauf­beck­en führte. Es waren also Erwach­sene, die getauft wur­den, die ganz in das Wass­er getaucht wur­den. Dieses Beck­en wird Pisci­na genan­nt.

Neu war für mich auch der Begriff des Narthex. Das ist ein Vor­raum, den jede der Kirchen enthielt. Dort kon­nten sich Unge­taufte aufhal­ten und den Zer­e­monien bei­wohnen.

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Doch diese Dop­pelkirche ist nicht die einzige Dop­pelkirche am Hem­ma­berg. Doch warum 2x2 Kirchen? Naja, das mit den ver­schiede­nen Auf­gaben der Dop­pelkirche kann ich ja noch ver­ste­hen, aber warum noch eine? Genau­so wie die erste nach Osten aus­gerichtet, kon­nte ich dann lesen, dass es sich um eine Ari­an­is­che und eine Katholis­che han­delte. Und der erste Kom­plex, den ich ange­se­hen hat­te, war jen­er der Ari­an­er.

Ari­an­is­mus hat­te ich ja schon mal gehört, aber ich wußte abso­lut nichts mehr damit anz­u­fan­gen. Im Römer­mu­se­um Teur­nia fragte ich dann nach. Die Ost­goten, die zur Zeit Theoderichs des Großen diese Region (und auch Ital­ien) mil­itärisch kon­trol­lierten, waren Ari­an­er. Von 493 bis 536 n.Chr. gehörte Kärn­ten bzw. das dama­lige Noricum zum Ost­goten­re­ich.

Im Gegen­satz zu den Katholis­chen Chris­ten glaubten sie nicht an die Trinität: Gott Vater, Gott Sohn und der Heilige Geist. Weit­ers erfol­gte ihr Gottes­di­enst in ihrer Mut­ter­sprache. Durch ihren Glauben beistzen wir  das älteste Doku­ment ein­er ger­man­is­chen Sprache: die Wul­fi­la-Bibel. Von der ich als Bib­lio­thekarin selb­stver­ständlich schon gehört hat­te, es ist ein 1700 Jahre altes Zeug­nis, nur dass ich nie gehört habe, dass es vielle­icht die Bibel der Ari­an­er war.
_MG_5972Erst die Bibel, mit der Karl der Große um 800 Alkuin beauf­tragte, wurde eine Über­set­zung wichtiger bis zu jen­er, die Mar­tin Luther im 16. Jahrhun­dert anfer­tigte.

Die Ost­goten mussten ziem­lich tol­er­ant sein, denn die katholis­che Kirche liegt dur­chaus promi­nen­ter und es musste sicher­lich weniger aufgeschüt­tet wer­den,  wie bei der Ari­an­is­chen. Doch bei­de Kirchenkom­plexe haben Mosaike mit ähn­lichen Motiv­en und man schließt daraus, dass bei­de etwa zur gle­ichen Zeit errichtet wur­den.

Das Tauf­beck­en der katholis­chen Kirche hat­te ein eigenes Bap­tis­teri­um, das vom Narthex (diesem Vor­raum für Ungläu­bige) betreten wer­den kon­nte.
Hemmaberg - Kirchen1Das Tauf­beck­en wurde nochmals durch ein hölz­er­nen Bal­dachin geschützt. Die Ein­fas­sung durch Mar­mor gibt diesem Tauf­beck­en ein ger­adezu mod­ernes Ausse­hen, finde ich.  Das Bap­tis­teri­um selb­st ist achteck­ig, wie viele andere auch. Die Acht galt im Chris­ten­tum als Zahl des glück­lichen Anfangs, der Neuge­burt, des Neube­ginns, der geisti­gen Wiederge­burt. Mit dieser Bedeu­tung ist klar, dass es auch für Taufe und Aufer­ste­hung ste­ht. Sie ist ein Sym­bol des Neuen Bun­des mit Gott und Sym­bol des Glücks.

Bei­de Kirchen waren mit kun­stvollen Mosaiken aus­ges­tat­tet und kon­nten
_MG_5983gebor­gen wer­den. Sie befind­en sich im Archäol­o­gis­chen Muse­um in Globas­nitz, für das mir aber die Zeit fehlte.

Die älteste der Kirchen wurde am Beginn des 4. Jahrhun­derts errichtet. Durch ihre exponierte Lage, höher als die bei­den Dop­pelkirchen, dürfte Grund für ihre schlechte Erhal­tung sein. Auch bei ihr fand ich die Kleriker­bank und den Punkt, wo sich die Mär­tyr­er-Reliquien befan­den.

Doch bere­its in der 2. Hälfte des 6. Jahrhun­derts, das bedeutet, kaum nach der Fer­tig­stel­lung der Dop­pelkirchen, wur­den sie bere­its pro­fan genutzt und am Ende des 6. Jahrhun­derts bran­nte es am Hem­ma­berg und diese Brand­zone zieht sich über den gesamten Kirchenan­lage.  Im all­ge­meinen wird angenom­men, dass es die Zer­störung durch die Slawen passierte. Doch an einem der Orte, die ich besuchte (es kam noch der Mag­dalens­berg und Teur­nia hinzu) las ich die Ver­mu­tung, dass es auch ein Erd­beben gewe­sen sein kön­nte. Denn anscheinend wur­den viele solch­er Brand­zo­nen in dieser Zeit ent­deckt. Es kommt mir nicht ganz aus der Luft gegrif­f­en vor. Schließlich ist das ital­ienis­che Kanal­tal in der Nähe und das ist ein bekan­ntes Erd­bebenge­bi­et. Die afrikanis­che Kon­ti­nen­talplat­te, die sich quer durch Ital­ien hin­aufzieht, macht einen Bogen über den Balkan hin­unter nach Istan­bul.
Mit der Wall­fahrt­skirche, die auf diesem Bild her­vor­blitzt, geht es dann weit­er.
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