Auf dem Weg nach South Dakota

Von Pipe­stone nach Rapid City nahm ich die Auto­bahn, zurück werde ich sie sich­er nicht mehr wählen, lieber etwas länger auf dem Weg, als dieses sture ger­adeaus Fahren, da nützten auch die Stopps nichts, die viel zu kurz waren, um das Land einzu­at­men.

touch the sky”

So wird dieser Teil des “North­ern Tall­grass Prairie — Nation­al Wildlife Refuge Min­neso­ta” genan­nt.

Du musst ins Grasland hineinge­hen, um es wie einen Fre­und ken­nen­zuler­nen und baue eine Beziehung auf, damit du erken­nen kannst wie wichtig und wertvoll es ist.

You have to get to go into the grass­land, to get to know them like to get to know a friend to build a rela­tion­ship to see how impor­tant and valu­able they are,” sagte ein Mann in einem Video über die Great Plains.

Es geht nichts über jene Momente, wo ich langsam beginne zu begreifen, was ich hier sehe. Viel Him­mel, so wie ich ihn liebe, aber eigentlich war ich über­rascht über das san­fte Auf und Ab. Erst als ich mich über die starke Sonne zu wun­dern begann, sah ich, dass ich stetig aufwärts gefahren war. Hier in Min­neso­ta habe ich die See­höhe von 267 m in Madi­son auf 529 m in Pipe­stone ver­dop­pelt, in Rapid City, South Dako­ta, werde ich 976 m erre­ichen, ohne dass mir auffiel, wie es ständig nach oben ging. Die Land­schaft war nicht nur reines Grasland, wie auf den Bildern zu sehen ist, son­dern auch Farm­land.

Was ich hier zu ver­ste­hen beginne, ist die Macht der Gletsch­er, die während der Eiszeit das Land über­formten. Wenn die frucht­bare Erde ver­schwindet, kommt der harte Quarz­it zum Vorschein, der sich in Pipe­stone über den Catlin­it, den Pipe­stone, gelegt

Das ist die eine Kraft von Wass­er, wenn es sich als Eis über das Land bewegt. Das erscheint uns ja noch als logisch, aber bei Wass­er vergesse ich immer wieder, wie stark es ist. Es gräbt sich seinen Weg, selb­st durch flach­es Land.

Als ich diesem kleinen Creek fol­gte, hat­te ich kein Gespür, ob ich rauf oder runter ging, tat­säch­lich ging ich abwärts.
_MG_8164Vögel hörte ich, doch die Bisam­rat­te, die in dem kleinen Teich schwamm, bevor sie abtauchte, war cool. Es war die erste, die ich je gese­hen hat­te und es rat­terte in meinem Kopf, was für ein Tier das sein kön­nte. Doch bevor ich es noch bess­er sehen kon­nte, war sie weg. Nach eini­gen Minuten ging ich weit­er (wahrschein­lich war es nicht so lange, nur erschien es unendlich lange), und es war gut so, denn die kön­nen ziem­lich lange tauchen, las ich später.

Doch die Rich­tung erkan­nte ich erst, als ich bei dem Mini­wasser­fall ankam. Die Bilder erk­lären mir aber auch meine Ver­wirrung, denn auf jenen Bildern, wo Bäume zu sehen sind, ist fließt der Creek auf die linke Seite und dort geht es ein­deutig nach oben.

Prairie II

Was mich am meis­ten über­raschte, war das Wass­er.

Ehrlich gesagt, hat­te ich noch nie über Wass­er im Grasland nachgedacht. Aber es schlän­gelt sich hier unauf­fäl­lig durch die Hügel, die sich eben­so beschei­den in die Land­schaft ein­fü­gen, so als ob es sie gar nicht gibt. Mir, die ich in den Bergen aufgewach­sen bin, war es unheim­lich, wie schnell Dinge doch ver­schwan­den und wieder auf­taucht­en. Ich bin keine 10 Minuten gegan­gen und alles, was ich sah, war grün. Von meinem Auto keine Spur mehr.

Mir ist nicht ein­mal aufge­fall­en, ob es hin­auf oder hin­un­terg­ing.

 

Flechten

Flecht­en sind stets unauf­fäl­lig und doch sind sie etwas ganz beson­deres, sie sind keine Pflanzen, son­dern eine Lebens­ge­mein­schaft von Pilzen und Algen oder Bak­te­rien. Ein Prinzip (Lebens­ge­mein­schaft), dass sich als ziem­lich erfol­gre­ich in viel­er­lei Hin­sicht erweist. Ich finde es immer noch faszinierend, dass ich Heimat von viel mehr Bak­te­rien bin, als ich selb­st Zellen habe.

Wahrschein­lich waren Flecht­en ganz entschei­dend an dem pflan­zlichen Sprung an Land beteiligt – indem sie eine Sym­biose mit einem Pho­to­syn­these-betreiben­den Organ­is­mus eingin­gen. Und zwar zu ein­er Zeit, als es mit dem Leben ger­ade mal los ging. Edi­acara wird diese Zeit genan­nt, nach ein­er Hügelkette in Aus­tralien, wo die ersten mehrzel­li­gen ver­stein­erten Lebens­for­men gefun­den wur­den.

Sie sind unter anderem an der Ver­wit­terung von Gestein beteiligt und damit sind sie die Urväter unseres frucht­baren Bodens, ohne ihre Mitar­beit hät­ten es andere Lebens­for­men nicht an Land geschafft. Sie bere­it­eten die stein­erne Ober­fläche für Farne auf. Sie kamen dann als erste Pflanzen an Land, 200 Mil­lio­nen Jahre später.

Sie gehören zu den lan­glebi­gen Lebens­for­men, einige sollen 9000 Jahre alt sein und diese fühlen sich in der Ark­tis wohl, solange es noch kalt bleibt.

Ich mag das Alte. Ohne es würde es uns nicht geben.

Prairie I

Grasland, die großen Ebene, auf denen einst die Büf­fel gras­ten, sind heute Felder. Zumin­d­est hier in Min­neso­ta. Eine Ahnung bekam ich nur in Schutzge­bi­eten. Ich lernte, wenn die Gräs­er nicht geschnit­ten wer­den, dann ist im Früh­jahr, wenn der Schnee geschmolzen ist, die Last ver­schwun­den ist, das trock­ene Gras, das die Land­schaft prägt. Wie grün die Wiesen sein kön­nen, sah ich dort, wo durch kon­trol­lierte Brände das alte Gras ver­schwun­den war. Zuerst meinte ich, dort wurde gemäht, doch erst am zweit­en Blick erkan­nte ich, dass die dun­kle Erde von der Asche geschwärzt war.

Es wird noch mehr Gräs­er geben, denke ich, befinde ich mich ja mit­ten im Grasland.

Den alten und neuen Gräsern ist dieser Teil gewid­met.