Dancing Grass

Kannst du die Melodie hören, die hier gesun­gen wurde, um das Gras tanzen zu lassen?

Als meine Fre­undin dieses Gras Prärie nan­nte, wurde mir klar, dass es nicht ganz so viel mit Cow­boys zu tun hat­te, wie ich dachte. Neugierig, wie ich nun mal bin, schaute ich nach. Es ist das franzö­sis­che Wort für Wiese oder Wei­de. Ja, danach sah es schon aus.

ps. das Franzö­sis­che wird mich immer wieder über­raschen. Wie am Ende mein­er Reise, als ich in Prairie du Chien, Wis­con­sin ankam. Ich bin kaum in der Lage diese franzö­sis­chen Orte, amerikanisch-englisch auszus­prechen, erst recht nicht, wenn ich zu ver­ste­hen beginne, dass der Ort Prairie dogs, oder bess­er gesagt ein Präriehund heißt. Nicht bess­er war es in Pierre, der Haupt­stadt von South Dakota.

Die Welt entdecken

Tja, leichter gesagt, als getan. Aber die Grund­vo­raus­set­zung, die ich für mich gefun­den habe, ist: Reise alleine!

Sobald ich mit anderen reiste, quatschte ich mit ihnen, redete meist wo immer ich war, richtete mich nach ihren Wün­schen. Das wurde so Teil von mir, dass ich viel später, als ich schon allein unter­wegs war, noch immer getrieben war.

Ich bin auf Urlaub, ich muss mich bewe­gen, ich muss vorwärts.

Anstatt mich ein­fach hinzuset­zen. Den Ort, der mir so gut gefällt, ein­fach sein lassen. Dies­mal will ich es bess­er machen. Dies­mal will ich sitzen bleiben, drei Stun­den, vier Stun­den und sehen, was passiert. Kann ich so mutig sein und kein Pho­to machen? Ver­ste­he ich es, die Span­nung im Still­sein zu fangen?

Ruhe ent­deck­en. Aben­teuer in der Regungslosigkeit aufspüren.

Frühling in Wisconsin

Der Win­ter war hart in Wis­con­sin. In den Nachricht­en hörte ich, dass Lake Supe­ri­or (der Obere See, wie ich ihn in der Schule nan­nte) noch zu 40% zuge­froren ist.

Ich darf also heuer den Früh­ling zweimal erleben. Die Bäume haben noch keine Blät­ter und das san­fte Grün, das sich durch die Wälder zieht, wie ich es noch im Bur­gen­land bewun­dert hat­te, wartet noch darauf mich zu überraschen.

Wieder in Amerika

Eigentlich hat­te ich ganz andere Pläne hier in Wis­con­sin, doch wie so oft, kommt es anders, als man denkt. Anstatt dem lange nachzuweinen, will ich nach vorne schauen und sehen, was auf mich zukommt.

Was dieser Reise voranging?

Die let­zten Monate waren gefüllt mit neuen Ideen und deren Pla­nung. Und in den ver­gan­genen Wochen war es soweit. Am 8. April jährte sich der Todestag mein­er Mut­ter und damit startete ich mit der Umset­zung. Nach­dem meine Mut­ter ver­gan­ge­nes Jahr in Frieden gehen durfte, habe ich beschlossen, dieses Trauer­jahr zu nutzen, um tief in mich zu blicken.

Die ver­gan­genen 10 Jahre kosteten mich viel Energie, anfangs fiel es mir nicht beson­ders auf, wie kräftezehrend die Krankheit mein­er Eltern, aber auch andere Umstände waren. Aber zulet­zt war ich mit meinem Leben nicht mehr zufrieden, ich funk­tion­ierte meist nur mehr. Nur das Schreiben war mir geblieben, das machte mich glück­lich. Das Jahr ist vor­bei, nun geht es zur Real­isierung der Träume.

Der erste Schritt war eine neue Woh­nung, die meinen Vorstel­lun­gen entspricht. Vie­len zeigte ich nur die schö­nen Bilder und die wun­der­bare Lage, aber es ging mir auch darum, selb­st einen Schritt in eine ressourcenscho­nende, lebenswerte Zukun­ft zu set­zen. Auch wenn ich keine Kinder habe, möchte ich der Welt respek­tvoll und acht­sam gegenüber treten. Die Woh­nung ist erst 7 Jahre alt, gut isoliert und braucht nicht viel Energie, und ich freue mich über die Fer­n­wärme. Sie liegt so, dass es mir möglich ist, vieles zu Fuß oder mit dem Rad zu erre­ichen. Die Stadt set­zt auf Car-shar­ing und E‑bike-Ver­leih. Das waren alles Beweg­gründe, mich für Eisen­stadt zu entschei­den, neben vie­len anderen. Ich werde Burgenländerin.

Das andere zielt auf meine beru­fliche Zukun­ft. Ich habe mich entschlossen, mich dem zu wid­men, das mein Herz erfüllt und lauter schla­gen lässt. Ich will das tun, was mich die ver­gan­genen Jahre über­leben ließ. Ich habe den Rechen­s­tift gezückt, meine Finanzen geord­net und bin zu dem Schluss gekom­men, dass ich es ruhig wagen kann. Ich will schreiben.

Und ich will aus­re­ichend Zeit haben für unbezahlte Arbeit­en, die ich für ein funk­tion­ieren­des Gemein­we­sen für notwendig erachte.

Begin­nen wollte ich dieses Aben­teuer mit ein­er Recherche zu einem für mich aufre­gen­dem Leben, aber es kam anders. Meine Fre­undin hat­te in den let­zten Wochen große Ver­luste zu tra­gen und möchte nicht mit mir darüber sprechen. Das kann ich ver­ste­hen und gut nachvol­lziehen. Ich weiß noch, wie klein und müde ich in den drama­tis­chsten Stun­den meines Lebens gewor­den bin. Ich war froh um jene, die mich ruhig bei ihnen sitzen ließen, ohne irgen­det­was zu fordern oder zu wollen. Einige gin­gen. Großreinemachen kön­nte man dies wohl nen­nen. Das darunter ger­ade jene waren, die mir immer wieder ver­sichert hat­ten, wie ähn­lich unsere Gedanken seien, lässt mich an ihrer Ken­nt­nis mein­er Per­son zweifeln. Wie froh war ich, dass ich aus­re­ichend Selb­stschutz entwick­elte, um auf mich zu schauen. Manche nan­nten dies Ego­is­mus, ich nenne es Ver­nun­ft. Nie­mand kann so gut auf einen selb­st schauen, wie er selb­st. Sie schaut nun auf sich, so wie ich es tat. Und das tat ich, wann immer mir Dinge oder Men­schen zu viel wurden.

Und so bin ich dankbar, dass meine Fre­undin über deren Leben ich bericht­en wollte, meine Pläne über den Haufen warf, weil es zu viel für sie ist.

Und so bin ich nun dage­sessen und habe in meinen wirren Gedanken­we­gen herum gesucht, was mir denn in den Sinn käme, in den kom­menden Wochen zu unternehmen. Natür­lich hat­te ich an die aufre­gen­den Nation­al­parks in Utah und Ari­zona gedacht. Klar kam mir Yel­low­stone in den Sinn. Aber eigentlich suchte ich nach etwas Stillem. Nach­dem ich im Win­ter eine Doku­men­ta­tion über Gor­don Hemp­ton gese­hen hat­te und ihm auch schrieb, wie sehr mich seine Sehn­sucht nach Ruhe und Friede berührt hat­te, wun­dere ich mich nun nicht über meine Entschei­dung, die großen Natur­wun­der hin­ter mir zu lassen und nach Unaufgeregtem, Ruhigerem zu suchen. Vielle­icht nimmst du dir Zeit und klickst den fol­gen­den Link an und wartest.

SILENCE IS NOT THE ABSENCE OF SOMETHING, BUT THE PRESENCE OF EVERYTHING.”
Mich begleit­et dieser Sound ger­ade beim Schreiben dieser Zeilen.

Ich schaute mir Karten und Reise­führer von Wis­con­sin an und plöt­zlich sah ich das viele Wass­er: die großen Seen, die kleinen natür­lich auch, und den Mis­sis­sip­pi, der die west­liche Gren­ze Wison­sins zu Iowa bildet.

Kom­mende Woche wird es los­ge­hen. Noch erhole ich mich vom Stress der ver­gan­genen, den ich nicht mehr so spie­lend und leicht über­winde wie in jün­geren Jahren, mit Spazierenge­hen, gesun­dem Essen, viel Trinken, Lesen und Schlafen.
Meet me soon at the water!

ps. Das Land führte, bess­er ver­führte, mich, es wurde eine ganz beson­dere Reise, die still begann und in eine andere Stille überging.