Willkommen im Mittelalter — La Roque-St-Christophe

An diesem Felsen auf dem Weg von Mon­ti­gnac nach Les Ezyies lebten eben­falls immer wieder Men­schen. Doch hier ist nur ein klein­er Teil der Prähis­to­rie gewid­met. Und ob die Treppe wirk­lich steinzeitlich ist, wage ich zu bezweifeln.

Die Aus­sicht von diesem Felsen, war großar­tig. Unten der Fluss, der mit Sicher­heit das Land um ihn herum in ein feucht­es Sumpfland ver­wan­delte, aber man weit über das Land schauen kon­nte und schon früh her­an­na­hen­des Wild oder auch Feinde sehen konnte.

Doch ist beein­druck­end, wie sich die Häuser in den Felsen schmiegten. Am besten sieht man das am Mod­ell, das ich auch fotografiert habe. Neben der Mini-Zug­brücke über die man erst in das Dorf gelan­gen kon­nte, waren es die Waf­fen, die mir zu denken gaben. Der Platz war sich­er. Man kon­nte weit sehen in alle Rich­tun­gen, wo Feinde kom­men konnten.

Ist es nicht trau­rig, wie sehr unsere Geschichte von Feind­schaft, gewalt­samen Über­fällen und Über­grif­f­en, Aneig­nung frem­den Lan­des und Gutes geprägt ist? So viele Anstren­gun­gen wur­den unter­nom­men, um sich zu schützen. Was für schwere Zeit­en waren das wohl? War es wirk­lich erstrebenswert, der Steinzeit zu ent­fliehen? Statt Naturkatas­tro­phen (die es später trotz­dem gab, auch wenn es vielle­icht nicht mehr ganz so kalt wurde) und Bären, Löwen und Hyä­nen, musste man sich jet­zt mehr vor anderen Men­schen in Acht nehmen. Und es war immer der Fortschritt, der den näch­sten siegen ließ. Der, der bessere Waf­fen hat­te, kon­nte den Sieg in Anspruch nehmen.

Die furchter­re­gen­den, ange­mal­ten, laut schreien­den, die Haare zu Berg frisiert und mit Kalk gestärkt in Hor­den here­in­fal­l­en­den Kel­ten gegen die struk­turi­erten Römer, die, wie wir seit Aster­ix und Obelix wis­sen, sich zu Schild­kröte und ähn­lichem formierten.

Haben wir Men­schen nichts Besseres zu tun, als zu über­legen, wie wir über­legen wären?

Feuerstein — Laugerie-Haute

Doch es war endlich die Antwort auf eine ganz andere Frage, die ich mir schon gestellt hat­te. Wo hat­ten die den ganzen Feuer­stein, Flint, Horn­stein, Silex her? Und du fragst dich wohl, was das alles ist? Eigentlich ziem­lich das gle­iche. Wie dieser Stein ent­standen ist, wis­sen sie noch nicht genau, es ist nur klar, dass Kiesel­säure-Ablagerun­gen im Meer — wie der ganze Kalk rund­herum auch — daran beteiligt sind.

Woher kom­men die? Von Kieselschwäm­men und Kiese­lal­gen. Erstere haben ihr Skelett statt mit Cal­ci­um­car­bon­at mit Sili­ci­um­diox­id (aus Kiesel­säure) aufge­baut, zweit­ere haben ihre Zell­hüllen daraus aufge­baut. Das lässt mich ganz kurz noch mal daran denken, dass die ganzen Kalka­lpen oder die weißen Klip­pen von Dover rein organ­is­chen, das heißt aus lebendi­gen Organ­is­men, ent­standen sind. Und wir Men­schen glauben, dass wir viele sind.

Wenn du wie ich denkst und glaub­st, dass man den nur zum Feuer­ma­chen ver­wen­det, dann täuscht du dich.

Es ist DER Stein der Steinzeit, qua­si das Top­mod­ell, aus dem die meis­ten Beile und Klin­gen speziell im Jung­paläolithikum und in der Jung­steinzeit ange­fer­tigt wurden.

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Jung­paläolithikum: das ist das Ende der Alt­steinzeit und wird mit dem Erre­ichen Europas des Cro-Magnon Men­schen um 40000 eingeleitet

Jung­steinzeit: das ist jene Zeit, wo Men­schen sesshaft wur­den und mit Acker­bau und Viehzucht began­nen vor ca. 10.000 Jahren, die Häuser wur­den rechteck­ig, sie lebten in grösseren Gemein­schaften, die Unter­schiede zwis­chen den Men­schen wuch­sen, manche beka­men wertvolle Grabbeiga­ben. Das ist wohl der Beginn dessen, was wir heute vorfind­en bzw. wie wir heute leben.

Wo habe ich eigentlich ange­fan­gen? Beim Feuer­stein. Noch ein Satz um Feuer zu machen brauchte man dann noch Zun­der­schwamm, das ist der Schwamm der auf Bäu­men wächst, den ich zwar gese­hen habe, aber dass der auch zu etwas gut ist, habe ich erst im Laténe Muse­um gel­ernt. Der bren­nt recht gut und hält auch die Glut sehr lange. Auch Ötzi hat­te den mit dabei. Qua­si das Feuerzeug der Steinzeit.

© Wikipedia

Doch den Feuer­stein braucht man nicht unbe­d­ingt zum Feuer­ma­chen, das würde mit anderen Steinen. Doch beson­ders gute wur­den dur­chaus getauscht oder über weite Streck­en mitgenommen.

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In einem Buch war vom Feuer­stein­knollen als dem Schweiz­er Mess­er der Steinzeit die Rede. Es war anscheinend eine all­ge­meine Fähigkeit sich aus den Knollen passendes Werkzeug zu schla­gen. Natür­lich gab es bessere und schlechtere Knollen. Doch wis­sen wir, wie weit die Men­schen damals saison­al zogen? Natür­lich erscheinen uns 250 km heute weit. Wer würde heute frei­willig soweit gehen, außer jene, die dem Hype der let­zten Jahre fol­gend sich auf den Weg des St. Jacques begaben?

Doch wenn ich über­lege, dass damals Tun­dra vorherrschend war, man sich also nicht durch wildes Gesträuch und Wälder schla­gen musste, waren 10 km pro Tag ver­mut­lich leicht zu schaf­fen. Und in 25 Tagen wäre man 250km weit gekom­men. Wie weit waren Som­mer und Win­ter­lager voneinan­der getrennt?

Wie es aussieht sind Nean­der­taler in einem Umkreis von 10 km unter­wegs gewe­sen, so kon­nte ich im Muse­um von Les Ezyies lesen. Es hat irgen­det­was mit den Fund­stellen von Steinen zu tun, wie man den Radius berech­net hat.

Viele der Höhlen hier sind nur wenige Kilo­me­ter auseinan­der. Las­caux ist jedoch 25km von Les Ezyies ent­fer­nt, wo viele der Höhlen, die ich besuchte, zu find­en sind.

Laugerie-Haute ist ein sehr großer Abri. Und die Fundge­gen­stände sind sehr vielfältig. Deshalb ver­muten Prähis­torik­er auch, dass dieser Platz über Jahrtausende hin­weg aufge­sucht wurde, was die ver­schiede­nen Abfol­gen von Schicht­en aufzeigen. Ich kann die Ver­mu­tung, dass man sich hier traf, um gemein­sam zu feiern, Wis­sen auszu­tauschen, Part­ner zu find­en, gut nachvol­lziehen. Die Über­schwem­mungen der Vezére haben die einzel­nen Schicht­en begraben. Die Schicht­en sollen bis zu 31 Meter tief liegen. Die Funde waren der Anziehungspunkt Aus­gräber. Da damals die Grun­deigen­tümer Herr ihres Lan­des waren, waren sie auch Eigen­tümer der Funde auf ihrem Land bzw. kon­nten sie ihr Land ver­pacht­en und dann waren diejeni­gen, die etwas fan­den, die Eigen­tümer. Und die bud­del­ten und verscherbelten.

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Nicht jed­er, der grub, war inter­essiert, wann und wie dort gelebt wurde. Und so manch­er (unter anderem der Schweiz­er Otto Hauser wird hier immer wieder als rück­sicht­slos­er, sich nur bere­ich­ern wol­len­der Aus­gräber genan­nt. Er war tat­säch­lich nur an den Gegen­stän­den inter­essiert und nicht daran festzustellen, wann und woher genau der Fund stammte. Seine Meth­o­d­en waren so zweifel­haft, dass man heute nicht mehr fest­stellen kann aus welchem Zeitab­schnitt seine Funde tat­säch­lich stammten. So grub er ziem­lich hem­mungs­los Laugerie-Haute um. Er verkaufte viele Faustkeile, Klin­gen an ver­schiedene Museen nach Deutsch­land, aber auch an das British Muse­um in Lon­don. Viel Wis­sen ging dabei ver­loren. Auch wenn Hauser ein wenig Archäolo­gie studiert hat­te und sicher­lich auch Lei­den­schaft dafür entwick­elte, so war die Art und Weise sein­er Grabun­gen äußerst umstritten.

Hier habe ich nun auch mehr zu den berühmten Klin­gen des Solutréen gehört. Die hauchdün­nen Klin­gen (5–6mm), die die Form eines Lor­beerblattes haben, wur­den „rel­a­tiv kurz“ pro­duziert. Nur mal 2000 Jahre. In vie­len Museen kon­nte ich sehen, wie Faustkeile von Archäolo­gen, die sich darauf spezial­isierten, pro­duziert wur­den. Doch die Führerin hier erzählte uns von den verge­blichen Ver­suchen solch dünne Klin­gen zu erzeu­gen. Sie zer­brachen ein­fach zu leicht, auch das ist ein Grund, dass nicht mehr allzu viele ganze gefun­den wur­den. Sie waren nicht die opti­malen Spitzen für die Jagd, es waren vielle­icht viel mehr Klin­gen, die zeigen kon­nten, wie geschickt man ist und es wur­den Sta­tu­sob­jek­te, die man stolz mit sich führte.
Das zur The­o­rie, dass die Clo­vis-Kul­tur in Ameri­ka mit der Kul­tur des Solutréen ver­bun­den ist. Es gibt amerikanis­che Wis­senschaftler, die glauben, dass es eine Ein­wan­derung über den Eiss­child der let­zten Eiszeit aus Europa gab. Da ich noch ins Muse­um gehen will, behalte ich mir nun diese Frage auf. Wie wird unter­schieden zwis­chen „nor­malen“ Blattspitzen und diese ganz speziell dün­nen Blattspitzen des Solutrèen?

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Laugerie-Haute wurde als Platz der Steinzeit-Men­schen abrupt been­det, indem sich zwei riesige Felsen vom Dach des Abri lösten und den freien Platz zu einem engen, kühlen Ort macht­en. Als Platz war er trotz­dem begehrt, denn im 17. Jahrhun­dert wurde ein Haus errichtet, das heute die Fund­platze Laugerie-Haute und Laugerie-Haute Ouest tren­nt. Das Haus ist kühl und feucht durch die Nähe des Felsens, auch wenn es sehr roman­tisch aussieht, ist es heute doch nicht mehr bewohnt. Auf der gegenüber­liegen­den Seite ist nur mehr eine Ruine eines Haus­es sicht­bar. Erst jet­zt wird mir klar, dass in den Löch­ern, die man im Felsen sieht, Balken einge­zo­gen wur­den. Welche Art von Häusern oder Ställen dort waren, bleibt mir wieder mal ver­schlossen. Es zeigt aber, dass die Fel­swände bis heute her­auf Wohn­plätze waren und blieben. Das Schloss, das an ein­er solchen Fel­swand errichtet wurde, habe ich nur beim Vor­beifahren gese­hen. Es passt ger­ade nicht in meine Denkwelt.

Der östliche Fund­platz ist heute den Wis­senschaftlern vor­be­hal­ten. Der frühere Fest­platz ist ver­schwun­den. Zu sehen sind heute die ver­schiede­nen Stufen der Benutzung dieses Platzes. Inter­es­sant war es trotz­dem, denn ich höre gerne Geschicht­en zu und ich hat­te eine englis­che Führung, die mir neue Anre­gun­gen lieferte. Da ich bis­lang mehr auf das Schauen angewiesen war, und ich mir den Rest erlesen habe, war dies ein beson­der­er Genuss.

Geisterbahn oder doch mehr? Rouffiniac

Gott, was für eine Höh­le, bess­er gesagt, was für ein Höhlensystem!

Irgend­wie war mir das fast zuviel auf ein­mal. Wie immer meinem Mot­to fol­gend, nur nicht zuviel vorher lesen, damit die Über­raschung umso größer ist, war ich nicht auf das vor­bere­it­et, was ich hier zu sehen bekam.

Dass Las­caux nicht zu den riesi­gen Höhlen gehört, hat­te ich schon mit­bekom­men. Aber was ist schon riesig? Woher soll ich das den wissen?

Ich war schon beein­druckt von den paar hun­dert Metern engen Gang in Les Com­bar­relles, und von der Grotte Font-de-Gaume, die auch tief in den Berg geht, aber auch noch bis zu 12 Meter, wiki sagt huit, 8m, hoch ist, mein Franzö­sisch ist nicht das beste. Bei­de sind aber rel­a­tiv schmale Höhlen, in Les Com­bar­relles geht es nur, wenn wir Besuch­er hin­tere­inan­der hineinge­hen, in Font-de-Gaume kann man aneinan­der vor­beige­hen, eng ist es trotzdem.

In Azé hat­te ich ja schon gese­hen, wie ein Fluss sich durch den Berg windet. Aber das hier muss ein gewaltiger Gebirgs­bach gewe­sen sein. Eines wun­derte mich, die vie­len Knollen, die über­all her­aus­ragten. Bei nor­malem Kalk, der durch Ablagerun­gen im Meer ent­standen ist, sind keine frem­den, ander­sar­ti­gen Steine eingeschlossen. Aber siehe da, das war DER Feuer­stein, mehr über kommt noch später. Hier war er zu Hauf zu sehen, das war also ein solch spezieller Platz. Und vielle­icht sind die Löch­er in den Wän­den von Las­caux auch durch die Her­aus­nahme von Feuer­stein­knollen entstanden.

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Die Höh­le ist mehr als 8 Kilo­me­ter lang und wird jet­zt zu Besuch­szweck­en mit ein­er kleinen Elek­trobahn befahren, die ent­lang des Haupt­gangsys­tems 2 Kilo­me­ter tief in den Berg vor­dringt . Es beste­hen 10 Schachtöff­nun­gen, die in ein tief­eres Höh­len­stock­w­erk führen.

Ich schaute also bei der kleinen Eisen­bahn, die mich irgend­wie an die Liliput­bahn im Prater erin­nerte, links und rechts und da ging es mehrmals tief runter. Da musste das Wass­er also auf eine weichere Stelle gelangt sein und hat dann die diret­tis­si­ma nach unten gewählt. Wasser­strudel in einem Gebirgs­bach habe ich natür­lich auch schon gese­hen, aber was diese Wirbel unterirdisch Zustände brin­gen, und wie das in ein­er Höh­le aussieht, noch nicht. Dort bilden sich riesige kre­is­för­mige Dome.

Ich hat­te noch gar keine Bilder gese­hen und dachte mir, dass man das hier auch ohne diese her­vor­ra­gend als Geis­ter­bahn würde nutzen kön­nen. Ein paar Licht­ef­fek­te, mal dunkel, mal hell, da sieht man auch so zahlre­iche Ungeheuer.

Es geht also tief hinein in den Berg. Ich weiß nicht, ob ich mich so weit vor­wa­gen würde. Aber da waren schon welche in früheren Jahrhun­derten und nicht nur Jahrtausenden drin­nen. Und wie in Font-de-Gaume woll­ten sie, dass man sich an sie erin­nert. Hät­ten sie die Graf­fi­tis auch ange­bracht, wenn sie gewusst hät­ten, wie wir heute über sie denken? Es ist nicht schön, Inschriften zu sehen, die, ich ver­mute mal, wie „Hans war da“ lauteten, zu lesen.
Als ich nach oben sah, waren tiefe Rillen zu sehen. In meinem kleinen Lese­führer, den ich mir aus­lieh, kon­nte ich lesen, dass Bären hier ihre Krallen abschlif­f­en, oder ein­fach nur rein­haut­en, wozu auch immer. Später bekam ich dann auch das „Matratzen­lager“ der Bären zu sehen. Über viele, viele Jahre hin, haben sich Bären tief in die Höh­le zurück­ge­zo­gen (wie haben sie dort nur hineinge­fun­den, da ist es stock­dunkel und wieso wussten sie, wann es wieder Zeit zum Auf­ste­hen war? War es ein­fach nur Hunger, der sie wieder ins Freie trieb?). Nicht alle auf ein­mal, aber jede Fam­i­lie, die beschloss hier den Win­ter zu ver­brin­gen, hat sich im weichen Lehm eine Schlaf­mulde zurecht geformt. Und es war immer nur eine Fam­i­lie und nicht ein ganzes Bären­lager. Aber der Saal, der eine Mulde nach der anderen beherbergte, hat­te etwas sehr Berühren­des an sich. Das war aber lange vor jen­er Zeit, als dann der Men­sch, der Cro-Magnon-Men­sch die Höh­le zu benutzen begann.
Wie alle Höhlen, die tief hineinge­hen, ist auch diese nie bewohnt gewe­sen. (Zumin­d­est die, die ich bish­er gese­hen habe)
Dieses Höh­len­sys­tem wurde „nur“ aufge­sucht, um Zeich­nun­gen an den Wän­den und den Deck­en zu malen oder Gravuren anzubringen.
Was ich bis­lang ver­ab­säumt habe zu sagen, was dir als Leser aber auch noch nicht auf­fall­en hat kön­nen, ist, dass die Ritzun­gen, als sie ange­bracht wur­den, viel auf­fäl­liger her­aus ges­trahlt haben müssen. Denn der helle Kalk­stein, wenn er frisch anger­itzt wird, strahlt fast weiß und die Tiere müssen ganz anders her­vor­ge­treten sein als heute. Heute nehmen wir Taschen­lam­p­en und die Schat­ten helfen uns, die Fein­heit­en zu erkennen.
Wir sind also mit ein­er kleinen Eisen­bahn in den Berg gefahren. Nein, richtig ist, dass wir im Berg in die Eisen­bahn gestiegen sind und dann tief hin­unter tuck­erten. Manch­mal sah ich neben den Schienen, dass tiefe schwarze Löch­er in noch weit­ere Höhlen senkrecht hin­unter führten. Weit unten soll noch heute der Fluss fließen, der früher mal hier oben sein Unwe­sen trieb. Ich finde ja Gebirgs­bäche, mit ihrem stür­mis­chen, wilden Gehabe und ihrem ohren­betäuben­den Getöse sehr imposant. So muss es aber auch hier zuge­gan­gen sein, lange bevor Men­schen diese Höh­le betrat­en und lange bevor Bären hier ihren Win­ter­schlaf hielten.
Die Höh­le war schon lange bekan­nt. Sie wurde bere­its im 16. Jahrhun­dert in der „Cos­mo­gra­phie Uni­verselle“ erwäh­nt und wurde immer wieder von Men­schen aufge­sucht. Der Trag­weite oder his­torischen Tiefe war man sich nicht wirk­lich bewusst. Selb­st die Resis­tance hat sich in dieser Höh­le versteckt.
So bekan­nt die Höh­le über die Jahre hin­weg war, die prähis­torischen Fels­bilder wur­den erst 1956 offiziell erkan­nt und bestätigt wurden.
Ich finde es reizend, wie der Autor in Wikipe­di schreibt, dass es unver­ständlich ist, dass viele der bedeu­ten­den Abbil­dun­gen an gefährlichen Stellen ange­bracht wurden.

Was so mod­erne Men­schen für unver­ständlich hal­ten. Manch­mal würde ich gerne solche Autoren mit ein­er kleinen Fack­el hinein­ja­gen. Ich hätte bei meinem Fre­und Mar­tin doch zuse­hen sollen, wie er mit einem 6‑jährigen eine Fack­el bastelte. Vor allem hätte mich die Licht­in­ten­sität inter­essiert. Aber vielle­icht pro­biere ich mal Fet­t­lampe mit Wachold­erzweigen aus.

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Was sind das nun für Stellen? Eine der hin­ter­sten Plätze, die wir als Touris­ten besichti­gen kön­nen, ist zunächst mal für uns Touris­ten aus­ge­hoben wor­den, denn die Höh­le war hier nur mehr einen Meter hoch. Und da kann man schlecht mit ein­er Eisen­bahn hine­in­fahren. Aber selb­st wenn das nicht das Hin­der­nis gewe­sen wäre. Die teil­weise riesi­gen Bilder hät­ten wir nicht gut erken­nen kön­nen, wenn der Abstand so knapp ist. An der „Großen Decke“ find­en wir an der einen Seite Stein­böcke und auf der anderen Seit e Pferde, jew­eils eines davon sehr groß. Und über­all verteilt, sind Darstel­lun­gen von Mam­muts. Die in dieser Höh­le wirk­lich zahlre­ich vertreten sind. Wie sie diese Tiere vor allem die großen so wirk­lichkeits­ge­treu anbrin­gen kon­nten, ohne dass sie es als Ganzes gese­hen haben, fasziniert mich. Was den Wikipedia-Autor faszinierte, war der riesige Trichter, der an ein­er Seite der großen Decke tief nach unten führte. Dort unten soll es weit­ere Abbil­dun­gen geben. Wie sie dort hin­un­ter­stiegen oder bess­er krax­el­ten, habe ich mir nicht vorstellen kön­nen. Ich würde mich gut gesichert nicht unbe­d­ingt trauen.

Noch eines möchte ich noch erwäh­nen. Eine Form von Abbil­dun­gen, die nur dazu ver­führen, vergessen zu werden.

Viele Wände sind mit weichem Lehm über­zo­gen, nicht hin­greifen hat also eine wirk­lich wichtige Bedeu­tung. In diese weichen Wände wurde nun aber auch mit Fin­gern „gemalt“. Fin­ger­spuren wer­den sie genan­nt oder franzö­sisch tracé dig­i­tal. Ger­ade wer­den sie maka­ro­niar­tig genan­nt oder wenn sie sich schlän­geln mäan­der­ar­tig. Diese Zeichen bedeck­en 500 Quadrat­meter in Rouf­fi­gnac, wovon 50 von Kindern, die man in die Höhe gehoben hat, gefer­tigt wur­den. (wobei 46 nur von 2 Kindern stam­men) Kinder waren also Teil dessen, was in dieser Höh­le zele­bri­ert wurde. Es war keine Erwach­se­nen­welt, son­dern die Welt aller Men­schen. Nie­mand war von beson­deren Zer­e­monien aus­geschlossen. Oder standen hier diese Kinder sog­ar im Mit­telpunkt und die Zeichen dien­ten dazu, dass auch sie Kon­takt mit dieser dun­klen, mys­tis­chen Welt im inneren der Höh­le auf­nah­men? Später wur­den über Teile dieser Streifen Tiere ger­itzt, geformt, wie immer man das nen­nen mag.
Ein beson­der­er, ehrfurcht­ge­bi­etender Ort.
Und wir fahren mit der Eisen­bahn durch.

Grotte de Font-de-Gaume

Bei dieser Höh­le habe ich gel­ernt, dass es nicht zu gut ist, zuviele Höhlen an einem Tag zu besuchen, als ob ich nicht mehr Umw­er­fend­es sehen kann.

Denn eigentlich ist diese die berühmteste von jenen, die ich heute besucht habe (davor waren Les Com­barelles und Abri Cap Blanc, aber jede einzelne ver­di­ent einen eignen Ein­trag, finde ich) aber in der Früh war ich spät dran, 15 Minuten bevor die Kas­sa auf­machte und so kam ich erst mit der Führung um 16.00 hinein. Erst, sage ich, ich hätte schon Angst gar nicht hineinzukom­men, im Reise­führer war die Rede sich einen Monat vorher schriftlich oder tele­fonisch anzumelden. Per­sön­lich kann man sich allerd­ings keine Karten für mor­gen holen, da muss man schon um halb 10, eigentlich um 9, in der Schlange ste­hen. Das geht defin­i­tiv nur in der Vor­sai­son und damit hat­te ich gerech­net. Glück gehabt.

Ich mag es nicht im Urlaub mit Ter­mi­nen einge­quetscht zu sein. (Für die kleineren Höhlen, die nur an weni­gen Tagen Führun­gen haben, kon­nte ich allerd­ings Karten im voraus kaufen. Sie sind alle an der Kasse von Font-de-Gaume erhältlich und dort hal­ten sie auch fest, wieviele Karten bere­its für welche Höh­le oder, Abri, oder Fund­plätze an diesem Tag verkauft wur­den. Man kann dann zit­tern, wo wie ich, ob ich noch hineinkomme, wenn man am Mon­i­tor mitver­fol­gen kann, wie die Plätze “verkauft” wer­den und “com­plete” bei den einzel­nen Führun­gen steht.

Die weniger “berühmten” sind auch nicht direkt zugänglich, son­dern wir wer­den in Font-de-Gaume abge­holt und fahren mit dem Auto dem Guide hin­ter­her. Ich bin schon gespannt.

Zurück zu Font-de-Gaume, genug auf die Folter ges­pan­nt. Ich glaube, dass es in dieser Höh­le mehr als in den anderen, die ich bish­er gese­hen habe, wichtig ist, den richti­gen Winkel und Abstand zu haben. Manch­mal habe ich den Sti­er ein­fach nicht erkan­nt, weil ich falsch ges­tanden bin. Aus dem Gründe sind die kleinen Grup­pen dur­chaus gerecht­fer­tigt, nicht nur aus kon­ser­va­torischen Grün­den. Während man im Muse­um sich vor und zurück­be­we­gen kann, ist indem schmalen Gang oft auss­chlaggebend, an der richti­gen Stelle zu stehen.
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Die Höh­le war dur­chaus bekan­nt, bevor sie “ent­deckt” wurde. Und was machen Men­schen, wenn sie wo waren? Sie verewigen sich. Und so hat­ten im 18. Jahrhun­dert einige eifrige ihre Graf­fi­tis über den Jahrtausende alten ange­bracht. So sind sie halt, die Menschen.

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Wie schon bei Les Com­barelles war ich fasziniert, wie tief drin­nen die Bilder ger­itzt, gesprüht, gemalt wor­den sind. Doch im Gegen­satz zu ersteren sind hier die Gänge sehr hoch und man krack­selte anscheinend auch in die Höhe, um dort Bilder anzubrin­gen (wenn ich mit meinem nicht vorhan­de­nen Franzö­sisch richtig ver­standen habe)

Vielle­icht klingt es ver­rückt, aber am meis­ten beein­druckt haben mich, abstrak­ten For­men (tek­ti­forme — haus­för­mig bedeutet das in der Fach­sprache), denn die entziehen sich kom­plett unser­er Deu­tung. Da wird dann von Stäm­men oder Fam­i­lien gesprochen, aber die Wahrheit ist, wir wis­sen es nicht. Genau­so wenig kön­nen wir sagen, warum in ein­er Rei­he von Bullen ein­er in die andere Rich­tung marschiert. Aber mir gefällt, wie sie einge­fan­gen haben, dass diese Tiere in Rudeln leben und dass es hin und wieder Wider­spen­stige, Eigen­willige, beson­dere Wesen gibt, auch wenn sie von außen nicht anders ausse­hen wie die anderen, denn sie marschieren in die Gegen­rich­tung, egal wieviele sich ihnen entgegenstellen.

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Abri Cap Blanc

Es hat was, ein Fries von lebens­großen Pfer­den im Wohnz­im­mer zu haben. Denn das gibt es hier zu sehen. Es ist eigentlich keine Höh­le, ein Über­hang ähn­lich jen­er, die ich bei Les Com­barelles fotografiert habe.

Während die Wiese dort vor 10.000 Jahren 7 Meter tiefer lag, hat hier auch Schutt und Geröll den Fries geschützt. ABER gut gemeint ist nicht immer gute gemacht. Die Ama­teure, die diesen Über­hang ent­deck­ten, sind ziem­lich bru­tal vorge­gan­gen, als sie 1909 mit Schaufeln die ganze Höh­le aus­räumten. Den Archäolo­gen wird bes­timmt heute noch schlecht, wenn sie nur darüber nach­denken, was die da alles zer­störten. Auch am frei­haben sie Spuren hinterlassen.

Die Farbe, mit der die Pferde bemalt waren, ist über die Jahre ver­loren gegan­gen, anders als bei anderen Fun­den, wo man gut­ge­meint das Elfen­bein und die Knochen von dem “Schmutz” befre­ite, der oft die eigentliche Orig­i­nal­farbe war, rot­er Ocker.

Der Abri wurde im Mag­dalien bewohnt und wieder muss ich nach­le­sen, ich Laie. Also zwis­chen 15000 und 11000 BP (auch das kan­nte ich noch nicht “before present”). Die Funde in 2 Schicht­en weisen darauf hin. Also Sch­aber, Bohrer, Klin­gen aus Feuer­stein, Speere und Schmuck­ele­mente die in diversen Museen zu sehen sind. Ohne weit­er Erk­lärung schauen diese Dinge für mich ziem­lich gle­ich aus, auch wenn ich mich noch in die Arme einiger Museen wer­fen werde, ohne viel Hoff­nung, denn wenn es keine englis­che Erläuterung gibt, scheit­ere ich vollends.

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Auf der tief­sten Schicht unter drei Stein­plat­ten fand man das Grab ein­er jun­gen Frau, die in Embry­ohal­tung zur Ruhe gebetet wurde. Bis man sie an ein Muse­um in Chica­go verkaufte. Eine Nach­bil­dung kon­nte ich dort sehen und sie ähnelte dem, was ich in Cler­mont-Fer­rand gese­hen habe. Sie war eigentlich tiefer und weit­er hin­ten in der Abri begraben, aber was tut man nicht alles für uns Touris­ten, die ja alles sehen wollen. Nun liegt eine Kopie ganz vorne, durch­bricht jede Ehrfurcht, dass es sich hier um einen Men­schen han­delt. Vielle­icht habe ich auch deshalb so viel Erbar­men, weil sie so zusam­mengerollt, wie Schutz suchend, gebet­tet wurde.

Le Thot

Ich war sehr neugierig, was dieses Muse­um mir neues bieten kön­nte. Meine Erwartun­gen waren nicht beson­ders, aber es ist ein kalter Tag und es würde mir ganz gut­tun hinauszugehen.

Doch ich würde, wie die let­zten Tage immer wieder, über­rascht. Endlich ein Platz für Kinder, ein Ort wo nicht die ganze Zeit “sch, sch” zu hören war (obwohl die Lehrer drin­nen doch immer wieder ver­sucht­en, sie damit ruhig zu hal­ten) aber ich finde, da dür­fen sie ruhig lautesten und toben. Denn ein­er­seits haben sie hier ganz ein­fach nochmals Teile von Las­caux aufge­baut und ander­er­seits gibt es auch etwas zu tun.

Während in Las­caux II die Aufre­gung auch der Erwach­se­nen erhöht war und die Ner­vosität, nicht alles ver­ste­hen zu kön­nen, Span­nung erzeugte, ist hier Platz genug. Ich weiß nicht, ob man den Kinder hier auch etwas dazu erzählt hat, aber hier wäre es der richtige Platz. Für Erwach­sene wie mich, wäre, wenn sie Franzö­sisch sprechen, noch 3 Filme zu sehen und zu hören. Ich sah also ein­fach zu. Und durch gekon­nte Ani­ma­tio­nen sah ich auch mehr als vorher, da nicht viele Leute im Muse­um waren, lief ich auch wieder zur Repro­duk­tion zurück und schaute nach. Mir war ent­gan­gen, dass es unter den Malereien in Las­caux auch Ritzun­gen gab, die erst sicht­bar wer­den, wenn man mit Sei­den­pa­pi­er die Ober­fläche abpaust. Und so war unter ein­er riesi­gen Kuh, deren Kör­p­er im Ver­hält­nis zum Kopf zu groß ist, wie ein Hengst ein Pferd bespringt. So waren die Ritzze­ich­nun­gen qua­si eine Skizze, an die man sich nicht immer hielt. Was der Mon­sieur son­st noch alles sagte, weiß ich nicht.

Dass Kinder beein­druckt waren, kann man an diesen Bildern sehen.

Ich habe mir erlaubt, die Bilder zu fotografieren, die in meinen Augen mehr mit den orig­i­nalen zu tun haben, als die “authen­tis­cheren”, die von ein­er Vor­lage kopiert wurden.

Doch was gefällt Kindern noch sehr gut? Tiere und selb­st was machen. Denn im Außen­bere­ich sind lebendi­ge Tiere: eine Kuhrasse, die an den Aue­rochsen erin­nert, ein Pferd, das an Wildpferde erin­nert (mit einem Blick, der mich verza­uberte) und das eng mit einem Esel befre­un­det ist, die sich gegen­seit­ig bei der Kör­perpflege halfen. Ren und Stein­bock und noch eines schaut zwis­chen den Büschen her­vor. An ein­er Stelle kön­nen Kinder dann auch nachvol­lziehen und sel­ber graben wie Archäologen.

Und sie krochen in Höhlen — Les Combarelles

Uns mod­er­nen Men­schen wären es sog­ar zu anstren­gend, die Gravierun­gen im Orginalzu­s­tand zu besichti­gen. Denn ich kon­nte diese schmale (sie ist teil­weise nur 1m bre­it) aufrecht besichti­gen. Denn als die Höh­le für Touris­ten adap­tiert wurde, hat man ein­fach gut 50 cm tiefer gebud­delt und nun kön­nen wir aufrecht­en Ganges durchmarschieren.

Da diejeni­gen, die die Höh­le als erste erkun­de­ten, so groß wie ich, also rund 1,60 cm, waren, erkun­de­ten sie die 240m lange Höh­le kriechend. Es ist feucht und kühl, rund 10 Grad, nicht ein­ladend. Und trotz­dem haben Men­schen 2000 Jahre lang, zwis­chen 9400 und 11700 vor heute, 800 Ritzze­ich­nun­gen angefertigt.

Mit Feuer­stein hätte man nach 6x einen Strich gese­hen, meinte die Führerin.Das klingt alles so ein­fach. Da kauert man am Boden sitzend, andere liegen bäuch­lings, ein flack­ern­des Licht lässt die unzäh­li­gen Erhe­bun­gen und Ver­tiefun­gen schon ohne men­schlich­es Zutun zum Leben erwachen.

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Auch frage ich mich, wer von den anderen schon ein­mal alleine in eine Höh­le gegan­gen ist. Ich schon. In eine, die ähn­lich wie diese hier durch Kalk­felsen ent­standen sind, aber auch eine die ein Lavafluss ent­standen ist. In der einen hab ich laut gesun­gen, um Geis­ter zu vertreiben. In der anderen habe ich das kom­plette Blit­zlicht meines Fotoap­pa­rats ver­braucht, um zu schauen, wo ich hin­steige. Zum Sin­gen bin ich gar nicht mehr gekom­men. Über­leben war angesagt.

Das ist ja erst der Anfang. Da hab ich noch gar nicht ans Malen gedacht.

Also die sind hier bäuch­lings rein (und wie schwierig muss es sein, da wieder raus zu kom­men, aber an ein­er bre­it­eren Stelle kon­nte man vielle­icht umdrehen).

War er oder sie alleine in der Höh­le? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie hin­tere­inan­der liegend, vielle­icht noch tratschend, Mam­mut oder Pferde in die Wände ritzten.

Nein, ger­ade die Enge der Höh­le, in die man wie in einen Bauch hinein krabbeln muss, erin­nert mich mehr an Rit­uale, eine spir­ituelle Annäherung.

Einen Strich hat man vielle­icht mit 6x fer­tig, aber ein Strich ist noch kein Pferd. Ich muss ein Bild vor Augen haben, über­legen wie ich den Strich führe. Entschei­den, wo ich das Tier oder Sym­bol anbrin­gen will. Radieren war ja auch nicht möglich. Diese Aus­sagen, das hätte man in dieser Zeit fer­tig­stellen kön­nen, das sollen sie mir mal zeigen. Wer von denen hat schon mal was zu ritzen ver­sucht, weich­er Kalk­stein hin, har­ter Feuer­stein her?

Ich habe eine Zeit lang mit Speck­stein gear­beit­et. Mit Met­all­w­erkzeug und nicht Feuer­stein. Ver­dammt, da rutscht man ziem­lich leicht ab, das sagt sich so leicht. Speck­stein ist auch ein weich­er Stein, mir ist er hart genug. Kur­ven brachte ich über­haupt nicht leicht zusam­men. Aber ich saß auch auf dem Boden, so wie die Men­schen in dieser Höh­le, die Füße unter meinen Couchtisch geschlun­gen und genoss die besinnliche Arbeit des Herum­schnitzens. Aber es war wärmer als 13 Grad und trock­en­er auch. Das elek­trische Licht machte leichter, wo ich den Meißel anset­zen sollte. Dafür hat­te ich nicht den rußi­gen, knis­tern­den, flack­ern­den, duf­ten­den Wachold­erzweig bren­nen. In Kali­fornien hat­te ich dor­ti­gen Juniper (es dauerte Monate, bis ich endlich daran dachte, die Über­set­zung nachzuschla­gen) in den Bergen gesam­melt, mich bei den Büschen bedankt, gel­ernt, dass er zur Reini­gung von Räu­men dienen soll, und ihn zu kleinen Räuch­er­sticks gebun­den. Wenn ich diese anzünde, zis­cht es und raucht es von den Ölen in den Nadeln und es duftet. Das weiß ich deshalb so gut, weil ich mir welche mitgenom­men habe. Sie bren­nen gut.

Diese Gedanken waren in mir, auch wenn ich nicht an alle dachte, als ich die Ritzze­ich­nun­gen betra­chtete. Das war nicht ein­fach mal schnell gemacht. Sie sind tief in diese schmale, lange Höh­le hinein gekrochen. Ich kon­nte die Ehrfurcht spüren, mit der sie die Pferde galop­pieren ließen. Oder wenn sie ver­sucht­en die Erd­mut­ter um Frucht­barkeit zu bit­ten, in dem sie eine Vul­va und Frauen abbildeten.

Hier lobe ich mir die Fran­zosen, unsere Führerin hat immer sehr auf die Kinder geachtet, immer wieder nachge­fragt, ob sie alles ver­standen haben oder ob es nicht Fra­gen gab (und auch mal den Vater um Geduld gebeten, weil sein Sohn sich vor ihm an sie gewen­det hat­te). Sie sprach von der weib­lichen Vul­va, die hier sym­bol­isch dargestellt wurde, mit der größten Selb­stver­ständlichkeit. (Wo die kleine Ruth plöt­zlich Franzö­sisch gel­ernt hat?)

Und falls es noch nicht ganz klar ist, die Führung ist deshalb auch so nett, weil es nicht viele sind, die in ein­er Gruppe hineinge­hen. Das hat keine beson­deren Gründe, mehr wür­den ein­fach nicht sehen, was ger­ade erk­lärt wird. Und es gab eine feine ver­traute, intime Atmosphäre.

Um einen Ein­druck zu bekom­men, wo all diese Höhlen liegen, wie der Kalk­stein aussieht und wie die Land­schaft geformt ist, hier noch ein paar Bilder.