das andere Land

ich bin ganz nah bei mir.
da, wo alles seinen Anfang nimmt
und alles enden wird.

da, wo nur mein Gefühl zuhause ist,
da ist soviel Wunderbares,
aber auch so viel Schmerz.

langsam bekomme ich eine Idee,
wer ich bin,
ohne Mantel der Verleugnung.

ich bekomme Angst,
dass ich nicht mehr weiß,
was tun. die Stimme bricht.

warum nur schmerzt so Vieles,
an diesem Platz ohne Worte,
im Meer der Gefühle?

es geht tief hinunter
in ein unbekanntes Land,
das klarer nicht sein könnte.

die Erinnerung an dieses Land
wurde mir ausgetrieben,
als ob es böse wäre.

es ist so ungeheuer gewaltig.
es ist so unendlich klein.
alles und nichts.

ich bin es nicht mehr gewöhnt
so zu spüren.
noch immer schnapp ich nach Luft.

Aus dem Gedichtband Momente des Abschieds

im Atem des Windes

ich versuche, mit dem Wind zu sprechen,
er berührt mich,
er singt für mich
ein Lied der tausend Blätter,
mit jedem Blatt eine andere Geschichte,
während ich meinen geheimsten Schmerz flüstere.

ich versuche mit dem Wind zu spielen,
er tanzt mit mir,
er spielt mit mir
das Spiel der tausend Blätter,
mit jedem Blatt eine andere Geschichte,
während mein Schmerz sich in seinem Atem verliert.

Aus dem Gedichtband Momente des Abschieds

Teil des Universum

ich hatte meine Unschuld verloren,
und sie kam zurück,
als ich bereit war.

ein riesiges Universum der Weisheit
und ich habe ein Teil berührt
als meine Unschuld ein Teil von ihr wurde.

wenn ich versuche, einfach zu sein,
obwohl und gegen alles, was ich je sah,
dann finde ich die Reinheit des Lebens.

mit dieser Unschuld kann ich offen sein,
kann sehen, dass alles richtig ist,
auch wenn ich es nicht verstehe.

jungfräulich bin ich Teil des Universums,
heller und schöner
berührender und zarter.

das ist, was ich probiere.

Aus dem Gedichtband Momente des Abschieds

Tanz mit der Göttin

als ich es wagte, dich zu treffen,
sah ich eine Göttin.
ich bestaunte deine Schönheit
und verstummte, um deine Weisheit zu sehen.
still verneigte ich mich tief.

aber deine Mutter sagte mir,
ich soll mit dir tanzen.

du bist so wunderbar.
ich wage es kaum, dich anzusehen.
wie sollte ich da tanzen?

leise fingst du zu lachen an,
ansteckend,
und ich lachte mit dir.

ich wusste nicht warum,
demütig, verlegen, scheu.
du sagtest:

ich bin nicht mehr
und auch nicht weniger als jeder von uns
gib mir deine Hand
und tanze.

die Göttin nahm meine Hände
und wir begannen uns zu drehen.

während ich sie anblickte,
begriff ich,
dass wir die Welt umarmten.

Aus dem Gedichtband Momente des Abschieds

Stille

Jetzt steht sie still,
die Zeit.
nach Wochen,
wo jede Umdrehung
etwas Neues brachte,
ist es still

am Morgen krähte ein Rabe
und kündigte das Schweigen an.
wann wird sich die Starre lösen?
noch sehe ich kein Ende

bewegungslos
warte ich auf das Unaufhaltsame,
harre dem Unwiederbringlichen,
suche den stetigen Wandel

noch steht sie still,
die Zeit

Aus dem Gedichtband Momente des Abschieds