nia z’viel gfühl

Der Gedichtband „nia z’viel gfühl“, im Tirolerischen Dialekt geschrieben, erschien 2005.


Vor vielen Jahren sagte jemand zu mir, ich sei nicht sehr emotional, ich hätte nicht so viel Gefühl wie er. Ich vertraute diesem Mann. Er war nicht der einzige. Nur wusste ich nicht mehr, was wahr ist und was nicht. Das, was er sagte oder das, was ich fühlte.

Später sagte jemand anders zu mir, wie gemein es sei, dass ich jetzt auf mich hören will und mir egal wäre, was andere zu mir sagen.

Es war der einzige Weg, den ich sah, meinen eigenen Gefühlen zu trauen, denn vieles, was mir andere sagten, wie ich fühlen würde, war falsch. Gefühle sind nicht falsch, doch sind sie in stetigem Fluss.

Ich wollte in meine Seele schauen, mich neu entdecken. Das ist der Grund, warum ich diese Gedichte schreiben musste.

Daraus entstand diese Sammlung.

Du kannst sie auch als Buch erwerben, oder als mp3 oder als CD. Schreib mir einfach!

i trau mi

i trau mi

i trau mi ans leben
ans schene und schiache,
da darf’s mi zerreissn und in alle schtickln fetzn
denn danach wachs i zsammen
wia a neia mensch

und i werd reicher und schener
und mutiger und stärker
s’leben lasst mi von vorn anfangen,
wia a kloans kind,
des nit woass, was kimmt

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so und so

so und so

manchmal bin i ganz groß und stark
da kann ma koana
da kann i bam ausreissn
ana welln widerstehn
da bin i stark
manchmal bin i kloan und so verletzlich
da reicht a lufthauch
und i glab, i bin nimma da
wia a bliamel, des ma ausreisst
und glei verbliaht
manchmal hab i’s gfühl
es gibt koa rätsel mehr
und zglaich isch alls a rätsel fia mi
da kannt’s bis in alle ewigkeit dauern
und geschtern vorbei gwesn sein

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schluck nit!

schluck nit!

o doch, i schluck scho,
und du kannsch’s ruhig wissen,
wenn i beim gschichtln druckn schluck,
weil i an schmäh fiar,
denn kennen hab i des nia – s’gschichtl druckn.
bisch der erste, der’s schlucken hert.
die andren haben nit amoal ghert,
wenn i was gsagt hab, wenn i’s gschrien hab
und s’rearn hamm’s erscht recht nit ausghaltn
und gsagt hamm’s, i soll’s lassen.
des warum hat dann koan mehr intressiert.
fascht hätt i’s denen glabt,
dass i nia was gsagt hab.
des schtimmt aba nit.

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seelenfrau

seelenfrau

seelenfrau –
i kann nit sagn
was des hoasst für mi
i spiar’s ganz leise
und woaß ganz genau
ma kannt’s mit zerbrechlichkeit verwechseln
aber des bin i nit

seelenfrau –
i kann nit sagn
wia i no sagn kannt dafia
es zittert in mia
und es macht mi ganz stark
a wenn’s glabt’s
da schmerz macht mi schwach

seelenfrau –
i kannt nit sagn
ob i des bin
denn no bin i dabei z’lernen
nit lei eich z’spiarn, sondern a mi
z’lang war i gwohnt so z’lebn
und heit woass i, des war falsch

seelenmensch –
i kann nit sagn
was des isch
i denk ma lei
es schteckt in uns alle drein
zum vorwärts gehn, ghert a mut dazu
dann kemm ma uns traun, unser seel anzuschaun

Aus dem Gedichtband
„nia z’viel gfühl“

was macht di glabn

was macht di glabn

was macht di glabn,
dass mei verletzlichkeit a schwächn isch?
mit der verletzlichkeit spiar i mi
aba a di und alle andern, de i spiarn mecht
mit der verletzlichkeit woaß i,
dass andre a oane ham
mit der verletzlichkeit geh i auf eich zu
und woaß, i leb

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