Noch besser

Ein Postskriptum zu Blödmännern

Das Doofe beim Denken ist, dass man es nur mehr schlecht abschalten kann, wenn einmal die Leidenschaft entzündet wurde.

Werde ich selbst auch ein Besserwisser, wenn ich über andere Besserwisser lästere? Das ist eine verdammt blöde Frage. Vielleicht ist auch ganz einfach.

Was mache ich? Ich will erklären und meinen Weg aufzeigen, der mich zu einem bestimmten Schluß gebracht hat. Damit lade ich ein, sich in jener Straße der Erkenntnis selbst umzusehen. Zum Denken zwingen kann ich niemanden. Ist jemand nicht meiner Meinung, muss es mir nicht gefallen. Ihn deshalb zu verurteilen, spricht allerdings nicht für Klugheit.

Ich rede nicht von grundlegenden Prinzipien, auf die wir uns geeinigt haben, Menschenrechte und andere Konventionen. Auch will ich hier nicht von totalitären Systemen wie Faschismus sprechen. Jedoch „wer glaubt, ein Diktator sei ein Demokrat, ist blöd, “ klingt auch nicht intelligent.

Die Radikalisierung bei Trivialem nervt mich. Als Denkübung will ich hier so einige Grüppchen nennen: was halten Veganer von Fleischessern? Und Fleischesser von Veganern? Was halten Grüne von Ölkonzernen? Was denken Konservative über Revolutionäre? Und haben Sie schon mal die Fetzen fliegen gesehen, wenn diese Grüppchen sich über ihre eigenen Ziele zu unterhalten beginnen?

Nur weiß ich, manchmal bin auch ich ein Besserwisser. Da zähle ich auf weise Freunde, die mich an der Nase nehmen und mir zeigen, wie oberlehrerhaft ich gesprochen habe.

Blödmänner

„Wer glaubt, xy ist abc, ist schlicht blöd.“ Dieses Zitat brachte mich zum Nachdenken. Diese Aussage ärgerte mich, ich mochte sie nicht. Erst als ich das Ding mit xy belegte, wußte ich, woran sie mich erinnert. War das Volksschule oder doch mehr Kindergarten? Soll ich darauf antworten: „Dann bin ich lieber blöd“ oder „Wer so redet, ist doof“ oder „Na, dann … ;-)“ verlegen, wie der dort angesprochene? Mundtot gemacht, zum Schweigen gebracht und dann noch mit Smiley gekichert. Es war nur kein Kind, das hier sprach, auch kein Jugendlicher, nicht mal ein protestierender Student, nein, derjenige steht mitten im Leben und strotzt und protzt vor Selbstbewusstsein. Keine Unsicherheit trübt das Wässerchen.

In solchen Momenten komme ich mir dann sehr alt vor, denn ich frage mich, a) ob die Welt tatsächlich wissen will, was ich blöd finde und b) wenn andere über Dinge diskutieren, die ich für sinnlos halte, es nicht klüger wäre, einfach den Mund zu halten. Im Grunde appelliere ich mit einer Aussage wie dieser an die Dummheit meines Gegenübers, der selbst nicht imstande ist, zu denken. „Da du auch blöd bist, sag ich dir, was du blöd zu finden hast.“ Willkommen in der Welt der Idioten!

Viel zu viele Menschen sagen, was denn richtig ist und was falsch, anstatt daran zu arbeiten, dass alle mehr denken, damit sie selbst entscheiden können. He, ich bin erwachsen, ich brauche keine Eltern, Lehrer, Peergroup, die mir erklären, wie ich urteilen soll. Gruppendruck. Das einfachste Mittel das soziale Lebewesen Mensch auf Linie zu bringen.

Stattdessen habe ich eine Allergie bekommen: die Besserwisser-Allergie.

Einstürzende Altbauten

Ich bin dabei viele Mauern einstürzen zu lassen: Arbeitswechsel, Wohnungswechsel und Namenswechsel. Gutes darf und will ich in meinem Leben behalten: neben Freunden gehört Singen, Schreiben, Lachen, Fotografieren, Lesen, Reisen, Kochen, Stricken, Malen und sicherlich noch anderes dazu. Also bleibt eigentlich alles Wesentliche beim Alten.

Lärm

Manchmal erschrak ich, als ich mir des Lärms rund um mich bewusst wurde. In meinem Büro rauschte die Klimaanlage, die 4 Computer im Raum brummten, seit Neuestem blubberte ein Luftbefeuchter, draußen landete regelmäßig der Hubschrauber, weshalb die Fenster oft geschlossen blieben, denn das Rotieren der Blätter war lauter als alles andere. Um alles besser ignorieren zu können, spielte ich Discjockey. Auch wenn ich Abba nicht wirklich mochte, ich liebte die Reaktion auf sie, die einen tanzten am Zimmer vorbei, von weitem hörte sie jemand pfeifen und die Kollegen im Zimmer sangen falsch mit. Im Pausenraum wurde um die Wette geredet, den Lauten unter ihnen fiel nur auf, wenn die Leisen auch einmal laut auflachten. Manchmal war es keine Pause sondern nur ein Belastungstest und ich musste gehen. Die Heimfahrt in der U6 aufreibend – sie war die lauteste der U-bahnen Wiens -, um ein Hörbuch noch hören zu können, musste ich meinen mp3-Player voll aufdrehen, was mich manchmal noch aggressiver machte. Da waren mir noch nicht einmal die Menschen aufgefallen, die lauthals telefonierten.

Das ist Stadt, da ist mal so.

Weit gefehlt.
Als ich in Nationalparks unterwegs war, konnte ich der Stille zuhören, bis Menschen kamen.
Menschen machen Krach.
Und Flughunde, die sind auch laut.