Als ich an der Mündung von Big Sur saß und den Sound des kleinen Flusses und des Meeres auf­nahm, kam ein Rabe und begann mich unauf­fäl­lig zu beobacht­en. Manchmal nahm er ein Stöckchen und schleud­erte es durch die Luft, um mir zeigen, dass ich ihm völ­lig egal bin und es ihn über­haupt nicht inter­essiert, was ich hier tue.img_03671

Als plöt­zlich eine Welle weit ins Land here­in­schwappte und er sprang auf den höch­sten Punkt, einem Stein, der im Sand lag. Da habe ich das Foto von ihm gemacht.

Jamie Sams und David Carson, bei­de indi­an­is­ch­er Abstammung, haben mit ihrem Buch über Karten der Kraft, die Medizin des Rabens beschrieben.

 

 

 

 

Sie enthält das große Geheimnis der Leere.

Schwarz ist für die Natives eine Farbe von magis­ch­er Kraft. Fürchten muss sie der, der sie miss­braucht. Der Rabe sym­bol­isiert die Leere — das Geheimnis von dem, was noch nicht gebildet wurde. Raben sind auch ein Symbol für Schwarze Löcher im Universum, die alle Energie  anzieht und sich aus ihr neue Formen ergeben. Das irisierende Blau und Grün, die in den glänzen­den schwarzen Federn des Raben gese­hen wer­den kann, stellt die ständi­ge Veränderung der Formen und Formen, die aus der großen Schwärze der Leere entste­hen.

In der Tradition der Ureinwohner ist der Rabe der Hüter bei zer­e­monieller Magie und Heilkreisen. Der Rabe ist auch der Patron der Rauchsignale. Sein Element ist die Luft, und er ist ein Geisterbotschafter, den indi­an­is­che Schamanen nutzen, um ihre Magie über große Entfernungen zu über­tra­gen. In vie­len nord­west­lichen indi­an­is­che Traditionen, ist der Rabe auch der Trickster, ein Schwindler. Beobachten wir Raben in der Natur sehen wir, dass sie oft Nahrung stehlen vor den Augen ander­er Tiere, sie arbeit­en oft paar­weise, um die unglück­lichen Tiere abzu­lenken.

Mehr über Raben find­est du hier.

Als ich diesen Raben traf, dachte ich mir, vielle­icht wer­den sie meine Begleiter für diese Reise. (ps. sie wur­den es, das kann ich nun im Nachhinein sagen)

Ein paar Tage später in San Francisco wollte ich das Museum der California Academy of Science. Türen. Ich drehte mich um die eige­nen Achse und sah, dass dort eine Picasso-Ausstellung im ‚De Young’ ange­priesen wurde. Naja, ver­dor­ben von der Ausstellung in Madrid hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, ich hat­te ein­fach schon die toll­sten Bilder gese­hen. Außerdem drängten dort die Leute here­in, Muße, sich in ein Bild zu ver­tiefen, war nicht möglich.

Aber als ich mich der reg­ulären Ausstellung zuwandte, war ich erstaunt, dass ich dort als zeit­genös­sis­che Kunst auch viele Werke von Natives Nordamerikas, aber auch Kunst aus Afrika, Mittel- und Südamerika, Papua Neuguinea fand.

Sehr berührend fand ich die Arbeiten von Künstlern der Inuit.

Sedna spielte in eini­gen eine bedeu­tende Rolle.

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Diese Plastik wurde von Abraham Anghik Ruben, einem Inuit, geschnitzt: ‚Passage of the spir­its’.  10 Figuren mit men­schlichen und tierischen Gesichtern. Das Boot ist die Seegöttin Sedna, ein­er Göttin der Inuit.

Sedna wurde in der tra­di­tionellen Religion der Inuit als „Alte der Meere“, „Königin der Tiefe und der Stürme“ und „Mutter aller Meeresgeschöpfe“ verehrt. Sedna bes­timmte darüber, welche und wie viele Meerestiere gefan­gen und gegessen wer­den durften. Verstießen die Menschen gegen ihr Gebot, dann schick­te sie einen Sturm oder zog den Jäger und seine Familie in die Tiefe. Ihr Haus befand sich am Meeresgrund. Dort wohnte sie in Gemeinschaft mit Fischen und anderen Seetieren, aber auch mit den Seevögeln. Bewacht wurde ihr Heim von Seehunden, die jeden bis­sen, der unbefugt ein­trat.

Sedna war ein wun­der­schönes, aber eitles Mädchen war, das alle Bewerber abwies. Schließlich gab ihr Vater Sedna gegen ihren Willen einem Jäger zur Frau. Er hat­te sein Gesicht ver­hüllt, als der Ehemann Sedna mit dem Kajak in sein Zuhause gebracht hat­te, stellte sich her­aus, dass er ein Rabe war und ihr Heim harte Klippen sein soll­ten. Sie weinte und schrie in den Wind, bis ihr Vater es hörte, ein schlecht­es Gewissen bekam und sie zurück­holte.

Auf dem Rückweg wurde das Kajak von Sednas Ehemann ange­grif­f­en. Seine wilden Flügelschlägen verur­sacht­en heftige Seestürme. Sednas Vater bekam es mit der Angst zu tun und warf seine Tochter über Bord.

Als Sedna ver­suchte, sich am Kajak festzuk­lam­mern, schlug der Vater mit dem Paddel auf ihre gefrore­nen Finger und die Hände, bis sie zer­sprangen und im Ozean ver­sanken.

Sednas Finger ver­wan­del­ten sich durch den Zauber des Raben in Robben und ihre Hände in Wale und andere Meeressäugetiere. Sedna ver­sank schließlich selb­st in der See und sitzt noch heute dort auf dem Meeresgrund.

Ihr Zorn auf die Menschen peitscht das Meer von Zeit zu Zeit in gewalti­gen Stürmen und Wellen auf. Im Groll über den Verrat wurde sie zu ein­er mächti­gen, zorni­gen Göttin.

Die Meeresgöttin ‚Sedna’ weiß alles über die Menschen und ihre Tabuverletzungen. Deshalb muss sie mit Respekt behan­delt wer­den und Schamanen mussten zu ihr in ein­er „Seelenreise“ hin­ab­tauchen, um ihr langes schwarzes Haar zu käm­men. Das beruhigte Sedna und sie erlaubte den Menschen, sich wieder vom Reichtum des Meeres zu ernähren. So war es im Norden Sitte, ein­er gefan­genen Robbe Wasser ins Maul zu tropfen als Geste des Dankes an Sedna, die den Jäger und seine Familie ernährt.


Susie Silook: Sedna with Mask

Ist sie nicht wun­der­schön?

Eine andere Plastik, die Susie Silook aus einem Knochen eines Wals schnitzte, finde ich unge­heuer berührend: ‚Looking into Myself’.
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Als Abschluss noch das Bild dieser fliegen­den Schamanin.
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