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Journalists, what’s your business?

Meine Suche nach Fluchtmöglichkeiten aus Filterblasen, Fake News und Alternative Facts in der amerikanischen Berichterstattung.

Nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl, stürzte ich mich in das Vergnügen, von Außen zu beobachten, was in Amerika passiert ist. Eigentlich wollte ich lernen, wie sie mit Demokratie umgehen, denn auch unsere kommt mir mehr und mehr gefährdet vor. Nicht Trump, sondern die wiedererweckte Grasswurzelbewegung, die nun entstehen würde, will ich beobachten. Denn ich vertraue trotz allem den demokratischen Grundsätzen der USA, egal welche Mängel es gibt. Ich will wissen, was sie tun, wenn sie ihre Demokratie gefährdet sehen. Die Wahlen und den Rechtsruck in Europa bekam ein Gegenüber in den USA. Alle Artikel zu diesem Thema finden Sie hier.

Mein Kopf platzt. Irgendwie erinnert mich die Situation an meine Kindheit, als wir in der Sandkiste saßen und wir ein Raumschiff bauten, mit dem wir dann durch das Weltall brausten.

Die Sandkiste hob nicht ab, sie bewegte sich nicht einmal einen Zentimeter, vielleicht versuchten wir die Melodie von Raumschiff Enterprise zu pfeifen, und weil wir durchaus gleichberechtigt waren, haben wir unsere sechseckige Sandkiste mit 6 Steuerpulten ausgestattet, mit kleinen Stöckchen als Steuerknüppel, die uns zum Abheben bringen sollten, mit tollen tiefer gelegten Sitzen und weit hinauf reichenden Rückenlehnen. Und das alles war ganz einfach. Einmal gesagt, einmal getan, und schon passierte es: Wir flogen.

Nur so spielt das Leben nicht, um ins Weltall zu fliegen, braucht es viele Menschen und viel Wissen. Und irgendwie ist gerade ein Mann an einer Schlüsselposition, der glaubt, wenn ich es nur sage, dann wird es so geschehen. Das kann vielleicht der stärkste in der Sandkiste so sagen und die anderen niederschlagen, das Raumschiff zerstören, aber wenn die anderen sich zusammentun, werden sie über ihn triumphieren und ein neues bauen.

Eine dieser Bande ist die vierte Gewalt im Staat. Neben Legislative, Judikative und Exekutive bildet die Presse, genauer die Medien, diese 4. Instanz, eine Kontrollinstanz.

In den USA hat nun einer der wichtigsten Berater und Chefstratege des Präsidenten in der New York Times der 4. Gewalt mitgeteilt: “The media should be embarrassed and humiliated and keep its mouth shut and just listen for a while.” Klappe halten, zuhören. Punkt. Und eigentlich sollte man froh sein, dass er meinte, “The media here is the opposition party.“ Denn das würde bedeuten, dass Medien nicht nur die 4. Gewalt, sondern auch die Legislative wären. Das sind sie nicht und auch das ist gut so. Es erklärt wohl, warum kein Journalist, keine Journalistin sonderlich erschüttert war, als er es sagte. Und wären sie die Oppositionspartei, dann dürfen sie den Mund erst recht nicht halten, wenn sie in einer Demokratie leben. Dies ist eines der vielen Zeichen, wie der ehemalige Breitbart Chef Steve Bannon, einer der Chefstrategen Trumps, Politik machen will.

Um die Situation in Amerika zu verstehen, brauche ich Medien. Deshalb habe die amerikanische Medienlandschaft in den letzten Monaten sehr intensiv studiert. Und auch wenn ich noch immer ein Faible für jene Konzerne habe, die meiner politischen Meinung näher stehen, habe ich festgestellt, dass ich mich, je genauer ich mich informierte, Extreme weder in die eine noch in die andere Richtung mag. Dazu gehören reißerische Headlines, die es auf beiden Seiten des Spektrums gibt. Medien, die so agieren, meide ich inzwischen und auch wenn ich früher das „Entertainment“ durchaus mochte, mir reicht die Reality Show im Weißen Haus, ich will zurück zu faden, langweiligen Fakten. Ich fühle mich bei reißerischen Aufmachern immer gezwungen nachzurecherchieren und das gilt für links wie für rechts. Die ständige Frage im Kopf: Stimmt das? Erst durch die breitgestreute Information zeigte mir, die Biegung der Wahrheit geht in alle Richtungen. Inzwischen reagiere ich auf extreme Medien aller Couleur allergisch, schaue mir also weder zu rechte noch zu linke sonderlich interessiert an.

Woran man sie erkennt? Headlines, die neugierig machen, die Bestätigung der eigenen Vorurteile versprechen. Wenn etwas dran ist, dann berichten auch andere davon, also spare ich mir das Lesen mit 1000 Zweifeln, ob das auch stimmt, und nehme ein Blatt zur Hand, das mein Vertrauen hat.

Kurze Meldungen sind, was sie sind: kurz und Details müssen ausgelassen werden.

Das ist mir bei der Berichterstattung in Österreich über Trump aufgefallen, immer wieder legte ich den Kopf schief, weil mir die Meldung – egal ob Radio oder TV – nicht exakt genug war. Dass sie 12 Stunden später anders verlautet wurde (im selben Konzern), macht es nicht besser.

Wie die Korrektur von Fakten aussehen kann, will ich an einem Beispiel aus Amerika zeigen: Der Einreisestop für Menschen aus 7 Ländern wurde unter anderem damit verteidigt, dass Obama ebenfalls einen sechsmonatigen Einreisestopp aus dem Irak hatte. Hier hat die Washington Post das Interview mit einer der Pressesprecher Trumps mit den korrekten Fakten hinterlegt. Eine nette Form „Alternative Facts“ bloßzustellen. Das war wohl der interessante Begriff, der von einer seiner Pressesprecher verwendet wurde.

Das hilft.

Viele Medien haben inzwischen Spezialrubriken „Fact-Checking“ eingerichtet, etwa die Washington Post (die auch Pinocchios vergibt, je dreister eine Lüge ist) oder CNN, oder der Zusammenschluss einiger Medienkonzerne, um Facebook beim Aufdecken von Fake News zu unterstützen. Den Fact-Checker der Wapo gibt es schon seit 2007, hier ein Interview mit Glenn Kessler, der den Blog heute leitet. In diesem Interview, das Kessler 2014 gab, berichtet er, dass es 2010 vier Fact-Checker-Organisationen gab und bis 2014 wurden es 80 weltweit.

Etwas, das bei uns auch immer stärker diskutiert wird, sind „Fake news“. In den USA wird es nun für alles verwendet, das der eigenen Meinung widerspricht, der Präsident nennt kritische Berichterstattung, simpel „fake news“ und lässt sich durch nichts davon abbringen, wie die von ihm selbst immer wieder angezündete Diskussion zur Crowd Size bei seiner Angelobung.

Medienkonzerne wie CNN, MSNBC, Fox News, die rund um die Uhr Nachrichten senden, kennt man bei uns in Österreich nicht. Wir sind einfach zu klein. Dazu passiert einfach zu wenig, schätze ich. Diese Sender haben meist gegen Abend jeweils einstündige Programmschienen mit einem Journalisten und Moderator, hinter dem ein riesiges Team steht, das ihm oder ihr zu arbeitet. Um zu verstehen, wie die Berichterstattung funktioniert, habe ich mich also für einige Zeit in einen Schwamm verwandelt, der alles aufsaugt, denn nur so konnte ich mir ein eigenes Bild machen.

Die ganze „Fake news“-Propaganda hat gebracht, dass ich zweifle, überprüfe, suche. Viele Orginalinterviews habe ich mir angeschaut, um den journalistischen Filter loszuwerden. Auch jene Dinge, die von jenen berichtet werden, die in mein Weltbild passen. Ich frage mich, stimmt das wirklich. Fact-Checking ist gut und recht, aber es kostet enorm viel Zeit. Und irgendwann ertrinkt man an Meldungen aus der Trumpwelt. Ich habe mich also entschlossen, solange dran zu bleiben, bis ich jene Medien ausgefiltert habe, bei denen ich zu oft nachhaken musste. Zu aufrührerisch war die Berichterstattung. Und irgendwann will ich wieder leben.

Wie sah nun mein privates Fact-Checking-Programm aus?

Etwa wenn Republikaner sich beschweren, dass Obama zu viele „Executive Orders“ erteilte, kann man Listen der „executive orders“ auf Wikipedia nachsehen, auch die Neuesten von Trump. Oder wie es mit dem Supreme Court aussieht und wie lange Nachbesetzungen offen war?

Warum will ich das wissen ? Weil in den konservativen Medien berichtet wurde, dass auch Demokraten gegen eine Besetzung ein Jahr vor der Wahl waren. Und ich weiß jetzt, dass ein Demokrat davon gesprochen hat, aber der Fall nicht eingetroffen ist, es also eine hypothetische Aussage war und Republikaner fast 300 Tage nicht einmal ein Hearing zustimmten, da die Führung Angst hatte, dass einige Republikaner dem gemäßigten Vorschlag Obamas zustimmen würden.

Was konservative Medien nicht melden ist, was der Mehrheitsführer der Republikaner, Mitch Mcconnell, angekündigt hat, er würde im Falle eines Sieges von Clinton keinem Hearing in ihrer Amtszeit zuzustimmen. Chuck Schumer, sein demokratisches Gegenüber, sprach davon im letzten Jahr einer Präsidentschaft keinem Vorschlag zuzustimmen. Sie wiegeln sich gegenseitig auf. Die Kampfrhetorik der Tea-Party hat um sich gegriffen. Während letzteres in der derzeitigen politischen Situation mehr einem warmen Lüfterl entspricht, wäre ersteres eine konkrete Aushebelung der demokratischen Einrichtung der USA.

Der Supreme Court ist in der Gesetzgebung die letzte Instanz und ein Richter wird auf Lebenszeit bestellt. Warum dies wichtig ist? Der oberste Gerichtshof war ausschlaggebend, dass Abtreibungen legal sind, oder dass Homosexuelle heiraten dürfen. Der Supreme Court soll Stabilität und Ausgewogenheit auf längerer Hinsicht für die USA garantieren.

Warum es jetzt zu so einem Theater kommt? Derzeit gibt es 8 Oberste Richter, von denen jeweils 4 dem einen oder anderen Lager zugerechnet werden. Der eine offene Sitz wurde nun vom Mehrheitsführer verhindert, auch mit dem Wissen, dass einige seiner Parteigänger mit seinem Vorgehen nicht einverstanden waren.

Was den Druck nochmals erhöht, ist die Tatsache, dass weitere 3 Richter ziemlich alt sind, und deren Besetzung in den nächsten Jahren ansteht. Damit wäre der Oberste Gerichtshof auf Jahrzehnte mit konservativen Richtern besetzt. Die Ausgewogenheit, die die amerikanische Verfassung anstrebte, würde noch weiter kippen, als sie es seit der letzten Wahl schon getan hat (House, Senat und Präsidentenamt sind in der Hand von Republikanern, mit dem Obersten Gerichtshof kommt es einer „Alleinherrschaft“ verdammt nahe).

Nun drohen die Republikaner mit einer „Nuklear Option“, dies würde bedeuten, dass sie mit einfacher Mehrheit den Obersten Gerichtshof bestellen können. Dies ist derzeit nicht vorgesehen, aber die Demokraten haben 2013 von dieser Regel selbst Gebrauch gemacht. Ein Ergebnis, wenn demokratische Regeln bis zum Anschlag gebogen werden. 

Es lässt sich also recht viel nachvollziehen und überprüfen. Aber diese Listen, wie sie in der englischen Wikipedia zu finden sind, reißen einen nicht vom Hocker, sie sind nicht spannend und erinnern mich an Statistik, die je nach Interpretation so oder so lauten. Deshalb stimmen manche Aussagen durchaus, wenn nicht das eine Detail ausgelassen worden wäre und dem Gesagten eine völlig andere Deutung gibt: „Alternative Facts“.

Wieder zurück zu den Medien.

MSNBC wurde mein Lieblingssender, nicht, weil ich alles teile, was dort ausgestrahlt wurde, sondern weil ich hier längere Beiträge schauen kann. Das half mir, ein Bild über Amerika zu machen. Denn das war das Erste, das mir auffiel. Ich kannte mich nicht aus, Dinge kamen auf den Tisch, die in Europa nie berichtet wurden. Selbst in den vielen Comedy-Shows verstand ich nur die Hälfte, weil ich die Anspielungen nicht deuten konnte. Das ist jetzt anders.

Ich war überrascht, wie deutlich ich die jeweilige politische Richtung herauslesen konnte. Ich begann mit der Rachel-Maddow-Show, der Nachrichtensendung, die eine Freundin von mir immer schaut. Wer Geschichte liebt, Zusammenhänge, Analogien, gute historische Recherche und eindeutig demokratischen Schwerpunkt ist hier gut aufgehoben. Man hasst sie oder man liebt sie. Dieser klare und einfache Zugang war angenehm, die Hintergrundrecherche liebe ich nach wie vor, aber inzwischen wird mir die Polemik gegen Republikaner öfter zu viel. Die Journalisten auf MSNBC machten mich neugierig und ich begann, ihre Lebensläufe auf der englischen Wikipedia-Seite nachzulesen, wo mehr private Details zu finden sind: Ich konnte nachlesen, wer homosexuell ist, wer bei Scientologie ist, bei welchem Politiker sie oder er arbeitete, ich konnte mir ein Bild machen.

Anfangs war ich irritiert, denn auch wenn bei uns Medien durchaus der einen oder anderen Seite näher stehen, denke ich, dass renommierte Medien eine objektive Berichterstattung anstreben. Doch die Wahrheit ist, dass ich in meiner Blase groß wurde, ich einige Journalisten seit Jahrzehnten kenne, meine Vorurteile über bestimmte Medien habe und gar nicht mehr weiter darüber nachdenke. Ich spreche hier nicht von den Extremen, sondern seriöserer Presse Mitte links oder rechts angesiedelten. Oft vergessen wir, wie sehr wir in Schubladen gefangen sind.

Das Schöne an einer fremden Sprache ist, dass Schwerpunkte viel deutlicher auffallen als in der gewohnten Umgebung. Ich wurde nur deshalb aufmerksamer, weil alles neu war. Denn natürlich haben auch bei uns Journalisten Meinungen, aber es ist vor allem in den Printmedien üblich, dass Journalisten ihre persönliche Interpretation präsentieren: Opinion, wie es im Englischen heißt. Erst so ist mir deutlich geworden, dass es sich hier um Meinung und nicht um Fakten handelt, dass es mehr um Lagerdenken geht, als um Präsentation von Realität, Überzeugungen bis zur Überredung. Meinungen, die helfen sollen, selbst zu entscheiden, Interpretation, um mir zu zeigen, was  bestimmte Ereignisse bedeuten. In den amerikanischen Printmedien schreien diese „Opinions“ geradezu. Ich brauche den Artikel gar nicht lesen, denn in die Headline sagt alles. Akzeptabel sind sie für mich durch ihre klaren Positionierung. Eine Ansicht wird nicht als Wahrheit verkauft, auch wenn es der Schreiber selbst vielleicht als Wahrheit ansieht. Ich kann eine andere Meinung akzeptieren, wenn sie mir nicht als einzig gültige Wahrheit präsentiert wird.

Im TV-Bereich war diese Positionierung neu für mich.

Meine Einstellung, dass eine objektive Berichterstattung das Gelesene oder Gesehene als Wahrheit präsentiert, hat sich verändert. Dort sitzen Journalisten und Experten, deren Ausrichtung klar angegeben wird, und diskutieren das Tagesgeschehen. Erst diese Vielfalt erlaubt die Bildung einer eigenen Meinung. Während es bei den Printmedien relativ klar ist, was kommen wird, ist es in den News-Kanälen notwendig, dass die Personen mit Namen und den wichtigsten berufliche Höhepunkten vorgestellt werden, die meist aussagen, auf welcher Seite des Ozeans sie stehen. Ein Botschafter in Russland unter Obama ist kein Republikaner. Ein Ex-CIA-Agent der ein Buch über den Einfluss Russlands bei den Wahlen 2016 schreibt, ist wohl eher ein Demokrat als ein Republikaner. Und erst nach einer Weile, nach mehreren Kommentaren, zu verschiedenen Themen, konnte ich einschätzen, dass sein Berufsethos siegt, bei dem der Schutz Amerikas an erster Stelle kommt und weniger eine einschlägige politische Richtung.

Nach dem ich mich halbwegs orientierte – bestimmte Diskussionen sind so spezifisch, dass sie nie ihren Weg nach Europa fanden – habe ich mich durchgerungen, den erzkonservativen Nachrichtensender Fox News zu schauen, der dem Medienmogul Rupert Murdoch gehört.

Meist halte ich die Sendungen kaum aus, aber ich muss auch daran denken, dass es Sehern von Fox News ebenso geht, wenn sie einen meiner Blase entsprechenden Sender sehen. Ich habe auch nie Kronenzeitung und Bild gelesen.

Sean Hannity, der als einer der ersten Trump im Weißen Haus interviewte, ist mir zu viel. Ein Beispiel, das ich hier nicht einbetten will, ist hier nachzusehen. CNN einseitige Berichterstattung anzukreiden, wenn Trump von einem überwältigendem Wahlsieg spricht, und dann die korrekte Zahlen genannt werden, geht über mein Verständnis hinaus.

Fox News sollte mir helfen, ein ausgewogenes Bild zu schaffen. Wenige Sendungen sind übrig geblieben, die ich trotz anderer politischer Richtung anschauen kann. Chris Wallace mit seiner sonntäglichen Sendung, die normalerweise einen Rückblick zur vergangenen Woche bringt. Vergangenen Sonntag meinte er, dass er inzwischen am Sonntagmorgen alle Vorbereitung wegwerfen kann, das alles sich bis zur Sendung ändert. Ähnlich verhält es sich auch mit Wochenrückblicken anderer Sender. Wallace fragt genau, präzise, allerdings nach dem 3. Nachfragen gibt auch er auf, wenn er noch andere wichtige Fragen notiert hat, um weiter zu gehen. Hier der Ausschnitt mit der Pressesprecherin, die den Begriff „Alternative Facts“ prägte.

Die Landschaft unter Trump hat sich verändert. Auch wenn in MSNBC im Hauptabendprogramm noch immer die „alten, liberalen“ Journalisten laufen, so hat der Sender nun eine Frau von Fox News unter Vertrag genommen.

Greta van Susteren war lange bei Fox, davor bei CNN, sie ist eine Konservative, die auch als Moderatorin bei Tea-Party-Veranstaltungen arbeitete. Ihr Mann arbeitete im Team von Sarah Palin. Alles Informationen, die einen Gänsehauteffekt bei mir auslösen. Ihr Wechsel von Fox News zu MSNBC haben ihre Anhänger sehr unterschiedlich aufgenommen. Manche ihrer Fans sagen, sie werden sie nie wieder ansehen, weil sie dort arbeitet, andere meinen, sie schalten schnell hin und dann wieder weg, weil sie den Sender nicht aushalten. Ihre Berichterstattung ist – trotz aller Vorbehalte und trotz ihrer Auswahl – sachlich und genau, harte Fragen stellt sie nicht, aber ihre Auswahl ihrer Interviewpartner ist ausgewogen und sie hilft, aus der Blase zu steigen, zu sehen, wie Republikaner die Welt sehen, aber auch Dinge die verbinden, und seien es ihre Hundefotos auf Facebook. Manchmal wird zu wenig nachgehakt, das tun die einen wie die anderen auch nicht.

Megyn Kelly hat einen Vertrag mit NBC News abgeschlossen, einer weiteren Tochter des Medienunternehmens NBCUniversal, zu dem auch MSNBC gehört. Sie wurde in Europa vor allem bekannt, als sie Trump bei den Primaries mit seinen frauenfeindlichen Kommentaren konfrontierte.

Eine Sendung, die der Präsident jeden Morgen schaut, ist Morning Joe. Hier gibt es 3-4 Moderatoren, die die Geschehnisse des Vortags besprechen, Joe ScarboroughMika Brzezinski  und Willie Geist. Gäste, zu aktuellen Fragen, kommen ins Studio oder werden zugeschaltet.  Scarborough war 6 Jahre als Republikaner im Kongress. Brzezinski’s Vater arbeitete unter Jimmy Carter und sie selbst setzte sich für Bernie Sanders ein, sodass die Demokraten zu Gunsten Hillary Clintons versuchten zu intervenieren. Und Willie Geist – ich kann es fast nicht glauben – , der einfach nur Journalist ist, er hat nie für eine Partei gearbeitet oder für eine kandidiert, er hat seine Jugendliebe geheiratet, und ist gegenüber den anderen beiden angenehm sachlich.

Diese Sendung ist spannend, weil vor allem Joe Scarborough manchmal zu niemand anderem spricht als zum Präsidenten direkt. Auch ein Kongressabgeordneter sprach den Präsidenten direkt an, er solle ihn kontaktieren und – man will es nicht glauben – Trump ruft kurz darauf bei ihm an.  Trumps Pressesprecherin hat gesagt, dass sie manche Dinge im Fernsehen sagt, um ihn – den POTUS – zu erreichen. Es wurden schon Artikel über seinen Medienkonsum geschrieben.

Nun ist auch ein Artikel  im progressiven Mother Jones erschienen, warum MSNBC trotz der oft sehr linken Berichterstattung vom Präsidenten nicht so geächtet wird wie CNN. Es sind diese konservativen Sendungen, die nun klein und fein Eingang in MSNBC finden. Der Artikel zeigt auch, wie sehr die Fronten verhärtet sind. MSNBC wird schwer kritisiert, dass sie konservative Journalisten eingestellt haben. Doch im Grunde schauen die Menschen nicht 24 Stunden MSNBC, sondern picken sich jene Sendung heraus, die ihnen am meisten zusagt. Ob das die Berichterstattung ausgewogener macht, bezweifle ich. Das müsste schon in einer Sendung passieren.

Nachdem ich nun zahlreiche Sender und Zeitungen geschaut, gehört und gelesen habe, ich lange nicht wusste, wo ich mich laufend informieren will, ist die Entscheidung für CNN und die Washington Post gefallen.

Erstaunlich ist es für mich vor allem deshalb, weil nach langem hin und her und so sehr ich MSNBC mag, um ein unaufgeregtes sachliches Bild über die USA zu bekommen, mich für diese entschieden habe. Einseitige Berichterstattung ist aufwühlend und macht mich auf einem Auge blind. Das will ich nicht.

Auf CNN, die Trump fast täglich als Lieferant von Fake News erwähnt, sind es  Jake Tapper und Anderson Cooper, die ich schätze.

Jake Tapper, der dem demokratischen Lager zuzurechnen ist, hat sich in seiner journalistischen Laufbahn nie gescheut, alle Politiker kritisch zu interviewen. Ich verstand nicht ganz, worauf Obama Bezug nahm, als er auch von seiner gespannten Beziehung zur Presse sprach. Es hat Kämpfe zwischen Fox News und dem Weißen Haus unter Obama gegeben, wo die Einschaltzahlen des konservativen Senders stiegen.

Jake Tapper nahm immer wieder dazu Stellung, verteidigte Fox News, verteidigte die Freie Presse. Und ich rechne ihm das an. Die Sendungen Jake Tappers stehen als Podcast zur Verfügung (The Lead und State of the Union), auf der Webseite von CNN, bzw. youtube, allerdings nur als „Schnippsel“, die man sich zusammensuchen muss.

Anderson Cooper 360° ist die Hauptabendsendung auf CNN mit Anderson Cooper als Ankerman. Anfangs war er mir zu schön und ich fragte mich, ob sie einfach ein schönes Gesicht um diese Zeit senden wollen. Aber mit der Zeit begann ich diese Sendung zu schätzen, bis ich begann, ein wenig zu recherchieren. Und sein Lebenslauf ist lesenswert, würde aber den Rahmen sprengen. Nur eines kann ich sagen, er liebt seinen Beruf. Und er liebt es, ihn in all seiner Vielseitigkeit auszuleben, als Ankerman, als Co-Moderator einer Morning Talk Show, keine Scheu eine Reportage vor Ort zu machen, ob dies beim Hurrikan Katrina, einer Reportage über Obdachlose oder beim Erdbeben in Haiti war. Und er kichert gerne, wie er selbst sagt, wie ein 12-Jähriger, über billige Witze, es muss nichts besonderes sein. Wie erstaunt war ich, als ich einen Artikel in einer renommierten österreichischen Tageszeitung fand, der von ihm als Narziß sprach. Tja, wie schon der berühmte Dichter Rudolf Baumbach sagte: „Doch hat das Glück ein Haus gebaut, der gelbe Neid in’s Fenster schaut.“

Hier diskutiert er mit einem Radiomoderator, wie sie die spannungsgeladene Berichterstattung beruhigen können. Deeskalation ist angesagt. Ich denke, das ist das wichtigste Ziel heute, weg von diesem ständigen Showbusiness, hin zu sachlicher Information. Die einzigen, die das wirklich positiv beeinflussen können, sind wir: Die Leser, Zuschauer, Zuhörer. Ein schwieriger Weg, denn wir alle sind an das lauter, höher, schneller, gewöhnt. Hier zu konkurrieren, ohne diesen Promotionwahn zu fröhnen, ist schwierig.

Last but not least: Wenn das Weiße Haus behauptet, ein Medium hat falsch berichtet, werde ich auch weiterhin die Glaubwürdigkeit anzweifeln. Die Aussagen des WH waren in den vergangenen Monaten jene, die am meisten Unwahrheiten verbreiteten, auch wenn Trump standhaft bei seiner Aussage bleibt und mit Twitter Tag für Tag schießt: ‚If Someone Hits Me, I Have to Hit Them Back Harder — ‘That’s What We Want to Lead‘.

Doch wir Bürger sind es, die eine Demokratie ausmachen, und sonst niemand.

 

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