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Look back

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I am participant in a weekly writing challenge:  1000 words.  The German Version it will be longer than the English one which you can read  here. And now it’s almost 2000 😉

Blick zurück

Sie hielt erschrocken inne, denn plötzlich hatte sie das Gefühl, ihre vergangenen Jahre wären sinnlos an ihr vorüber gegangen. Sicher, es waren schwierige Zeiten. Ja, sie waren nicht leicht, aber nie hätte sie damit gerechnet, Seiten an sich zu entdecken, mit denen sie niemals gerechnet hatte. Und doch war es so. Als sie das erste Mal zurücksah, war nur mehr die Dunkelheit zu sehen, in die der Raum, in dem sie die vergangenen Jahre lebte, gehüllt war. Die Schwärze verschlang alle Details und nur sie wusste, was darin alles verborgen war, weil sie auch blind jede Stelle fand.

Im Nebel tauchten immer wieder Einzelheiten auf, die, anstatt Klarheit zu bringen, nur noch mehr Verwirrung entstehen ließen. Kein Bereich ihres Lebens war ausgeschlossen. Früher hatte sie das nur von Höhenflügen gekannt, wenn Glück sie strahlen ließ und alles zurückstrahlte, als Energie, mit der die Arbeit leichter von den Händen ging, durch Freude, die sich in den Gesichtern der anderen spiegelte, oder  als Leichtigkeit, die sie durch Straßen tanzen ließ. Aber ihr war auch bewusst, dass es am leichtesten war, in schwierigen Zeiten zu lernen. Im Glück liegt nur das Glück verborgen. Die Geheimnisse des Wachsens lagen in weit entfernten, tiefen Schattentälern ihrer Seele begraben. Doch sie hatte gelernt, je größer die Herausforderung war, die ihr das Leben stellte, desto größer der Erfolg gewachsen und stärker geworden zu sein. Das Glück wurde reiner, es verlor von seiner kindlichen Naivität. Nur Mittendrinnen waren Zweifel über Zweifel zu Hause. Da war keine Kraft mehr vorhanden, an Übermorgen zu denken. Überleben war gefragt.

Die Erkenntnis, dass ihre schwächste Seite der Verlust von geliebten Menschen ist, nützte ihr nichts. Der Tod begann eine Rolle zu spielen. Innerhalb weniger Jahre starben ihre Eltern, ihre beste Freundin ging in einer Windeseile, die keiner fassen konnte, während eine andere ihr noch Zeit ließ, sie beim Abschiednehmen zu begleiten. Dann gab es noch jene anderen, die ihr besonders nah waren, und fanden, dass sie nicht wert wäre, sich mit ihr auseinander zu setzen, sondern sich einfach umdrehten und gingen. Das Ausmaß, wie andere auf ihr herumtrampelten, machte sie fassungslos. Und als sie nicht sofort aufgab, wieder und wieder das Gespräch suchte, fingen sie an, sie wie einen lästigen Hund, der sich an den Hosenbeinen verbissen hatte, abzuschütteln. Es irritierte sie, weil es ihr so fremd war. Ihr war wichtig zu sagen, was ihr nicht gefiel, bevor sie aufbrach. Der andere sollte eine Chance haben. Meist war einfach die Zeit gekommen, weiterzuziehen. Aber manche gab es, die ihr mehr bedeuteten als alles andere. Vielleicht war das Schlimmste daran, dass jene behaupteten sie zu kennen, denn dann mussten sie wissen, wie sehr sie sie verletzten. Mit voller Wucht rammten sie ihr Schwert in sie.

Das war nicht genug, es kamen noch Schläge beruflicher Art hinzu, die Ähnlichkeit mit den Erfahrungen von Verlust hatten. Auch hier wurde sie Luft. Als ob sie zu existieren aufhörte. Schließlich zog sie sich zuerst langsam, schließlich immer umfassender zurück. Die Welt war gefährlich geworden. Sie war von Angst erfüllt und versuchte, es anderen nicht zu zeigen, noch gestand sie sich ihre Furcht selbst nicht ein. Mit viel Disziplin zwang sie sich wieder unter Leute zu gehen, die nicht ahnten, dass sie ihre Zeit viel lieber in ihrer Wohnung, die zu ihrer Höhle geworden war, zubringen wollte. Der Schutz einer Höhle, den schon die Vorfahren aufsuchten, um magische Zeichen an den Wänden anzubringen, um Böses zu bannen.

Erst als sie erkannte, wie verschreckt sie inzwischen reagierte, wenn andere in ihre Nähe kamen, konnte sie beginnen, wieder aufzubrechen. Lange war ihr nicht im geringsten bewusst, dass sie sich einen ihr völlig fremde Wesenszug angewöhnt hatte. Sie wollte überleben und glaubte nicht daran, dass es draußen ging. Es stand in absolutem Gegensatz zu ihrer sonst offenen Art, die in den Wirbelstürmen dieser Zeit verloren gegangen waren. Sie selbst war von dieser Reaktion völlig überrascht. Es fiel nicht weiter auf, sie reagierte einfach nicht mehr auf neue Menschen. Es war nicht ein einzelnes Ereignis, das sie umgeworfen hat. Nein, ein Steinchen wurde auf das nächste gestapelt und schließlich war ein ganzer Berg als Lawine über sie hinweg gedonnert. Sie war schon längst ohnmächtig am Boden und hatte die Katastrophe bewusst- und gefühllos über sich ergehen lassen.

Bevor das alles begann, war sie noch voll Vertrauen gewesen und dachte, sie könne es nie verlieren. Nach diesen Jahren war sie vorsichtig und sie begriff, dass ihre Schwächen immer zu ihr gehören, so wie ein empfindlicher Magen nie robust werden wird, und Migränen nur in seltensten Fällen geheilt. Doch als sie dachte, alles wäre schief gegangen, erkannte sie, dass es nicht stimmte. Sie hatte zu malen begonnen, ein Überlebenstraining der besonderen Art. Ein Bild nach dem anderen hatte sie langsam und völlig unbemerkt einen Stein nach dem anderen zur Seite gewälzen lassen und sie hatte wieder zu atmen begonnen. Nie hätte die Malerei diesen Stellenwert bekommen, wenn nicht so viele schief gegangen wäre. Und das niemals versiegende Heilmittel, dass sie stärker machte als alle anderen, war, ihre Liebe zu sich selbst. Während andere von anderen bedingungslos geliebt werden wollen, war sie sich genug. Diesen Rettungsring hatte sie immer dabei, auf den konnte sie sich bis in alle Ewigkeit verlassen. Kein Gegenüber, kein Gott und kein Engel konnte ihr diese Sicherheit geben. Dieser Reichtum machte sie unbezwingbar und ihr war bewusst, wie viele sie beneideten.

Sie war aus der Finsternis herausgetreten. Sie wusste, dass sie sich nie mehr in Sicherheit wiegen würde. Die Welt konnte sich immer wieder verdunkeln, das hatte sie gelernt. Aber sie hatte auch erkannt, dass alles einem stetigen Wandel unterliegt. Es ist verführerisch, im Schatten keine Farben mehr sehen zu können und zu glauben, es wäre die Wirklichkeit. Doch das Wissen, dass im Dunkeln alle Katzen grau sind, ließ die Hoffnung leben, dass sich am Tag wieder alle Farben zeigten. Diese Farben sah sie und freute sich, mit ihnen ihre Bilder zu malen.

Sie verkaufte ihre Wohnung, kündigte den lähmenden Job, blickte um sich, erkannte ihre neuen Fähigkeiten und wusste, damit begann ein neues Leben.

English

Look back

Scared she paused for a minute because suddenly she had the feeling that her last years passed meaningless. Of course the time was difficult and not easy going but she never thought to find parts of herself she never thought she would have. But that was the way it was. The first time she looked back, only darkness could be seen in the space were she was living during the past years. The blackness gorged all details and it was just she who knew what was hidden, She blindly found any space.

In the fog every now and then details appeared but instead of clearness another confusion was created. Every part of her life was in that game. She knew that from good days when happiness made her glow and everything was shining back, when energy made work going easily, joy was mirrored in the face of the others and the lightness made her dancing on the streets. It was clear that learning belongs to difficult times. The secret of luck is luck. The mystery of growing was located in far distant, deep, shady valleys of her soul. But she had learnt, the bigger the challenge in her life the bigger the success in growing and becoming stronger. The luck became purer and lost its childlike naivety.  But in the middle of the darkness were only doubts. There was no power to think of the day after tomorrow. Survival was the only option.

The awareness wasn’t of any use that her weakest part was the loss of beloved people. In few years her parents died, her best friend went in next to no time which no one could believe, while another one gave her time to accompany during the good bye. There were some others who were so close.  They decided that she isn’t worth to discuss with and turned around and left. She couldn’t believe that friends she loved so deeply could treat her so badly. She didn’t give up immediately and was looking for a talk again and again.  But the friends treated her like an annoying dog that got stuck into a trouser and tried to shake her off. It was so confusing for her because she didn’t know this quality. It was always important for her to tell others what she felt. Especially she spoke when she found that it is time to go. The other one should get an possibility to talk. Most of the time it was the right moment to leave for both. But few people meant more to her. These people said that they know her better than she herself. Therefore they should have to know how deeply they hurt her. They hit the sword with full impact into her soul. But this wasn’t enough. Other hits came from the job which were similar to her experiences of lost. She had the feeling she stopped existing. Slowly she started to move back but finally she retired from public life. The world became a dangerous place. She was full of fear and still tried not to show others that she was afraid. But it was worse that she even wasn’t able to see her own fear. She forced herself to meet others who hadn’t any idea that she would have loved to stay at home. Her flat became a cave like the homes of the ancestors who painted magic signs on the walls to ban the evil spirits.

Finally she saw how scared she was when others came closer. Now she could get uo and move forward. For a long time she wasn’t aware that she was using a characteristic trait that was complete strange. She wanted to survive and didn’t believe that it was possible anymore. This was the absolute opposite of her open mind that got lost in the hurricanes of this time. She was surprised about this reaction. It wasn’t a big shot, she just didn’t react or meet new people. There was a distance. It wasn’t one occasion that stroked her. No, one little stone and another one were piled up till it broke down and a slide was covering her. But she was lying unconscious on the floor and the catastrophe happened while she was feeling nothing.

Before all this started, she was full of trust. She thought that she would never loose it. But now she became cautious because she saw that her weakness will always be her weakness like a sensitive stomach stay sensitive and migraine would hardly be healed. But when she thought that everything went wrong, she saw that this isn’t true. She started to paint – a very special survival kid. One painting after the other helped lifting one stone after the other and she started to breath again. Painting wouldn’t become so important without all these troubles. And the never-ending cure was her love for herself that made her stronger than anyone else. While others were dreaming of unconditional love from others, she was happy with herself. She had her lifesaver always with her that she could trust till the end of time.  No other person, no god, no angel could give her this security. This fortune made her invincible and she saw the envy of others.

She left the darkness and learnt that security is just an illusion. The world can be dark again. But she also knew that everything is changing all the time. It was seductive to see no colours anymore in the shadow and believe that this is reality. But the knowledge that cats are grey in the nightfall let the hope grow that one day the colours will be back. She could see these colours now and was happy that she could paint with them.

She sold her flat, quit her paralysing job, looked around, recognized her new abilities and knew that a new life started.

Thank you and for the challenge

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