Wenn der Abend anbricht

Wenn der Abend endlich anbricht und die Nacht noch nicht begonnen hat,

stoppe ich alles.

Diese Zeit gehört dir allein.

Hier ist die Nacht nur als Konzentrat vorhanden.

Im Norden tanzt sie durch,

bis sich die Sonne durchsetzt und die Zwischenzeit beendet.

Es herrscht das Zwielicht, das niemandem gehört,

nicht dem Tag und nicht der Nacht,

und dennoch ist es das Licht der Zweisamkeit.

Das Twilight gehört den Verliebten.

Oder ist es gar keine richtige Zeit,

weil nur das halbe Licht regiert?

Kein Wunder, dass diese Stunden unsere sind.

Und jetzt habe ich viele Sekunden mit dir.

Dämmerstunden sind frei von Einschränkungen,

das Beinah-und-doch-Nichtlicht,

das den Blick verändert und doch alles zusammenhält.

Ohne dieses würden Tag und Nacht aneinander brechen oder auseinander fallen,

verloren gehen,

weil niemand die Verbindung hält und ihnen die Hand reicht.

Übrig bliebe das Nichts.

Was ist, wenn auch du sagst

Was ist, wenn auch du sagst, ich soll mich zusammenreißen?

Was ist, wenn du sagst, ich soll nicht mehr nachdenken?

Was ist, wenn du meinst, ich müsse stärker sein?

Was ist, wenn mir das Herz schwer ist und du mir nicht zuhörst?

Was ist, wenn ich nach Worten suche und du die deinen über mich ergießt?

Was ist, wenn du mir erklärst, dass alles nur meine Einbildung sei?

Was ist, wenn du sagst, es sei verrückt – ich sei verrückt?

Was dann?

Das macht mir Angst.

Allein, wenn ich dir das alles schreibe,

nimmt es mir den Atem und treibt Wasser in meine Augen.

Wenn du so sprechen würdest, dann wärest du nicht mein Luke.

Wenn du so mit mir reden würdest, dann würde ich gehen,

und ist meine Liebe zu dir noch so groß.

Ich kann nicht riskieren zu sterben.

Denn ich müsste spielen, eine Andere zu sein.

Wenn ich mich verleugne, dann bin ich tot.

Das kann anderen egal sein, mir ist es nicht egal.

Denn ich weiß von dir schon jahrelang.

Denn ich weiß von dir schon jahrelang, nein, immer schon, seit Anbeginn. Ich hatte es nur vergessen. Bis die Erinnerung kam und ich noch Jahre voll Geduld ausharrte.

Trotzdem war ich unsicher, ob ich dich gleich erkennen würde, wenn diese Welt uns zueinander führt. Denn deine Seele ist mir vertraut, der Rest ist neu.

Es wird nicht die Liebe auf den ersten Blick sein, aber nach dem dreißigsten gemeinsamen Ein- und wieder Ausatmen der Luft, die wir teilen, werde ich es wissen, dass du der bist, auf den ich gewartet habe. Wie besonders, wie ungewohnt und doch vertraut bist du mir.

„Gebrauchsanweisung für Marie“. Mein Roman

„Gebrauchsanweisung für Marie“

Mein Roman, der auf Verlagssuche die Welt entdeckt. Die Geschichte einer späten Liebe.

Marie, 56 Jahre alt, Künstlerin, genauer gesagt Malerin, seit kurzem.
Aus dem Beruf ausgestiegen und frisch verliebt, muss sie nach Norwegen, das Haus von Freunden hüten. Ein Monat lang verbringt sie nur mit Buddy, dem Hund der Freunde, und sich. Ihre täglichen Pflichten beschränken sich auf Blumen gießen, hin und wieder Rasen mähen, ein wenig ernten und den Hund spazieren führen.
Ansonsten genießt sie die langen Tage und die andersartige, fremde Luft, die die Arbeit an ihren Bildern belebt. Sie liebt das Licht des Nordens.
Viel Zeit um nachzudenken, über ihr Leben, ihre Erfahrungen, Wünsche und Träume. Sie schreibt Luke Briefe, ihrer neuen Liebe, über ihre Sehnsucht nach Liebe, ihre Trauer und Lust. Geschichten über den Tod, über andere Männer und das Universum.

Das Buch ist fertig und wartet auf eine neue Heimat, sprich Verlag. Um mir die Zeit zu verkürzen, habe ich Textschnipsel zusammengestellt und lassen dich einen kleiner Blick ins Buch werfen.