Goldschatz gefunden

Es gab immer wieder Momente in meinem Leben, wo ich feststellte, dass ich sehr reich bin. Aber mein Reichtum hatte nie mit Geld zu tun (wenn dann doch Geld auftaucht, dann bin ich noch immer sehr überrascht).

Mein Reichtum begründet sich auf Freunde, der Möglichkeit zu lernen, Kreativität, Zeit, Erlebnissen, Wissen – einem aktiven Leben.

Freunde schenken mir Geborgenheit.

Es sind meine Freunde, mit denen ich singe, spazieren gehe, bei einem guten Essen Gedanken austausche, und in besonderen Stunden Offenheit erfahre. Sie sind ein wichtiger Bestandteil meines Reichtums, vielleicht der wichtigste. Wie froh bin ich, dass ich sie habe. Als Mensch bin ich auf andere angewiesen und ich werde ganz still und demütig, wenn ich mit ihnen sein darf – im Herzen, außen lache ich ganz laut und bin alles andere als still. Wobei ich in letzter Zeit immer frecher werden, was mir irgendwie bekannt vorkommt. Ich glaube mit 13 Jahren war ich ähnlich aufmüpfig. Aber ich bekenne, dass ich mir selbst gegenüber mindestens genauso frech bin, denn es bringt mich zum Lachen. Und ich lache so gerne. Und eigentlich will ich damit auch andere Menschen zum Lachen bringen. Der Mensch allerdings, über den ich am liebsten lache, bin ich selbst. Sollte meine Zunge dich treffen, dann ist es eine zugegebener Maßen sehr verrückte Liebeserklärung, mit der ich dich zum Lachen bringen will. Denn Lachen gehört wohl auch zu den größten Reichtümern, die man im Leben erringen kann.

Während der Zeit des langen Abschieds von meinen Eltern fürchtete ich nichts mehr, als keine Familie mehr zu haben, und ich bin sehr froh, dass ich mich von beiden lange verabschieden konnte, dass wir Frieden fanden in unseren Herzen und alle Unterschiede, die uns oft verzweifeln ließen, am Ende keine Rolle mehr spielten. Alle Turbulenzen konnten wir in Frieden umwandeln, sodass uns noch ruhige Stunden blieben, auch wenn mich die Trauer immer wieder gefesselt hielt. (Meine Mutter und mein Vater hatten Alzheimer, es war also ein langsamer Abschied über Jahre). Aber die Panik ohne Familie weiterzuleben, war oft mit mir. Speziell, weil in dieser Zeit auch langjährige Freunde gingen. Ich begann den Spruch, „In der Not erkennst du deine wahren Freunde“, zu hassen. Und noch viel mehr: das verlorene Vertrauen. Erst spät erkannte ich, was in meinem Herzen zerbrochen war.

Damals entdeckte ich eine ganz spezielle Freundschaft: Die Liebe zur Erde, dem Planeten, auf dem ich lebe. Wie ein Liebhaber begann ich sie zu beobachten, zu hören, und zu spüren, was das Besondere ist, ich fing an zu lesen und zu lernen, was unseren Planeten ausmacht, wie sich seine Entwicklung gestaltete, wie die Erde ein Zuhause nicht nur für Menschen wurde. Und es ist eine sehr außergewöhnliche Liebe und gar nicht esoterisch, wie es im ersten Moment erscheinen könnte.

Es war Neugier, die mir half, die Trauer zu vergessen.

Ich meine entdeckte meine Heimat neu: Die Erde. Ich lernte von Kontinenten, von Vulkanen, der Evolution, dem Klima, und vielem mehr. Das hat meinen Blick verändert.

  • Wenn ich heute auf die Kalkalpen schaue, denke ich an die vielen Tiere, die dessen Fundament bilden.
  • Wenn ich einen Vulkan sehe, dann erinnert er mich daran, dass es die Kontinentalplatten sind, die sich bewegen und wenn sie in die Erdkruste eintauchen, kommt Heißes zum Vorschein, und viele Kilometer weiter weg türmen sich Berge in die Höhe.
  • Wenn ich eine neue Straße sehe, dann muss ich daran denken, dass dort wieder Leben verloren gegangen ist.
  • Und sehe ich eine Spinne, dann weiß ich, dass auch sie am Ende einer Evolutionskette steht, auch sie ist die Jüngste von allen Spinnen, die einst vor ihr waren.
  • Sehe ich Flechten, dann weiß ich, dass sie uralt sind und als erste an Land kamen und Felsen langsam in Erde verwandelten, die dann den Pflanzen halt geben konnte. Allein der Gedanke, dass alle fruchtbare Erde unter unseren Füßen vergangenes Leben ist, berührt mich tief. Und dass Flechten nie alleine sind, denn sie gibt es nur in Kombination: ein Pilz und Cyanobakterien haben sich zusammengetan, um als Flechte auf der Erde zu existieren.
  • Die Cyanobakterien, die die ersten waren, die Sauerstoff erzeugten, sodass irgendwann Leben wie wir es kennen erst möglich wurde. Davor blubberten Bakterien und andere Einzeller in ziemlich giftigen Gasen und Wasser herum, das uns ganz und gar nicht wie unsere Welt erschienen wäre.

Angesichts dieser vielen Wesen, die mein Leben erst ermöglichten, bin ich demütig. Mit dem Wissen um sie, kam die Verbundenheit mit ihnen. Sie alle ermöglichten, dass es heute Menschen gibt. Vielleicht müssen Astronauten erst mal von oben herab schauen, um zu erkennen, wie klein wir sind. Ich nicht, ich habe in die Vergangenheit geschaut. Wenn ich nur 30 Generationen zurückgehe, sehe ich 1 Milliarde Menschen, die mein Leben ermöglichten, und da sind gerade mal 500 bis 1000 Jahre vergangen. Was für ein wunderbarer Zufall bin ich.

Betrachte ich all dieses vielfältige Leben zusammen, erkenne ich, dass ich Teil des Ganzen bin, Teil von ganz viel Wunderbaren auf unserer Erde. (Wissen zu finden, geht heute leichter wie je zuvor, mit Leserausweis und Youtube habe ich praktisch alles gratis lernen können).

Neben meinen Freunden brauche ich aber auch andere Helfer für meinen Reichtum. Von meiner Neugier, die Welt zu verstehen, habe ich gerade erzählt.

Aber, was tun, wenn der Kopf vor lauter Gedanken zu rauschen und rauchen beginnt?

Beispiele aus dem Adventkalender 2017
Beispiele aus dem Adventkalender 2017

Da fange ich an, etwas mit meinen Händen zu tun. Da zeichne ich einfache Dinge, die zwingen, mich zu konzentrieren, und kein anderer Lärm kann mich stören. Ich kann keinen geraden Strich ziehen und zugleich über komplexe oder emotionale Dinge nachdenken. Da bin ich ganz bei meinem Stift und dem Strich, den ich ziehe. Mein Hirn bekommt andere Nahrung und nimmt sie dankbar auf. Viele Bilder sind so entstanden, für mich ist es eine Form der Meditation. Dass sie Menschen gefallen, ist cool, aber nicht das Wichtigste. Die Ruhe im Kopf, darum geht es mir.

Aber erst gestern ist mir eingefallen, dass ich schon vor 30 Jahren Briefpapier gestaltete, damals als man noch zur Post ging, um Briefe zu wegzuschicken. Jedes Jahr zu Weihnachten gab es einen Stapel buntes Papier mit einem kleinen Motiv von mir.

Dass es da noch Stricken gibt, Speckstein-Schnitzen, oder Kochen (das ich derzeit überhaupt nicht mag), Schmuck und Gestecke, Töpfern und Tadelakt, zeugt nur von meiner Ungeduld. Nein, das ist mein Leben lang nicht besser geworden. Ich nenne es, meinen persönlichen Kindergarten ausleben. Ich bin nicht jemand, der jahrelang das Gleiche machen kann. Anstatt mich zu tadeln, betrachte ich es inzwischen als eine Tugend, keine Expertin zu sein, sondern nur eine leidenschaftliche Amateurin. Und jene, die sich einer Sache ganz und gar widmen können, bewundere ich zu tiefst. Sie werden vermutlich gar keine Freude daran haben, 1000 und 1 verschiedene Dinge zu machen. Wie wunderbar, dass wir so verschieden sind.

Oder wenn ich fotografiere, dann kann mich die Freude packen, etwas ganz neu wahrgenommen zu haben. Und wenn ich dann feststelle, dass ich Flechten auf der ganzen Welt fotografiert habe, dann muss ich lachen, daran merke ich, wie lieb ich sie habe.

 

Und wenn es mich emotional durchschüttelt, dann springen Wörter aus meinem Kopf, wie dieses Gedicht:

Ich traue mich

 

Ich traue mich zu leben.
das Schöne und das Hässliche.
Es darf mich zerreissen und in alle Stücke zerfetzen.
Denn danach wachse ich zusammen
wie ein neuer Mensch.

Und ich werde reicher und schöner
und mutiger und stärker.
Das Leben lässt mich von vorne beginnen,
wie ein kleines Kind.
das nicht weiss, was kommt.

Und jeder, der mir begegnet,
ist eine Umarmung für einen Neuanfang.
Da mag es noch so hässlich ausschauen,
ein neuer Tag bringt neues Leben
und neuen Mut für morgen.

Und es kitzelt mich
wie die Sonne in der Nase.
Dann niese ich vor lauter Überraschung
und schnäuze mich so laut ich kann.
Ich traue mich zu leben.

(Heuer habe ich meinen 2. Gedichtband veröffentlicht)

Zeit haben, nachzudenken.
Zeit haben, Zeit vergehen zu lassen.
Sich Zeit lassen und Zeit einfach sein zu lassen, und dafür die Zeit zu haben.
Was für ein Privileg, was für ein Schatz.

Ich bin so reich, dass ich einfach nachdenken kann, wochenlang (bei manchen Dingen sind es auch schon Jahre geworden), und ich hole mir Informationen, bis ich beginne, etwas besser zu verstehen und dann kann ich nochmal sehr lange nachdenken, bis ich irgendwann entscheide, was ich denke, wie ich handle und leben möchte. Für mich ist es ein ungeheuerer Schatz, mir Zeit lassen zu dürfen, abwägen zu können, still zu halten und dann wieder vorwärts gehen, Bewegung und Veränderung einzuladen, Teil in meinem Leben zu sein. Das unterschiedliche Tempo macht Spaß.

Heuer wurde ganz unerwartet ein Jahr, der Auf und Abs und des Nachdenkens. Ich hatte nicht viel vor: Die Wohnung der Eltern verkaufen, das war’s. Doch plötzlich begann sich die Welt um mich herum zu drehen und nicht ich mich mit ihr, bis ich erkannte, das damit das letzte irdische Band zu meinen Eltern getrennt wurde und es nur natürlich ist, die Balance zu verlieren.

Ich begann also mein persönliches „Mensch-ärgere-dich-nicht“ wieder von vorne:

Wo stehe ich?
Wo will ich hin?
Was sind meine Prioritäten?
Was geht mir ab?
Was passt in mein Leben?
Was nicht?
Was tut mir gut und was nicht?
Welche Dinge sind zum Stillstand gekommen?
Und was muss ich zurücklassen?
Was verändern?
Wovon soll ich mich trennen, Abschied nehmen?
Welcher Neuanfang ist gut für mich?

 

Inzwischen kenne ich das Spiel und weiß, ich bin zu alt, um je ans Ziel zu kommen. Ich glaube nicht, dass ich bis zu meinem Ende auf dieser Erde aufhöre, solche Fragen zu stellen. Es würde mir leid tun, keine Fragen mehr stellen zu können. Ich will weiterhin Dinge ausprobieren, mich versuchen und versuchen lassen, Neues entdecken, und immer, bevor es beginnt, taucht ein wenig Angst auf vor der eigenen Courage. Ich will es testen und ausprobieren und wenn es beginnt einzufrieren, dann beginnt das Ratespiel von vorne.

Ich genieße, Angst zu überwinden.
Es ist ein ganz spezielles Gefühl und
für einen Augenblick gehört mir die ganze Welt.

Heuer habe ich mich dafür entschieden, wieder aufzubrechen. Ich dachte, ich könnte darauf verzichten, wollte Bescheidenheit üben. Bis ich sagte: Pfeif drauf. Ich will wieder reisen.

Nächstes Jahr bin ich mal auf Achse.

Ich habe eine kleinen umgebauten Kastenwagen gekauft, der mir ein zweites Zuhause sein wird. Sein Name ist Jules (französisch ausgesprochen, er kommt ja aus Frankreich). Bunte Vorhänge sind aufgehängt, fröhliche Farben verteilt, lustige Mitfahrer sind eingestiegen (eine Elfe und ein Drache aus der Kinderwarenabteilung, ein Chamäleon und Plastikblumen und kleine Lampions und Fingerpuppen, man weiß ja nie, ob man Lust auf ein Kasperltheater bekommt).

Die Kiste mit den Spielsachen wächst, Farben sind darin und eine Kalimba, ein Daumenklavier, ich habe meine Bibliothek zusammengestellt und meine Musik (inklusive der Andrew Sisters mit ihrem Lied: „Drinking Rum and Coca Cola“). Ich frage mich noch immer, ob ich es je schaffen werde, ein Instrument zu lernen, die Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben: Die Ukulele kommt mit (und das Buch „Ukulele für Dummies“). Einen Ferngucker für die Sterne und die App, die mir verrät, welche Sterne ich betrachte, und ein Aufnahmegerät, das mich zwingt, ganz still und starr für einige Zeit zu verharren. So habe ich schon einmal Vögel eingefangen und Bäche und die Wellen am Meer.

Ich habe Gummistiefel gekauft, damit ich auch im Winter am Strand spazieren gehen kann, und mir eine warme Jacke gestrickt. Das Regenzeug ist mit dabei.

Jetzt fürchte ich mich wieder ein wenig vor meinem eigenen Mut, lass die Aufregung wachsen, und frage mich noch immer, soll es Galizien werden oder doch Kalabrien. Davor bin ich noch Haus und Hundehüten, soll niemand sagen, dass die Hinterbrühl keine Reise wert wäre.

Ich bewege mich, ich bewege anderes.

Zuhause schiebe ich Möbel herum, und wenn es nicht passt, schiebe ich sie wieder zurück (begleitet von den passenden Flüchen). Denn, wenn Nachdenken nicht hilft, probiere ich aus. Und niemand hindert mich daran, alles wieder zurück zu schieben. Es bedeutet nichts. Es ist kein Fehler, sondern nur ein Test gewesen. Manche Dinge probiere ich aus, ein Jahr oder zwei, und wenn sich nichts bewegt, wenn alles so ist, wie am Anfang, dann lasse ich es sein. Diesmal habe ich ein halbes Jahr nachgedacht, bevor ich es losließ. Ich wollte etwas bewegen, doch es wollte nicht bewegt sein. Also lass ich es ruhen, ohne zu zweifeln.

Ich bin reich,

weil ich das alles tun kann.

Ein Reichtum,

der nicht mit Geld aufzuwiegen ist.

Ein Reichtum,

der nichts mit Konsum zu tun hat,

sondern in erster Linie mit Tun.

Das Glück beim Konsum von „Egal-was“ hat mich noch nie länger wie 2 Sekunden gefreut, alles, was ich selbst gestaltet, selbst gemacht habe, bleibt in mir, ist ein Teil von mir, der mich reich macht.

Für das habe ich Talent.

Für’s Konsumieren bin ich

entsetzlich untalentiert.

Und das tut mir gar nicht leid.

ps. ich bemerke gerade, wie meine Fröhlichkeit zurückkehrt, die die sich vor gut 10 Jahren immer mehr zurückgezogen hat. Mensch, das ist toll! Wie ultratoll! Wie ungeheuer altmodisch, ganz postfaktisch.

Überall Menschen, die dir sagen, was du denken sollst,

anstatt zu zeigen, wie du denken lernst.

Irgendwann begann ich zu zweifeln, vielleicht sollte ich sagen, verstärkt zu zweifeln. Zweifel ist Teil meiner Natur und beginnen ist eindeutig der falsche Ausdruck. Einfach alles, was ich denke, will ich nochmal denken, nochmal die Frage stellen, ist es richtig für mich oder stimmt es inzwischen nicht mehr. Bei vielem dachte ich lange nach, recherchierte, überlegte, lernte und fragte mich, was die richtige Antwort für mich ist. Denn oft war mir klar, was in meinem Umkreis das Richtige ist, was Freunde und Bekannte um mich als korrekt empfanden, muss nicht richtig für mich sein. Vielleicht bin ich gierig, gierig meine Meinung zu finden und nicht im Nachplappern von Akzeptiertem, um von anderen anerkannt zu werden.

Es geschah aber auch aus jenem Grund, weil mich die Sicherheit all jener verwirrte, die laufend von sich geben, was richtig sei, die schimpfen und urteilen. Doch wie will man das ungemütliche, anstrengende Nachdenken verkaufen? Zur Zeit suche ich gezielt nach Personen, bei denen ich lernen kann, respektvoll über anders denkende zu sprechen. Viel zu viel Zeit habe ich mit Menschen verbracht, die sich beschweren oder lustig machen, ob es der Nachbar im Flugzeug ist, oder der Gebrauchtwagenverkäufer oder alle möglichen wichtigeren und unwichtigeren Menschen, die ihre Wege kreuzen. Diese Art sich über Menschen lustig zu machen, ist nicht lustig. Ich mag es nicht. Und ich halte es für dumm und ignorant.

Verkaufen ist alles, ob es Produkte sind, Meinungen oder Politik.

Es sind die Marktschreier, sie verkaufen und rufen immer lauter, bis ich meine Stimme nicht mehr höre. Und ihre Zuhörer klopfen sich auf ihre Schultern, endlich einer der sagt, was sie denken. Und ich spreche hier nicht von den bekannten Populisten, sondern von denen, die sagen, dass sie auf der anderen Seite stehen. Ihre Leser mögen nur die Bestätigung dessen hören, was sie bereits wissen. Also kein Hinführen zum Hinterfragen oder Zweifel, sondern nur mit Säure eingeätzte Vorurteile, die kein Nachdenken, keine Änderung bedürfen.

Dies ist Basis von rechten wie linken Marktschreiern.

Nun wählten Menschen in Amerika jemanden, der ihnen versprach, was sie kennen. Aber auch an was sie glauben. Geschäftemachen. Und das ist nicht immer ein sauberes Geschäft, das wussten die Wähler und viele ignorierten, dass ein Land kein Geschäft ist. Wir wissen nicht, was kommt.

Ein Marktschreier wurde zum Präsidenten gewählt. Das ist, glaube ich, das einzige, dass ich anerkennend feststellen kann, er versteht sich zu verkaufen. (Besonders weil ich es so gar nicht kann) Bei allem anderen habe ich meine Zweifel. Seltsame Gedanken kamen mir. Was ist, wenn er nur gewinnen wollte und er sich nicht einen Augenblick überlegte, dass sein Ziel kein Ziel sondern erst der Anfang einer Arbeit, von der er nicht die geringste Ahnung hat. Er sich überhaupt nicht überlegte, was nach der Wahl kommt. Auf manchen Bildern sieht es so aus, als ob er nun überlegt, wie er sich zu benehmen hat. Wenn seine Hände unterm Tisch sind, habe ich das Gefühl, er fragt sich, was soll ich jetzt tun. Er einfach ein Aufsichtsratsvorsitzender ist und die Arbeit machen andere. Und dann kommt seine Erfahrung als Showmaster durch und er sich nicht zusammenreißen kann und schreit: „You are fired“. Ein 12-jähriger Narziß. Ungemütlich.

Bubbles. Wir leben in unseren Meinungsblasen.

Den ekligen Wahlkampf sah ich kommen, als ich 2014 in den USA war. Ich war vom Mittleren in den Wilden Westen unterwegs und als ich im Radio immer extremere Moderatoren hörte, je weiter ich in den Westen kam, wurden mir die „Bubbles“, die Blasen, in denen sich die jeweiligen Menschen bewegen, sehr bewusst. In den billigen Motels waren nur republikanische Sender. Die Städte und Dörfer waren nicht so prachtvoll wie an der Westküste, es ist kein kuscheliges Land. Ich sah verlassene Farmen, und Bruchbuden, wo Menschen lebten. Ich musste an die blutgetränkte Erde denken, für die Natives genauso wie an die Pioniere. Wie hart es gewesen sein muss. Ohne zu urteilen. Na ja, die Goldgier in den Black Hills machte mich schon zornig. Dieses Land wurde den Sioux zugesagt, bis man Gold fand. Das war der Anfang der letzten Kriege. Es wurde kälter.

Der Hass, der da Obama entgegenschlug, war unglaublich. Und die seltsamsten Geschichten und Gerüchte, die erzählt wurden, machten mir schon damals Gänsehaut. President-elect hat auf einer fundierten Basis beginnen können, die durch die beständige Desavouierung des jetzigen Präsidenten bestand. Was mich wunderte war, wie alleine er da stand. Dort hörte ich immer nur Republikaner, und in meiner Bubble, nur die anderen, aber irgendwie keinen Aufschrei, dass so keine Politik für alle gemacht werden kann.

Und zugleich war ich Gast bei Menschen, die ihre Häuser nicht versperrten, die mir vertrauten und mich alleine in ihren Häuser sein ließen. Es waren Couchsurfer, bei denen ich wohnen durfte. Reisende, die immer weltoffen und neugierig sind, die die Türen für Fremde öffnen, sie brauchte ich, um auch das andere Amerika zu sehen. Und von ihnen lerne ich. Sie trösteten mich immer und waren immer auch mein Amerika. Einschließlich der kiffenden Oma, aber sie war eigentlich in Kanada zuhause.

Jetzt wird ein Showmaster ins Weiße Haus einziehen. Aber anders als Ronald Reagan, der als Schauspieler gewohnt war, ein Skript auswendig zu lernen, hat sich der neue damit laufend schwer getan. So schwer, dass ihm seine eigenen Manager für einige Zeit den Twitter-Account sperrten. Unberechenbar. Weil das nicht absurd genug ist, will sich seine Model-Frau dem Hass im Netz widmen.

Aber neben der ganzen Trauer hat dieses andere Amerika in mir Hoffnung wachsen lassen. Anders als bei uns, wo sämtliche Politik in einem anderen Parteiensumpf steckt, in der alle mit der gleichen Rhetorik und Art und Weise miteinander umgehen, gibt es in den USA Persönlichkeiten, die sich zwar einer Partei zugehörig sehen, aber längst nicht so unheimlich verbunden sind, wie bei uns. (Auch wenn sich bislang das Parteien-Establishment durchgesetzt hat, wie jetzt Clinton gegen Sanders.) Ich habe mit Menschen gesprochen, die mir erzählten, wie sie im Privaten politisch aktiv sind. Sie schrieben Briefe an ihre Abgeordneten mit der Hand, vor 50 Jahren, jetzt schreiben sie emails. Sie diskutieren mit den gewählten Vertretern. Und diese antworten.

Ich bin jetzt 55 Jahre alt. Und mich regen heute in Österreich exakt, die gleichen Dinge auf, wie vor 40 Jahren. Egal welche Proteste und Bewegungen es in Österreich gab, das Grundgerüst blieb gleich. Ich war in Gewerkschaften, in Parteien aktiv, doch diese klassischen Strukturen hatten alle. „Wir sind die besseren.“ Und innerhalb der Partei, der Gewerkschaft zerfetzten sie sich im gleichen Stil. Deshalb ging ich wieder. Ich konnte es nie ausstehen. Aber zurück zu Amerika.

Ich habe mich einige Tage vor der Wahl noch einmal versucht zu informieren, so gut es geht. Ich habe mir Dokumentationen der beiden Kandidaten angesehen. Ich war mir lange nicht so sicher wie die Umfragen. Ich habe die Sampels der Meinungsforscher gesehen, 1500 Menschen wurden da befragt, und ich hatte Zweifel. Ich habe versucht, Evidenz für die Korruptionsvorwürfe zu finden. Beim einen ja, bei der anderen nein. Ich wollte wissen, was beide „angestellt“ hatten.

Ich habe mir vor der Wahl „Michael Moore in TrumpLand“ angeschaut, ein Film, der mich zum Nachdenken brachte, abseits der lauten, wilden Menschen auf den Veranstaltungen, jene zu sehen, die letztlich nun auch den Wahlausgang bestimmten. Hier ein Interview wenige Tage vor der Wahl. Und ich werde Moore weiter zu hören, er versteht da etwas und kleidet es für mich in Worte, die ich verstehe. Die Zeitungen schreiben jetzt von seinen Prophezeiungen, das war es nicht, er kann zuhören und er sieht die Menschen und spricht mit ihnen. (weil gerade ein Dokumentarfilm über Michael Moore anläuft, gibt es noch ein PS. am Ende dieses Beitrags).

Ich habe mir Videos angeschaut, in denen Van Jones, ein Aktivist und Kommentator, kurze Zeit verantwortlich für Green Jobs unter Obama, mit Bürgern in Gettysburg sprach. Er hört ihnen zu, will mit ihnen sprechen. Menschen, die nicht in seiner Blase sind.

Beide zeichnet aus, dass sie die Menschen, die nicht ihrer Gesinnung sind, ernst nehmen, sie führen ernsthafte Gespräche mit ihnen. Sie machen sich nicht lächerlich über sie, sie stellen sich nicht über sie. Ich denke, wir sind oft verführt, diejenigen, die auf den Wahlveranstaltungen sind, als Prototyp der Wähler dieser „Recht und Ordnung“-Parteien zu sehen. Wahrscheinlich sind sie es nicht. Wahrscheinlich sind es in der Mehrzahl ganz normale Menschen.

Aber, und das ist meine Hoffnung, Amerika ist ein demokratisches Land und die Menschen wehren sich. Ob es die Proteste sein werden, wie sie jetzt durch das Land schwappen, weiß ich nicht. Doch den eitlen Tropf kränkt es: „Very unfair!“, meinte er. Unfair ist es aber auch, dass Eltern nicht mehr wissen, was sie ihren Kindern sagen sollen. Das Bullying hat in den Schulen schon begonnen. Und noch immer sage ich, die Menschen, die so agieren, sind nicht die Mehrheit. Dazu muss ich nur die Statistik herausholen, die Wahlbeteiligung und den tatsächlichen Prozentsatz der Wähler nennt. Und von den 18% der Menschen, die in den USA leben, die ihn wählten, sind nicht alle „böse“ Menschen.

Aber wie Aaron Sorkin sich Sorgen macht und einen Brief an seine Tochter schreibt: „We get involved. We do what we can to fight injustice anywhere we see it—whether it’s writing a check or rolling up our sleeves.“, machen sich viele Sorgen.
Und das ist das Amerika, das ich auch kenne.

Krempeln wir die Ärmel hoch.

In einer anderen Diskussion auf MSNBC kam etwas interessantes (ziemlich am Ende der 44 Minuten) zur Sprache. Die Wähler, die jetzt Trump wählten, hatten sich vorher für Bernie Sanders entschieden und vorher für Obama. Sie verbindet die Hoffnung auf Änderung. Das sollten wir ernst nehmen.

Ich glaube, es ist vielen nicht bewusst, dass ein Präsident ohne die beiden Häuser nicht viel erreichen kann. Sanders wäre mir lieber, aber die USA war schon unter Obama unregierbar. Hier haben viele geschlafen. Ich habe keinen Aufstand gehört über all die Blockaden der Republikaner, aber laufend Berichte über die Unfähigkeit Obamas. Vielleicht wollten Menschen eine Änderung, weil sie den Stillstand satt hatten. Einen Stillstand, den die Republikaner verursachten. Und eine Stimmung, die die Republikaner schürten. Vielleicht wäre Sanders genauso angerannt wie Obama.

Abschließend ein paar Worte zu Hillary Clinton. Ich habe in den vergangenen Monaten viel über meine Eltern nachgedacht, vieles habe ich lange nicht verstanden, ich sehe heute Dinge anders, verständiger als als Teenager. Und das ist gut so. Die Rebellion der Jugend ist gut, und der Ausgleich im Alter ist auch gut.

Hillary wollte etwas ändern und sie hat viel dafür einstecken müssen. Ihr war das Ziel wichtiger, etwas zu verändern, als die Erniedrigungen, die ihr angetan wurden. Nicht alles finde ich toll, aber ich habe tiefsten Respekt vor einem Menschen, über den so hergezogen wurde, der so oft erniedrigt wurde, und immer wieder aufstand. Ich musste darüber nachdenken, was es heißen muss, durchzuhalten. Und sie wusste, dass sie neben charmanten Männern kaum eine Chance hatte, ob es Bill oder Barack war. Und die vielen Ohrfeigen haben sie vorsichtig gemacht. Authentisch sollte sie sein. Da empfehle ich jedem, ihre frühen Jahre anzusehen. Wie oft sie zurückgetreten ist, sich angepasst hat, weil sie etwas erreichen wollte und sie angegriffen wurde, als sie authentisch war. Sie hat sich hinter eine Sache gestellt, egal was es sie als Person kostete. Ob das immer gut war, glaube ich nicht.

Hier eine der kleinen Geschichten, die mich berührten.

http://nyti.ms/2dSmG0f

Hinter allem stand eine erfolgreiche Anwältin, die nun nicht stark, erfolgreich und energisch sein durfte. Stärke wurde ihr angekreidet. Und so war es auch als First Lady. Niederschläge, immer wieder, und sie stand wieder auf. Und dazwischen sah ich immer wieder Bilder, wo ich eine zutiefst herzliche Frau sah, die loyal zu dem stand, was ihr wichtig ist, ob das ihr Mann oder ihr Land ist. Und es war bei Gott nicht immer leicht. Dafür habe ich tiefsten Respekt. Ich habe mich gefragt, ob ich so viel Kraft hätte und ich denke nicht.

Eine Wahl in den USA war bislang immer nur mit Geld zu gewinnen. Blödes System, oder? Eines der riesigen Probleme der Demokratie Amerikas. Denn die meisten Politiker haben potente Finanziers hinter sich. Und das macht bestechlich und die Politik wird Handlanger derjenigen, die zahlen. Und dies gilt für beide Parteien.

Doch ich habe die Hoffnung, dass die aktiven Menschen in den USA uns zeigen, wie Demokratie aussehen kann. Ja, es ist Zeit für eine Änderung. Die Müdigkeit politisch aktiv zu werden, lähmt auch unsere Gesellschaft.

ps. Und wer mit lernen möchte, am 11. November wurden diese Vorträge zusammengestellt: Talks to watch when you need inspiration to change the world

Amerika hat viele Seiten und einen Traum, das ist wahrscheinlich das, was ich am meisten schätze. So gruselig manche sind, so wunderschön sind andere. Diversity!

Ps. Eigentlich erklärt die erste Frage des Interviewer alles: „…wenn man sich Michael Moores Filme anschaut, weiß man doch eigentlich, dass dieser Mann in erster Linie Entertainer ist und die Fakten gern in seine Richtung streckt.“ Spiegel. Dass 2 Dokumentarfilmer darüber einen Film machen, finde ich, interessant. Die Feststellung „Er verschweigt Zusammenhänge und lässt Dinge aus.“ gibt mir das Gefühl, dass die beiden über ihre eigene Arbeit nicht reflektieren. Denn jeder, der schreibt, „manipuliert“ auf die eine oder andere Art. Meist wird es im Zusammenhang mit Statistik verwendet, aber in Wahrheit ist jede Form von Kommunikation mehr oder weniger manipulativ. Und jeder Journalist, der sich dessen nicht bewusst ist, ein Idiot. Ich habe mir neben Trumpland in den letzten Tagen auch Bowling for Columbine angeschaut. Nein, ich bin normalerweise kein Fan dieser Art von Dokumentationen, genau aus dem Grund, aus dem die beiden diesen Film machten (allerdings reicht mir dazu mein Hirn und ich brauche keinen Beleg dafür, dass hier manipuliert wird). Aber bei Michael Moore in Trumpland war ich ausreichend informiert und in manchen Stellen dieses Filmes wird klar, wie bitterernst es Michael Moore ist, und da spricht er ohne Sarkasmus, ohne Spitzen tief aus seinem Herzen. Und das ist, was mich berührt hat. Hirn einschalten muss jeder. Und ich ende, wie ich begonnen habe.

Überall Menschen, die dir sagen, was du denken sollst, anstatt zu zeigen, wie du denken lernst.

Wanderlust II: Unterm Himmel

Als ich mich heuer mit einer Frau unterhielt, die, so wie ich, gerne reist, und sie mir sagte, dass es heute anders ist, dass sie Grenzen sieht, dass reisen anstrengender wurde, als in jungen Jahren, begann ich zurück zu schauen.

Wieder mal nachdenken, wie immer gerne, immer wieder zweifeln und fragen und neue Antworten finden. Mit aller Leidenschaft.

Vor einigen Jahren dachte ich, ich hätte noch Zeit, nicht unendlich viel, aber doch mehr Zeit. Aber es sterben Menschen und sie sterben nicht nur weit über 80 sondern in greifbarer Nähe. Sicherlich waren es die beiden guten Freundinnen, die kurz hintereinander starben, gerade mal so alt wie ich jetzt bin, die intensiv und leidenschaftlich gerne lebten, die mir die Endlichkeit bewusst machten und mich dazu brachten, auf mein Leben nicht nach Pflichten sondern nach meinen Möglichkeiten und Träumen zu durchdenken.

Dies brachte mich dazu, alles Alte hinter mir zu lassen, eine neue Stadt, neue Ziele, neues Arbeiten zu kreieren. Ich schaute, was wichtig ist, und was nicht. Und Geld war nicht wichtig. Geld ist nicht Leben, Geld macht mir keine Freude. Tun lässt mich leben, etwas Schaffen lässt mich glücklich sein. Und als ich vor einigen Tagen eine Bekannte traf, die mich mich 7 Jahre nicht gesehen hatte, und meinte, ich sehe jünger aus, da wusste ich, ich habe etwas richtig gemacht. Und als ich eine junge Frau bei mir zu Gast hatte, die nun plant ihre zweite Weltreise zu beginnen, und sie meinte, so eine Oma würde sie sich für ihre Kinder wünschen, da war ich mir sicher, dass ich in die richtige Richtung gehe.

Nur hinderte es mich deshalb nicht, nochmal zu fragen, wo ich stehe , wo ich  etwas nachjustieren sollte, was besser laufen könnte. Denn ich hatte mich in meine Projekte vertieft. Und sie machen mir Spaß und treiben mich voran. Aber das Innehalten, das Stillstehen, das Schauen, wo ich gerade bin, das Wahrnehmen des Lebens, das kam zu kurz. Ich wollte auf das Reisen verzichten, um dieses Leben zu führen. Bescheiden, aber glücklich, statt Geld für nichts zu verdienen und hinauszuwerfen, das mich bestenfalls eine Sekunde erfreut. Ich hatte gedacht, es würde reichen, erfüllt zu leben. Doch ich unterschätzte den Beitrag des Reisens für mein Leben.

Hinausgehen, sehen, was mich umgibt, berührt werden, nachdenklich werden, aber auch neugierig. Etwas wissen wollen, noch mehr lernen und verstehen wollen, das bringt das Reisen in mein Leben.

Und ich überlegte, ob es möglich sei, öfter diese Herausforderungen, diese Leidenschaften, dieses Neue hereinzuholen, in das Leben, das ich jetzt führe. Denn diese Qualität bringt weitere Süße in mein Leben.

Ich lebe,
als ob heute mein erster und mein letzter Tag wäre. Neugierig was kommen wird und voll Freude, dass ich jeden Tag genutzt habe und nichts versäumt habe.

Es hat Zeiten gegeben, da hatte ich immer den Pass dabei, jederzeit abhauen, dann hatte ich lange Zeit, meinen Schlafsack im Auto: Schlafen, wo immer ich möchte. Und dann dachte ich lange nach, erinnerte mich an meine Sehnsucht, die erwacht war, seit ich in Australien war: mit einem kleinen Bus fahren, wohin der Wind mich treibt.

Ich suchte alle meine Reiseberichte und daraus wurde www.untermhimmel.eu, ein Ort, wo ich jederzeit rund um die Welt reisen kann, dort habe ich meine Reisen von Australien bis Amerika zusammengetragen.

Und dann wurde es ernst. Eigentlich war es Liebe auf den ersten Blick, aber vorsichtig wie ich bin, beobachtete ich Jules lange Zeit. Heute steht er draußen vor meinem Haus und jeden Tag grüße ich ihn morgens als Erstes freudig. Mein kleiner Franzose. Die Abenteuer mit ihm kannst du hier www.untermhimmel.eu nachlesen.

Und ich hoffe, es wird dir so viel Vergnügen wie mir bereiten.

 

Gut Ding braucht Weile: Gedichtband „Momente des Abschieds“

Eine meiner Leidenschaften, das Schreiben, ist heuer gänzlich zu kurz gekommen.

Endlich habe ich meine Gedichte aus einer dunklen Zeit veröffentlicht. Das Design war bereits im vergangenen Jahr fertig, die Bilder ausgesucht.

Es ist eine ganz eigene Herausforderung für mich, meine Traurigkeit offen stehen zu lassen. Wie viele Menschen gibt es, die verstehen, dass es Zeiten gibt, wo sie immer mitschwingt?

In sieben mageren Jahren, die mit dem Tod des Vaters begannen und mit dem der Mutter endeten, kamen Wörter zu mir. Heute scheinen die Schatten von damals verschwunden. Inzwischen wurden sie ein integraler Bestandteil. Abschied zeichnete diese Zeit meines Lebens auf vielfältige Weise.

Ich sammelte Wörter.

Wörter halfen zu überleben.

Eines Tages stellte ich fest, dass vieles in der Tiefe schlummerte, bis die Kraft zum Wachsen erreicht war, die ersten Triebe auftauchten und ließen mich wie eine Pflanze wieder dem Licht zustrebte.

Ich will die dunklen Zeiten nicht vergessen, sie sind ein Teil von mir, wie die heiteren auch.

Meine stillen „MOMENTE DES ABSCHIEDS“

Und zwar ganz privat, ganz allein, zu intim, zu sensibel, um sie anderen in die Hände zu legen, wollte ich dieses kleine Büchlein zum Leben erwecken.

Im ebook wirbelt es meine Bilder durcheinander, die Wörter nicht. Die Gedichte sind geblieben wie sie waren.

Ein Auswahl der Gedichte und Fotos kannst du hier nachlesen.
Bestellen kannst du sie hier.
Oder direkt bei mir. Schick mir einfach eine Nachricht.

über mich

english

Ich, Ruth Barbara Lotter, bin Autorin, Reisende, Malende, Fotografierende – MENSCH.

Wachsen und Gedeihen durch Worte möchte ich und hoffe, dass Sie ebenso Vergnügen daran finden wie ich. Autor kommt von Auctor ist ein „Förderer, Veranlasser, Urheber, Gewährsmann, Bürger“. Das ist, was ich tun will: augere „fördern, gedeihen machen, wachsen lassen“.

Zumindest versuchen will ich es.

Willkommen auf meiner Seite!

Ich weiß nicht, ob Sie sich schon einmal überlegt haben, was für Bilder andere von Ihnen haben? Ich schon. Es sind viele, nicht nur bei mir, auch bei Ihnen. Hier will ich jungfräulich sein, das Bild neu, unberührt von alten Vorurteilen lassen, und unbelastet frei agieren.

Sie lächeln?

Ich weiß, diese schneeweiße Unschuld wird bald verloren gehen.

Eine taufrische Frau in ihren 50ern, neugeboren, ein unschuldiges Kind, auch wenn es nur meine Worte sind, die so rein sind. Mein Leben ist bunt und manchmal vom Nebel verhüllt. Doch sind es Worte, die mir halfen, mich zu retten. Ich will hier nicht die Tochter, die Frau, die Mutter, die Jungfrau, die Kinderlose, die Oma, die ohne Familie, die Ex, die Tirolerin, die Beamtin, die Unternehmerin, Angestellte oder Arbeiterin, die Verrückte, die Normale, die Emotionslose, die Hysterische, die XY sein. Hier bin ich die Autorin, darauf habe ich Lust.

Wenn mich jemand einordnen will, wird keine Schublade reichen, es muss schon ein ganzer Apothekerschrank sein – mit tausend Laden oder ein Buch mit tausend und noch viel mehr Seiten. Ich mag es, andere Kleider anzuziehen, wenn ich zu schreiben beginne. So lade ich Sie ebenfalls ein, ihre gewohnten Kleider zu wechseln, wann immer Sie ein Buch zu lesen beginnen.

Manchmal steht das Leben auf dem Kopf und so stand der erste Artikel über mich in der New York Times: „Earthly Dream Is Realized in the Rain Forest“. Mögen andere folgen.

Ich bin Ruth Barbara Lotter. Eine Frau geboren in Tirol und lebe im Burgenland. Ich will Geschichten erzählen. Das ist, was zählt.

Was bisher geschah:

Ich kann es nur wärmstens empfehlen, ein Jahr lang die Phantasie wandern lassen, wie es ihr gefällt. Als 2013 meine Mutter starb, beschloss ich, ein Jahr lang darüber nachzudenken. wie ich mein Leben führen möchte. Ich bin in den letzten Jahren durch verschiedene Abteilungen des Fegefeuers gegangen. Sprüche wie: in der Not erkennst du, wer deine Freunde sind, durfte ich lernen. Es fühlte sich an, als ob ich am Boden liegend mit Füße getreten wurde. Doch viel wichtiger ist, dass andere gekommen sind. Gelassen beginne ich ein neues Leben. Ich habe gelernt, viel Geduld zu haben, um tief schlummernde Träume wahr werden zu lassen. 2014 war das Jahr vorüber und ich begann an der Umsetzung eines Lebens, das ich in jeder Weise als gesund empfinde: seelisch, körperlich und geistig. Es braucht seine Zeit, doch das stört mich nicht. Auch dass es einige Jahre still um mich wurde, gehört zu meinem Wachstumsprozess. Wie eine Raupe, die sich verpuppte, um dann der Schmetterling zu werden, der in mir schlummert.

2017

Ruth malt

2016

„MOMENTE DES ABSCHIEDS“ Gedichte

neue Träume, neue Ziele: Unterm Himmel

2015

ebook edition von im irgendwo

Gebrauchsanweisung für Marie. Derzeit nur mit Snippets veröffentlicht.

2014

ebook edition von

blue night dreams
never too much feeling
nia z’viel gfühl

2011

„Earthly Dream Is Realized in the Rain Forest“

ist ein Artikel über mich in der New York Times, welcher über meineArt Urlaub zu machen und die Suche nach neuen Inspirationen erzählt.

coco2009

Fotos für Jojo Smith
Ausstellung: les rêves – photographies. Galeria SENDRA-ALIZES, Draguignan, France

2008

Leseperformance beim Benefizabend für „Emergency“. Improvisation: mit Lucia Riccelli (tanz), Agnes Hvizdalek (voc), Cornelia Pesendorfer (oboe)

Lesung in Innsbruck mit Ines und Julia Egger (Zither) bei der Sonntagsmatinee des Turmbundes Gesellschaft für Literatur und Kunst

lesung-lotter-gedersdorfLesung in Theiß/Gedersdorf. Musikalische Begleitung mit Schülern der Musikschule Gedersdorf unter der Leitung von Thomas Neureuter

2007

song-a-sing_cover3CD-Cover „Song a Sing“ von Triu.

Veröffentlichung im „Morgenschtean“. Die österreichische Dialektzeitschrift. u18/19. 2007/2008.

„im irgendwo. Bilderbuch für Große. Storybook for Adults.“deutsch & englisch. Wien 2007.

 

2006

Leseperformance “blue night dreams” in der Akademie der bildenden Künste, Wien. Improvisation: Carl Pannuzzo (Klavier) und Lucia Riccelli (Tanz) mit den Texten gelesen von Ruth Lotter.

ausstellung002Leseperformance „blue night dreams“ im Restaurant Goldmund, Wien. Improvisation mit Claudia Cervenca (Stimme) und Gerald Selig (Saxophon, Klarinette)

Fotoausstellung in Wien, Restaurant Goldmund (März-August

Fotos zur CD „In The Night The Stars Shine“ von Carl Pannuzzo

Lesen in Tirol in der Bücherei Zirl

„blue night dreams. Bilderbuch für Große. Storybook for Adults.“ deutsch & englisch. Wien 2006.

„never too much feelings.“ Gedichte (Übersetzung von „Nia z’viel G’fühl“). Wien 2006.

2005

„Nia z’viel G’fühl“, Gedichte im Tiroler Dialekt. Buch und CD. Wien 2005.
Präsentation Akademie der bildenden Künste. 1/5 jedes verkauften Exemplars ging an das Projekt, bei dem ich seit 2005 mitarbeite: „Kids in Zambia“

Beim Abschiedskonzert 2005 von Carl Pannuzzo haben er und Ruth Barbara Lotter ein Gedicht 4-sprachig vorgetragen: auf Tirolerisch, auf Englisch und in österreichischer und australischer Gebärdensprache:

d’sterndln

mit jedem du kimmt was neisund jedes neie isch a sterndl,carli
des aufgeht am horizont.
des kann da niemand nehmen,
nur du kannsch’s vergessen.

des sein deine sterndln
und du bisch der meischter
über dein sternenhimmel
und vergiß nit, jed’s sterndl
macht dein himmel heller und schener und leichtender.

geh aussi und sammel deine stern
polier sie und putz sie, sei guat zu ihnen
und wenn oana geht, wird a neier kemmen,
und der alte wird nachstrahlen
als erinnerung in deim herzn.

und dei herz wird heller
und schener
und leichtender.
vergiß des nit, des isch dei leben,
des du zum leichten bringsch.

2004

erste Fotoausstellung in Wien, Städtische Bücherei Zirkusgasseruth_goldmund

Erstes Lesen in Wien bei den Österreichischen Dialektautorinnen und -autoren

2002

Erstmals öffentliches Lesen bei einem Poetry Slam in Tirol

Endlich wagte ich, durch Freunde ermutigt, Schritte nach aussen und setzte an, wo ich 20 Jahre zuvor aufhörte

Studium in Wien
Schrieb, las und fotografierte, bis ich alles loslassen musste
Geboren in Innsbruck, Tirol

english

2016

„MOMENTE DES ABSCHIEDS“ Gedichte.

Poems, german.

2015

ebook edition

im irgendwo

Final work on the novel

Gebrauchsanweisung für Marie. Partly published.

2011

„Earthly Dream Is Realized in the Rain Forest“ is an article about me in the New York Times which describes a little bit how I felt and what I was looking for.

2010/11

Working on different books. „Research“-Holiday Along the Pacific Coast with Ruth from LA to Vancouver

2009

Photographs of Jojo Smith
exhibition- rêverie – photographies. Galeria SENDRA-ALIZES, Draguignan, France

2008

Reading Performance “blue night dreams” at the fundraising for „Emergency“. Improvisation with Lucia Riccelli (dance), Agnes Hvizdalek (voc), Cornelia Pesendorfer (oboe) and and Ruth Lotter (photographs and text)

Reading in Innsbruck with Ines and Julia Egger (Zither) at the morning performance of the Turmbund, Society for Literature and Art

Reading in Theiß/Gedersdorf

2007

Cover for the CD „Song a Sing“ of Triu

Publication in the „Morgenschtean“. The Journal of Austrian Dialect Writers. u18/19. 2007/2008

„im irgendwo. Bilderbuch für Große. / in the somewhere. Storybook for Adults.“
deutsch & englisch

2006

Reading Performance “blue night dreams” at the Academie of Fine Arts, Vienna. Improvisation with Carl Pannuzzo (piano), Lucia Riccelli (dance) and Ruth Lotter (photographs and text)

Reading Performance “blue night dreams” at the Restaurant Goldmund, Vienna. Improvisation with Claudia Cervenca (voc) und Gerald Selig (saxophon, clar)

Exhibition, Restaurant Goldmund (03-08(2007)

Photographs for the CD „In The Night The Stars Shine“ of Carl Pannuzzo

Reading in Tirol: public library, Zirl

„blue night dreams. Bilderbuch für Große. Storybook for Adults.“
deutsch & englisch

„never too much feelings.“ Poems (Translation von „Nia z’viel G’fühl“)

2005

„Nia z’viel G’fühl“, Poems in Tyrolean Dialect. Book and CD Presentation at the Academie of Fine Arts. 1/5 of every sold book is for a project I work for: „Kids in Zambia“

Farewell Concert 2005 of Carl Pannuzzo . Performance of a Poem in 4 languages: Tyrolean, English and Austrian and Australian Sign Language

little stars

with every you,
something new is coming into your life
this new thing is a little star
that grows from the horizon
and no one can take it away
only you can forget your new little star.

but you are the master of your sky
with all the little stars above.
don’t forget with every star
your sky will be brighter, beautiful, glowing.

go out and collect your stars.
clean and polish them. be good to your stars
and if one will leave
a new one will come. always.

the old one will leave his remarks in your heart.
your heart will be brighter. beautiful. glowing.
don’t forget.

it’s your life that makes you glow.

2004

First exhibition at the Public Library Zirkusgasse, Vienna

First Reading in Vienna at a Meeting of the Austrian Dialect Writers

2002

First Poem read at a Poetry Slam in Tirol

Finally friends encouraged me to go out and I started where I stopped 20 years ago

Study in Vienna
Wrote, read and was taking pictures, till I had to let it go
Born in Innsbruck, Tyrol

Move on

Ist es Rastlosigkeit,
die Schmetterlinge Kontinente überqueren lässt?
Oder den Menschen zum Mond fliegen?

Im Stillstand lässt sich Ruhe finden.
In der Bewegung anderes.

In der Bewegung bekomme ich die Wahl, egal welche.
Im Fluss ergeben sich Lösungen, ob ich will oder nicht.
Warum sollte ich mich entwurzeln und woanders hin gehen?
Ist es Rastlosigkeit? Unruhe?

Das erste Lebewesen, dass sich bewegte, wollte Sicherheit – eine klare, saubere, glatte Oberfläche, um dort bleiben zu können. Doch der Untergrund ist immer in Bewegung, und nicht nur er. Auch über uns Veränderung. Alles bricht, alles verändert sich. Nur sehen wir manches – gefangen in unserer eigenen Zeit – nicht. Wenn Gebirge sich aufbäumen, das Meer sich erhebt. Wenn der Mond sich von uns fort bewegt und die Erde sich ihrem eigenen Taumeln stellen wird müssen in Milliarden Jahre Ferne.

Wenn das Leben hier, wo ich bin, zu schwer wird, dann werde ich dorthin gehen, wo es leichter ist. Nicht das Abenteuer lässt einen Aufbrechen, es ist die Sehnsucht nach Behaglichkeit, einem Zuhause, das gefunden sein will.

Nirgendwo ist es für immer sicher, nirgends auf unserem kleinen blauen Planeten und auch nicht im restlichen Universum. Egal ob Rastlosigkeit oder Verzweiflung an einem gewissen Punkt muss ich aufbrechen. Ob im Geiste, mit meiner Seele oder in meinem Körper.

Sicherheit im Stillstand zu suchen, ist die reine Illusion. Sie in der Veränderung zu finden, unendlich viel schwerer und doch ist sie letztlich nur in der Bewegung, im Wandel wirklich.

Aufbrechen, so wie es die ersten Lebensformen vor 565 Millionen von Jahren erfunden hatten.

Ich habe keine Wahl. Die Natur hat das früh erkannt. Das Leben hat das früh erkannt.

Entweder bewege ich mich – oder ich sterbe.

Deshalb bewegen wir uns. Und hören nie auf uns zu bewegen.

Die wahre Heimat ist der Wandel.

Dies ist eine freie Übersetzung mit kleinen Ergänzungen über die ersten Spuren im Sand, die die ältesten Fossilien der Erde hinterlasse haben.
(Our Earliest Example of an Animal Moving on Its Own).
Ich muss dabei an meine eigenen denken. Es sind meine Bewegungen des Geistes, meine Bewegungen auf der Welt, meine Bewegung von einer Arbeit zur nächsten, einer Berufung zur anderen.
Aber sind dies nicht auch die Bewegungen, die Menschen treiben, ihre Heimat zu verlassen?